16.08.2007 · Die Subprime-Krise weitet sich aus. Jetzt gefährdet sie sogar die Liquidität amerikanischer Unternehmen. Die Firmen haben mehr und mehr Schwierigkeiten, ihre Anleihen an den Anleger zu bringen.
Die Probleme mit den so genannten Subprime-Hypothekendarlehen haben sich auf dem amerikanischen Kreditmarkt mittlerweile so weit verbreitet, dass sie auf dem Markt für Commercial Papers zu ersten Störungen führen, einem Markt der einen erheblichen Anteil jener kurzfristigen Finanzmittel bereitstellt, die Amerikas Wirtschaft am Laufen hält.
Gesellschaften wie Coventree Inc, KKR Financial Holdings LLC und Thornburg Mortgage Inc haben in den vergangenen Tagen vor Problemen mit kurzfristigen Geldmarktpapieren gewarnt. Analysten und Investoren beobachten daher nervös auch andere Unternehmen, die diese Form der Geldbeschaffung nutzen, etwa den Immobilienfinanzierer Countrywide Financial Corp mit Sitz im kalifornischen Calabasas. Das Unternehmen sieht sich als größter unabhängiger Hypothekenfinanzierer für private Hausbauer in den Vereinigten Staaten.
Turbulenzen im 2,2-Billionen-Dollar-Markt
In einer Mitteilung an seine Kunden schrieb David Rosenberg, Volkswirt für Nordamerika bei Merrill Lynch: „Die Turbulenzen in Subprime-Hypotheken haben sich auf den Markt für Commercial Paper ausgebreitet - ein 2,2-Billionen-Dollar-Markt allein in den Vereinigten Staaten, der die Liquiditätsreserve und damit das Blut für den unternehmerischen Sektor darstellt.“ Die Situation sei gravierender als ein weiteres Problem im Kreditzyklus. Rosenberg gilt als ausgewiesener Skeptiker, der bereits seit einiger Zeit vor den wirtschaftlichen Folgen über den Abschwung des Geschäfts mit Wohnimmobilien gewarnt hat.
Der Markt für kurzfristige Anleihen erlaubt es kreditwürdigen Unternehmen, sich in effizienter Weise kurzzeitig mit Liquidität zu versorgen. Die Emission von Inhaber- oder Teilschuldverschreibungen ist leichter zu handhaben als andere Anleiheformen. Verglichen mit Bankkrediten können sie auch eine preisgünstigere Form der Refinanzierung sein. Deshalb ist der Markt für Commercial Papers mittlerweile zu einem der wichtigsten Kreditmärkte in Amerika geworden.
Kursverlust von 70 Prozent - an einem Tag
In den vergangenen Tagen mehrten sich die Zeichen für Probleme auf diesem entscheidenden Markt. So erklärte die kanadische Gesellschaft Coventree dieser Tage, sie sei nicht in der Lage, neue Schuldtitel am Markt zu plazieren, um 950 Millionen Dollar an zum Teil sogar fälligen Kurzfristanleihen zu refinanzieren. Die Aktie des Unternehmens, das für rund 16 Milliarden Dollar forderungsbesicherte Wertpapiere im Portfolio hat, verlor am vergangenen Dienstag 70 Prozent ihres Wertes.
Am Mittwoch teilte Coventree mit, mittlerweile habe man für rund 600 Millionen Dollar asset-backed Commercial Papers platziert, müsse aber dennoch für Schuldtitel im Volumen von etwa 60 Millionen Dollar die Laufzeit verlängern.
Die kanadische Ratingagentur DBRS äußerte unterdessen, sie sei von einer Reihe kanadischer Unternehmen davon in Kenntnis gesetzt worden, dass die Störungen des Marktes für besicherte Commercial Papers anhielten. Bis Dienstag abend hätten insgesamt 16 Unternehmen den Fall einer Marktzerrüttung für die Refinanzierung an diesem Tage fälliger Verbindlichkeiten geltend gemacht, erklärte DRBS.
„Noch nie dagewesene Störung“
Nach Darstellung von Merrill-Volkswirt Rosenberg ist mehr als die Hälfte des Marktes für kurzfristige Geldmarktpapiere mit Immobilienhypotheken, Kreditkartenforderungen, Autokrediten und anderen Bonds besichert. „Mittlerweile haben die Ratingagenturen davor gewarnt, dass sie möglicherweise die Bonität einiger Emittenten von Commercial Paper herabstufen werden“, schrieb Rosenberg seinen Kunden.
Unternehmen, die besonders von Hypotheken abhängen, könnten von der Marktzerrüttung am härtesten getroffen werden. So erklärte KKR Financial, ein Spezialfinanzierer, der zum Beteiligungskonzern Kohlberg Kravis Roberts & Co gehört, er werde möglicherweise rund 200 Millionen Dollar Verlust mit fremdfinanzierten Investments in hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-backed Securities) verbuchen. Teil des Problems sei die „noch nie dagewesene Störung“ im globalen Markt für Commercial Papers gewesen, erläuterte das Unternehmen. Man führe jetzt Gespräche mit Investoren über alternative Lösungen bei der Refinanzierung. Die Aktie von KKR Financial fiel daraufhin am Mittwoch um 31 Prozent.
Auch der Hypothekenfinanzierer Thornburg meldete Probleme bei der eigenen Refinanzierung auf den Märkten für Commerical Papers und Asset-backed Securities. Daraufhin brach der Aktienkurs noch am Dienstag um 47 Prozent ein. Die Kurserholung folgte am Mittwoch, nachdem Thornburg-COO Larry Goldstone im amerikanischen Fernsehen CNBC berichten konnte, Verhandlungen mit Banken hätten die Ausweitung einiger Kreditlinien und die Rückzahlung fälliger Schuldtitel möglich gemacht.
Das Vertrauen schwindet
Thornburg Mortgage mit Sitz in Santa Fe im amerikanischen Bundesstaat New Mexico hat sich auf die die Nische der großvolumigen Hypothekenkredite mit flexiblem Zins spezialisiert. Thornburg-Manager Goldstone räumte in dem Fernsehinterview allerdings auch ein, dass es für Hypothekenanbieter aktuell weiter schwierig sei, Zugang zum Markt für Commercial Papers zu bekommen.
Unter derartigen Nachrichten leiden andere Hypothekenfinanzierer. Countrywide Financial etwa wurde am Mittwoch mit einem Abschlag von 13 Prozent gehandelt. Merrill-Lynch-Analyst Kenneth Bruce drehte am Mittwoch sein Aktienrating auf verkaufen von kaufen und verwies auf die möglichen Refinanzierungsprobleme des Unternehmens.
Mit den jüngsten Störungen im Geschäft mit forderungsbesicherten Anleihen erodiere weiteres Vertrauen an den Aktienmärkten, dass Unternehmen in der Lage seien, ihre kurzfristige Refinanzierung zu verlängern, schreibt Bruce. Unternehmen wie Countrywide seien deshalb gezwungen, mehr eigenes Kapital zu binden; andere Hypothekenfinanzierer gerieten gegenüber ihren Gläubigern gar in Zahlungsverzug.
Erst vor weniger als einer Woche hatte Bruce seine „Kaufen“-Einstufung für die Countrywide-Aktie noch bestätigt. Doch die rapide Verschlechterung auf den Märkten für Commercial Papers und Mortgage-backed Securities habe ihn nun zur Revision und einem „Verkaufen“-Urteil veranlasst.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.819,90 | −0,42% |
| Nasdaq 100 | 2.558,08 | −0,44% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3106 | −0,50% |
| Rohöl Brent Crude | 118,02 $ | +0,20% |
| Gold | 1.711,50 $ | −0,90% |
| Bund Future | 138,66 € | +0,25% |