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Tages- und Festgeld Drei Prozent für sechs Monate

24.07.2006 ·  Wenn der Chef der Europäischen Zentralbank sich äußert, zucken die Märkte zusammen. Bei einer Zinserhöhung reagieren die Aktienmärkte wenig erfreut. Wer dagegen sein Geld kurzfristig auf Tages- oder Festgeldkonten parkt, jubelt.

Von Dyrk Scherff
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Wenn der Chef der Europäischen Zentralbank an die Öffentlichkeit tritt, zucken die Märkte zusammen. Verkündet er eine Zinserhöhung, reagieren die Aktienmärkte meist wenig erfreut. Doch wer sein Geld lieber kurzfristig auf Tages- oder Festgeldkonten parkt, jubelt. Denn er darf erwarten, daß auch seine Bank die Sparzinsen erhöht.

Das hat die ING-Diba, der Marktführer beim Tagesgeld, in der abgelaufenen Woche gerade angekündigt. Er wird vom 1. September an 2,65 Prozent für Tagesgeld, also täglich verfügbares Geld, bezahlen. Bisher sind es 2,50 Prozent. "Das ist ein interessantes Angebot. Nicht unbedingt wegen des Zinssatzes, da gibt es bessere Anbieter. Aber es ist attraktiv, weil es keine Beschränkungen kennt", bewertet Max Herbst von der FMH Finanzberatung das neue Angebot. Das heißt: Sowohl neue als auch bestehende Kunden bekommen die höheren Zinsen. Und es wird für jede Anlagesumme bezahlt.

Attraktive Lockangebote haben oft gewisse Beschränkungen

Das bieten die Wettbewerber in der Regel nicht. Sie locken mit hohen Zinsen von teilweise mehr als vier Prozent, wie etwa das Wertpapierhaus WPH Driver & Bengsch. Aber nur für eine Summe von maximal 25.000 Euro. Und nur für maximal drei Monate. Danach gibt es nur noch 2,5 Prozent. Attraktiv ist auch die Ziraat Bank, die für Tagesgeld drei Prozent bietet. Und das für unbegrenzte Summen. Nachteil: Das Tagesgeld-Konto kann nur online geführt werden

Zu den besseren Angeboten gehört auch das CitiBest-Girokonto der Citibank. Der Zinssatz ist schon seit einem Jahr mit 2,75 Prozent festgelegt. Was damals richtig viel war, weil die Zinsen noch niedrig waren, ist jetzt immer noch knapp über dem Durchschnitt. "Interessant ist vor allem, daß dieser Zinssatz Neukunden für zwölf Monate garantiert wird und in der Anlagesumme nach oben nicht begrenzt ist", sagt Herbst. Allerdings müssen mindestens 2.500 Euro angelegt werden. Nach einem Jahr gibt es den Zins nur noch, wenn das Depot oder Konto mindestens 75.000 Euro umfaßt.

Ein Nachteil von attraktiven Zinsen ist auch, daß die Banken versuchen, die erhöhten Kosten durch Zusatzgeschäfte mit dem Kunden wieder hereinzuholen. Auf häufige Anrufe oder Post, die vermeintlich günstige Ratenkredite, Reiseversicherungen oder Kreditkarten anpreisen, sollten die Billigzinsjäger gefaßt sein.

Festgeld liegt für die vereinbarte Zeit fest

Eine Alternative zum Tagesgeld ist das Festgeld. Dabei wird Geld für ein halbes oder ganzes Jahr fest angelegt. Die Zinsen sind fast immer höher als beim Tagesgeld, dafür kommen die Sparer nicht an ihr Geld. Festgeld lohnt sich, wenn man Geld übrig hat und nicht weiß, wo man es anlegen soll. Tagesgeld ist eher etwas für Anleger, die ihr Geld kurzfristig parken wollen, bis sich eine Einstiegsgelegenheit etwa am Aktienmarkt bietet

Auch beim Festgeld gibt es Mindestsummen, die angelegt werden müssen. Demir-Halk Bank und die Finansbank bieten im Insolvenzfall nur eine Rückzahlsicherheit bis 20.000 Euro.

Bei Laufzeiten von sechs Monaten bieten sechs Banken mehr als drei Prozent Zinsen. Wer sich für ein Jahr festlegt, bekommt bei 14 Banken mehr als drei Prozent (siehe Tabelle). Der Durchschnitt liegt bei 2,66 Prozent. Länger sollte man nicht abschließen, um bei weiter steigenden Zinsen in Zukunft bessere Konditionen nutzen zu können.

Als interessante Alternative für jene, die flexibel auf höhere Zinsen reagieren wollen, bieten sich Bundesschatzbriefe an. Ein Jahr nach dem Kauf können Beträge von 5.000 Euro im Monat gekündigt werden. Im ersten Jahr zahlt der aktuelle Schatzbrief 2,75 Prozent, danach drei Prozent. Die Gesamtrendite beträgt auf sechs Jahre 3,70 Prozent im Jahr. Wer seit Januar 2005 einen Schatzbrief gekauft hat, sollte ihn jetzt kündigen und in den aktuellen umschichten, hat Herbst errechnet. Im Juli 2005 gab es für 5.000 Euro 729 Euro Zinsen bis 2011, aktuell sind es 867 Euro ebenfalls bis 2011.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.07.2006, Nr. 29 / Seite 38
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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