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Junk-Rating : Südafrika steckt in der Krise

Südafrikas Präsident Jacob Zuma triumphiert. Ob das gut für das Land ist, bleibt abzuwarten. Bild: Reuters

Nach einer Abstufung des Rating auf Ramschniveau stehen Anleihen und Währung Südafrikas unter Druck. In den dahinter stehenden politischen Unsicherheiten sehen andere Investoren aber schon wieder eine Gelegenheit.

          Südafrika steckt in der Krise. Diese hält schon seit einiger Zeit an. Doch am Dienstag zeigen die Finanzmärkte, dass sich die Lage verschärft hat. Die Landeswährung Rand wertete um mehr als ein Prozent bis auf 13,94 Rand für den Dollar ab. Für die Verhältnisse am Devisenmarkt ist dies eine enorme Reaktion.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit ist die längerfristige, seit Anfang 2016 anhaltende Stabilisierung der Währung unterbrochen, die diese von ihrem Allzeittief bei 16,8705 Rand hatte aufwerten lassen. Auch gegenüber dem Euro wertet der Rand deutlich auf 14,8363 Rand ab.

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          Grund der Talfahrt ist die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Diese hatte die Bonitätsnote des Landes von BBB- auf BB+ gesenkt. Damit gelten südafrikanische Staatsanleihen nach dem Dafürhalten der Agentur nicht mehr als investmentwürdig, sondern als spekulativ.

          Auch am Anleihenmarkt gibt es Ausschläge: Die Rendite der zehnjährigen, mit 10,5 Prozent verzinsten Rand-Anleihe steigt auf 9,09 Prozent. Am Vorabend waren es nur 8,94, am Donnerstag noch 8,53 Prozent.

          SOUTH AFR. 2026 186 21.12

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          S&P reagierte auf die Entlassung mehrerer Minister in Südafrika. Präsident Jacob Zuma hat sein Kabinett radikal umgebildet und zehn Kabinettsposten neu besetzt. Entlassen wurde auch der international angesehene Finanzminister Pravin Gordhan. Spekulationen über die Entlassung Gordhans hatten den Kurs des Rand und der südafrikanischen Staatsanleihen schon in den Vortagen belastet.

          Angeblich sollten durch die Neubesetzungen Effizienz und Effektivität verbessert werden. Die Kabinettsbildung wird auch aus den eigenen Reihen der Regierungspartei ANC heftig kritisiert, darunter auch von Zumas Stellvertreter.

          Streit um Atomkraftwerke und Staatsunternehmen

          Hintergrund für Gordhans Entlassung war der schon lange schwelende Machtkampf mit Zuma. Gordhan setzte sich zuletzt vehement für mehr Haushaltsdisziplin und gegen Korruption ein. Da diesen mehrere Minister unterstützten, verloren auch diese ihre Ämter. Gordhan und Zuma stritten vor allem darüber, ob sich das Land den Bau neuer Atomkraftwerke leisten könne und über das Management staatseigener Unternehmen.

          Als Nachfolger von Gordhan nominierte Zuma den bisherigen Innenminister Malusi Gigaba, der als einer seiner Getreuen gilt. Auch bei den anderen Neubesetzungen handelt es sich größtenteils um Zuma-Vertraute. Gigaba versprach eine „radikale wirtschaftliche Umgestaltung“ im Rahmen des bestehenden Haushalts.

          Die Opposition kündigte einen Misstrauensantrag gegen Zuma im Parlament an. Man arbeite für Zumas Abgang. An der Pressekonferenz nahmen vier weitere Oppositionsparteien teil, darunter die Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (EFF) des ehemaligen Chefs der ANC-Jugend Julius Malema.

          Auch Moody's prüft Rating

          Zuma hat seit dem vergangenen Jahr schon mehrere Misstrauensvoten überstanden. Sein ANC verfügt im Parlament mit 249 von 400 Sitzen über eine komfortable Mehrheit. Diesmal könnte es für ihn aber enger werden als bisher.

          Die von Staatspräsident Jacob Zuma vorgenommenen Änderungen in der Regierung gefährdeten das Wirtschaftswachstum und die Fiskalpolitik, erklärte S&P. Der Ausblick für Südafrika sei derzeit negativ. Damit droht künftig eine weitere Abstufung. Dies spiegele wider, dass die politischen Risiken dieses Jahr hoch blieben.

          Die Rating-Agentur Moody’s kündigte eine Überprüfung der Bonitätsnote Baa2 an, die einem BBB von S&P entspricht. Üblicherweise seien Kabinettsumbildungen kein Anlass für Änderungen des Ratings. In diesem Falle allerdings würfen Zeitpunkt und Umfang Fragen hinsichtlich der Fortschritte bei essentiell wichtigen Reformen zum Erhalt der fiskalischen und wirtschaftlichen Stärke Südafrikas an. Kurzfristig sei zudem bedeutsamer, wie dies das fragile Investorenvertrauen beeinflussen und sich auf die unsichere Erholung auswirken werde.

          Investoren wittern Gelegenheiten

          Indes gibt es Signale, dass zumindest bei ausländischen Investoren Risikobereitschaft besteht. Die höheren Anleiherenditen seien ein Kaufsignal, sagte etwa Phoenix Kalen, Schwellenländerstratege bei der Société Générale, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Renditen sähen angesichts einer kontrollierten Inflation attraktiv aus, sagte auch UBS-Stratege Mani Nahrain. Man erwäge Käufe zehnjähriger Anleihen im Bereich von 9,3 bis 9,5 Prozent.

          Eine weitere Abwertung des Rands könnte dem indes zuwider laufen. Gerade die Wechselkursschwäche lässt die Renditen auch so deutlich steigen. Nur argentinische, ukrainische und türkische Anleihen bieten in Landeswährung noch höhere Renditen als südafrikanische.

          Keine Zukunft mit Zuma

          Die Rabobank fürchtet, dass auf diese Weise auch der Inflationsdruck wieder steigen werde. Dann drohten Zinserhöhungen der Nationalbank. Zudem glauben die Analysten nicht an den Reformwillen der Zuma-Fraktion. Statt sich mit Reformen zu beschäftigen, könne es zu einem verlängerten Machtkampf zwischen den Reformern um Gordhan und den Anhängern Zumas kommen, der für populistische Maßnahmen und fragwürdige Verbindungen mit einflussreichen Geschäftsleuten stehe. Ein Rücktritt Zumas könne eine negative Entwicklung dagegen verhindern.

          Interessant würden südafrikanische Anleihen wieder bei einem Kurs des Euro zwischen 16 und 17 Rand, sagte Fondsmanager Lutz Röhmeyer von der Landesbank Berlin der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dann werde man selbstverständlich wieder einsteigen, weil man dann leicht zweistellige Prozentgewinne werde verbuchen können.

          Danach sieht es momentan jedoch nicht aus. Die etwas risikofreudigeren Anleger scheinen derzeit am Zug zu sein. Der Rand konnte ein Gutteil seiner Anfangsverluste wettmachen und handelt zum Dollar derzeit mit 13,7349 Rand.

          Quelle: FAZ.NET

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