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Schwellenländer : Ministerentlassung stürzt Südafrikas Finanzmärkte in Panik

Da war er noch im Amt: Nhlanhla Nene auf dem Weltwirtschaftsforum Bild: dpa

Die plötzliche Entlassung von Finanzminister Nhlanhla Nene hat zu den größten Verwerfungen am Anleihemarkt in der Geschichte Südafrikas geführt. Mit einer schnellen Erholung rechnet niemand.

          Fassungslosigkeit, Wut und höchste Verunsicherung: Südafrikas Finanzmärkte sind über Nacht in eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte gerutscht. Ein Ende ist auch am Freitag nicht in Sicht gewesen, die Landeswährung verlor weiter an Wert, die Kurse der Bankenaktien gaben nochmals um bis zu 10 Prozent nach. Am Mittwochabend hatte Staatspräsident Jacob Zuma ohne Angabe von Gründen den hoch geschätzten Finanzminister Nhlanhla Nene abgesetzt. Der Rand stürzte daraufhin ab, verlor innerhalb weniger Stunden mehr als 5 Prozent gegenüber dem Dollar. Allein die Banken büßten 112 Milliarden Rand (6,6 Milliarden Euro) an Börsenwert ein. An den Anleihenmärkten kam es zu den größten Panikverkäufen jemals.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Selbst während der Asienkrise 1998 habe es nicht so hohe Verkäufe an einem einzigen Tag gegeben, sagte Malcom Charles, Portfolio-Manager bei Investec Asset Management, dieser Zeitung. Und diesmal handele es sich nicht um einen allgemeinen Schwellenland-Schock, sondern um eine ausschließlich von Südafrika verursachte und auf Südafrika beschränkte Krise. Nene genoss wie seine Vorgänger Pravin Gordhan und Trevor Manuel großes Vertrauen unter Investoren. Seit dem Ende des Apartheid-Regimes hat es kein Staatspräsident gewagt, in die Arbeit des Finanzministeriums einzugreifen, zumal aus vermutlich persönlichem Interesse. Das Ministerium wie die Zentralbank galten als Stabilitätsgaranten. Zuma habe den „Rubikon klar überschritten“, lautet das einstimmige Urteil von Analysten.

          Mit schneller Erholung rechnet niemand

          Alle seien extrem verunsichert, weil weder der Präsident noch der neue Finanzminister oder ein Regierungsmitglied bisher eine Erklärung abgegeben haben, sagt Charles. „Dieses Schweigen ist ohrenbetäubend.“ Die Panik ebbe daher nicht ab. In den kommenden Wochen und Monaten sei mit weiteren Verwerfungen am Devisen-, Anleihe- und in bestimmten Segmenten des Aktienmarktes zu rechnen. Die Finanzmärkte in Südafrika reagieren normalerweise kaum auf lokale Ereignisse. Skandale wie Korruptionsfälle oder Misswirtschaft bei Staatsunternehmen sind meist schon weitgehend in den Kursen berücksichtigt.

          Die Absetzung des Finanzministers aber sei das Schlimmste für eine Wirtschaft, die kaum noch Puffer habe, schrieb die Citi-Bank. Steigende Staatsausgaben, zunehmende Inflation, Zinssteigerungen und eine höhere Schuldenlast seien jetzt wahrscheinlich. Im Juni 2016 erwartet die Bank eine weitere Herabstufung der Bonitätsnote. Nur eine Woche zuvor hatte die Agentur Fitch das Länder-Rating für Südafrika auf eine Stufe vor Ramschniveau verringert. Standard & Poor‘s senkte den Ausblick auf negativ. Man werde die jetzige Entwicklung genau beobachten, teilten die Agenturen mit.

          Bild: F.A.Z.

          Auch nach der Ernennung von Trevor Manuel 1996 war der Rand abgestürzt, hatte sich aber relativ schnell erholt. Damit rechnet jetzt niemand. Die Währung ist ohnehin sehr schwach, hat seit Jahresbeginn um fast ein Drittel gegenüber dem Dollar und um ein Fünftel gegenüber dem Euro an Wert verloren. Verantwortlich dafür ist auch die erwartete Zinswende in den Vereinigten Staaten. Die extrem lockere Geldpolitik der Fed hatte viel Geld in Schwellenländer gespült.

          Vertrauen zerstört?

          Am Freitag kostete ein Dollar rund 15,80 Rand und ein Euro 17,40 Rand. Womöglich werde sich die Währung im kommenden Jahr auf 20 Rand gegenüber dem Dollar und 21 Rand gegenüber dem Euro abschwächen, schätzt der unabhängige Volkswirt Cees Bruggemans. Spekulationen reichen aber auch bis 25 oder 30 Rand gegenüber dem Dollar. Zum Vergleich: 2007 mussten für einen Dollar lediglich 7,60 Rand gezahlt werden.

          Abgesehen von den Bankenpapieren blieben die Reaktionen am Aktienmarkt verhalten. Dies liegt jedoch daran, dass internationale Konzerne wie British-American Tobacco, BHP Billiton oder SAB-Miller den Index bestimmen, die ihr Hauptgeschäft im Ausland machen. Da sie von einer Schwächung des Rand profitieren, entwickelt sich Südafrikas Aktienmarkt oft genau gegensätzlich zum Devisenmarkt. Südafrika habe in den vergangenen Monaten als relativ stabiler Markt unter den Schwellenländern herausgestochen, sagte Charles. Jetzt werde das Land auch für externe Entwicklungen extrem anfällig sein. „Wir haben all das Vertrauen, das über Jahre hinweg bei Investoren aufgebaut wurde, innerhalb von 24 Stunden zerstört.“

          Quelle: F.A.Z.

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