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Studie Inverse Zinsstruktur ist kein guter Anlage-Ratgeber

05.01.2006 ·  Experten rätseln noch immer darüber, was die jüngst invers gewordene Zinsstrukturkurve für die Wall Street bedeuten könnte. Dabei taugt das Phänomen laut einer Studie von S&P nicht als Instrument zur Kursprognose.

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Die Zinsstrukturkurve in Amerika hat sich zuletzt zwar wieder etwas normalisiert. Das heißt, die zehnjährigen Staatsanleihen werfen inzwischen wieder eine etwas höhere Rendite ab als die zweijährigen Staatsanleihen. Trotzdem wird in Fachkreisen noch immer intensiv darüber diskutiert, was die unlängst erstmals seit fünf Jahren wieder kurzzeitig aufgetretene inverse Zinsstrukturkurve für die Konjunktur und die Börse bedeuten könnte.

Auch wir haben uns an dieser Stelle unter dem Titel „Was eine inverse Zinsstruktur bedeutet“, schon Gedanken über dieses Phänomen gemacht. Die in diesem Beitrag angestellten Überlegungen wollen wir jetzt durch Nachforschungen ergänzen, welche die Analysten beim amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s (S&P) durchgeführt haben.

Verläßlicher Indikator für Rezession-Prognosen

Dem Ergebnis der historischen Studie zufolge, trat eine inverse Zinsstrukturkurve gemessen an den dreimonatigen Treasury Bills und den zehnjährigen Staatsanleihen in den vergangenen 30 Jahren sechs Mal auf (siehe Tabelle). Im Durchschnitt dauerten diese 13 Monate. In fünf der sechs Fälle fiel die amerikanische Wirtschaft anschließend mit einer gewissen Zeitverzögerung in eine Rezession. Im Schnitt dauerte es vom Auftreten einer inversen Zinsstrukturkurve bis zu einer Rezession zwölf Monate. Im Minimum dauerte es sieben Monate und maximal 17 Monate. Nur einmal, und zwar im Jahr 1998, folgte auf eine inverse Zinsstrukturkurve keine Rezession.

Trotz des einzelnen Fehlsignals kann eine inverse Zinsstrukturkurve als relativ verläßlicher Indikator für eine nachfolgende Konjunkturschwäche gewertet werden. Was die aus diesem Phänomen ableitbaren Prognosen hinsichtlich der weiteren Kursaussichten am Aktienmarkt angeht, ist die Verläßlichkeit aber bei weiten nicht so groß. S&P-Chefinvestment-Stratege Sam Stovall kommt auf Basis der ermittelten Daten sogar zu folgendem Schluß: „Das Ende eines Bullenmarktes mit Hilfe einer inversen Zinstruktur vorherzusagen und so ähnlich wie ein Erdbeben zu prognostizieren. Wir wissen, daß es passieren wird, aber wir wissen einfach nicht genau wann das sein wird.“

Die Aktienkurse können auch nach einer inversen Zinsstruktur steigen

Und in der Tat zeigte sich beim Blick zurück zwar, daß der S&P 500 Index im Schnitt drei Monaten nach dem Auftreten einer inversen Zinsstruktur ein Kurshoch ausbildete. Doch sechs Monate nach einer inversen Zinsstrukturkurve lag der Index durchschnittlich immerhin um 7,5 Prozent im Plus und auch zwölf Monate später stand noch ein kleiner Wertzuwachs von 1,4 Prozent zu Buche. Wirklich spürbare Kursverluste gab es nur in den beiden Fällen zu verzeichnen, in denen das Kurshoch beim S&P 500 schon vor der inversen Zinsstrukturkurse aufgetreten ist. Folgerichtig rät Stovall dazu, Anlageentscheidungen nicht alleine auf Basis der Existenz einer inverse Zinsstrukturkurve zu treffen, weil man sonst nicht davor gefeit ist, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Ergänzend sei noch darauf hingewiesen, daß die Analysten ihre Studie deshalb auf einen Vergleich der dreimonatigen Treasury Bills mit den zehnjährigen Staatsanleihen abstellten, weil sich diese Zinsstrukturkurve noch schwieriger invertiere als das Verhältnis der zweijährigen zu den zehnjährigen Staatsanleihen und deswegen ein verläßlicherer Indikator sei.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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