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Subprime An den Börsen wächst wieder die Angst wegen der Subprime-Krise

18.07.2007 ·  Die Börsianer hatten die Subprime-Krise schon verdrängt. Jetzt treiben Sorgen um notleidende zweitklassige Immobilienkredite die Anleger wieder um. Ein Fonds von Bear Stearns soll schon wertlos sein.

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An den Börsen wächst die Angst. Plötzlich ist die Subprime-Krise in Amerika wieder ein Thema. Aktueller Anlass sind stark fremdfinanzierte Hedge-Fonds des Anlagehauses Bear Stearns. Einer dieser Fonds ist nach Informationen des „Wall Street Journal“ nahezu wertlos geworden; ein anderer Fonds weist weniger als ein Zehntel seines einstigen Wertes auf. Das Subprime-Problem heißt: die zweitklassigen Immobilienkredite werden mehr und mehr notleidend. Es ist nicht nur ein Problem von Bear Stearns: Generell nimmt die Furcht vor einem „Ansteckungsrisiko“ weiterer Banken oder Fonds zu, sagen Börsianer.

Auch in Deutschland verfehlte die schwelende Subprime-Krise ihre Wirkung nicht. Auch deswegen schwächelte der Dax; zur Mittagszeit notierte er mit 7.930 Punkten 1,35 Prozent schwächer, der Dow-Jones-Index war am Vorabend nach neuen Rekordhöhen wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 14.000 gefallen.

Zehn Milliarden Dollar auf Hypothekenbasis

Die Bear-Fonds werfen ein Schlaglicht auf das generelle Problem. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Sorgen über den Umfang der Subprime-Kredite die Börsen auf Talfahrt gehen lassen. Viele Hedge-Fonds haben diese Kredite in ihren Portfolios. Weil es sich bei Hedge-Fonds um eine sehr intransparente Anlagekategorie handelt, bleiben die Ausfallrisiken der Subprimes und ihr Umfang im Dunkeln. Nach Einschätzung von Pessimisten bergen sie jedoch ein erhebliches Sprengpotential für die Finanzmärkte.

Im konkreten Fall hatten Investoren von Bear Stearns Auskunft über die Situation bei dem High-Grade Structured Credit Enhanced Leveraged Fund sowie dem geringer fremdfinanzierten High-Grade Structured Credit Fund verlangt. Das Resultat war verheerend: Demnach sank der Wert des größeren High-Grade Structured Credit Fund auf nur noch neun Prozent seines Ursprungswertes.

Es geht um viel Geld. In beiden Fonds stecken mehr als zehn Milliarden Dollar hypothekengestützte Aktiva. Bear Stearns hatte vergangenen Monat angekündigt, in den größeren der beiden Fonds bis zu 3,2 Milliarden Dollar zu pumpen. Den stärker fremdfinanzierten Fonds tastete die Investmentbank dagegen nicht an. Die Krise hat das Ansehen der Bank, die als Expertin im Hypothekenmarkt gilt, erheblich erschüttert. Der Bear-Kurs gab am Dienstag nachbörslich 3,5 Prozent nach.

Ratings für hunderte Anleihen gesenkt, Index halbiert sich

Auch andere Fonds an der Wall Street hatten zuvor kräftige Verluste eingeräumt. Vor allem Anlagen des australischen Hedge-Fonds-Manager Basis Capital waren betroffen. Vergangene Woche hatten die beiden Ratingagenturen Moody´s und Standard and Poor´s ihre Ratings für hunderte von Subprime-basierten Anleihen gesenkt. Auf die Schnelle dürfte sich die Lage nicht entspannen. Die Experten der österreichischen Raiffeisen Zentralbank rechnen mit „steigenden Zahlungsproblemen im Subprime-Bereich bis zumindest zur Jahreswende“.

Der ABX-BBB-07-1-Index, der Risiken der Kreditbranche für Kreditnehmer schlechterer Bonität misst, bewegt sich derzeit nahe am Rekordtief. Mit einem Stand von aktuell 45 hat sich sein Niveau binnen eines halben Jahres halbiert. Befürchtet werden zunehmende Zahlungsausfälle bei dieser Art von Krediten. Der Index spiegelt die Zahlungsentwicklung von Ausleihungen des zweiten Halbjahres 2006 wieder.

Mulit-Milliardenschäden durch Subprimes

Welchen Schaden die Subprime-Krise anrichtet und wer vor allem betroffen ist, darüber gibt es die unterschiedlichsten Schätzungen und Ansichten. Am stärksten trifft es Finanzunternehmen. Viele Fondsmanager und Lebensversicherungen müssen die Kredite verkaufen, weil sie nur in Anleihen mit einer hohen Einstufung investieren dürfen. Das drückt auf die Gewinne der Versicherungen und Banken, die in solche Derivate investiert haben und sie möglicherweise zu stark gesunkenen Kursen abgeben müssen. Die Deutsche Bank veranschlagt das Schadenspotential mit 90 Milliarden Dollar, die Credit Suisse mit 52 Milliarden Dollar. Der Markt insgesamt umfasst ein Volumen von 800 Milliarden Dollar. Auch für Unternehmen außerhalb des Finanzsektors haben die Subprime-Querelen spürbare Folgen. General Electric hat im ersten Quartal eine Rückstellung über 500 Millionen Dollar für drohende Verluste im Subprime-Geschäft gebildet.

Fed will Überwachung verbessern

Unterdessen hat die amerikanische Notenbank ein Pilotprojekt angekündigt, mit dem die Überwachung im Subprime-Hypothekenmarkt verbessert werden soll. Demnach sollen unter anderem drei Bundesbehörden vom vierten Quartal an die Vergabepraxis einzelner Hypothekeninstitute prüfen - sowie die Beachtung von Verbraucherschutzvorschriften.

Im Mittelpunkt stehen den Angaben zufolge Nicht-Banken-Töchter von Kreditinstituten und Sparkassen-Holdings stehen sowie Hypothekenbroker, die mit diesen Geschäftsverbindungen pflegen. Fed-Governor Randall Kroszner sagte, das Pilotprojekt ergänze andere Schritte der Notenbank zum Schutz von Kreditnehmern im Markt mit zweitklassigen Hypothekenkrediten.

Zuvor war kritisiert worden, dass diese Institute nicht ausreichend überwacht würden und zu dem starken Wachstum des Subprime-Marktes während des Immobilienbooms in Amerika und auch zu der hohen Zahl an Insolvenzen von Immobilienkäufern in den vergangenen Monaten beigetragen hätten. Fed-Chef Ben Bernanke dürfte sich Beobachtern zufolge bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses Kritik über einen mangelnden Schutz der Verbraucher in diesem Sektor anhören müssen.

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