23.02.2007 · Nach einiger Suche finden sich etliche Kapitalschutz-Produkte, die unter dem Nennwert notieren. Solche Zertifikate können als Nullkupon-Anleihe angesehen werden - mit der Chance auf ein sattes Plus zum Laufzeitende.
Anleger lieben Zertifikate mit Kapitalschutz, denn Sicherheit steht nach schlechten Erfahrungen an der Börse hoch im Kurs. Der Kapitalschutz gilt bei den meisten Produkten freilich erst zum Laufzeitende. Vorher können die Zertifikate an der Börse unter dem Nennwert notieren.
Dieser Umstand wird manchem Erstzeichner ein ungutes Gefühl geben, schließlich könnte er sich während der Laufzeit nur mit Verlust von seinem Investment trennen, obwohl er doch ausdrücklich auch einen Kapitalschutz eingekauft hat.
Anleger, die entsprechende Zertifikate später kaufen und nicht von Beginn an zeichnen, erwerben die gleiche Leistung dagegen mit Rabatt. Für sie ist ein solches Kapitalschutz-Zertifikat, das unter dem Nennwert notiert, faktisch eine Nullkupon-Anleihe mit Chance auf einen Rendite-Kick zum Laufzeitende.
Zerobond mit niedriger Rendite...
So hat Barclays im Juli vergangenen Jahres zum Beispiel das „Rohstoff Protect Zertifikat 8“ begeben, das Anleger bei vollem Kapitalschutz zum Laufzeitende im Juli 2012 eins zu eins an der Wertentwicklung eines Rohstoffkorbes partizipieren lässt (Isin DE000BC0EFG2). Dazu kommt ein Kupon von drei Prozent im Jahr, wenn Mitte Juli des entsprechenden Jahres jeder der vier Rohstoffe über dem Festlegungsniveau notieren.
Im Korb liegen zu gleichen Teilen Kupfer, Brent-Rohöl, Nickel und der Goldman Sachs Agriculture Excess Return Index. Seit Auflage muss dieser Rohstoffkorb kräftig gefallen sein, denn das Zertifikat notierte am Freitagmittag im Frankfurter Freiverkehr gerade mal bei 84,60 Prozent.
Der Briefkurs liegt bei 86,60 Prozent. Wenn ein Anleger dieses Zertifikat jetzt kauft, erhält er zum Laufzeitende in rund fünfeinhalb Jahren 100 Prozent zurück, der Kupon beträgt also 13,4 Prozent. Das entspricht einem jährlichen Zins von etwa 2,3 Prozent.
... und der Chance auf einen satten Zuschlag
Der Anleger kauft in diesem Fall also einen relativ schlecht verzinsten Zerobond, erhält dafür aber die Chance auf einen ordentlichen Zuschlag am Laufzeitende - dann nämlich, wenn sich die Preise der Rohstoffe im Korb wieder erholen und im Juli 2012 über dem Niveau vom vergangenen Sommer notieren.
Ähnlich ist es beim „SG Rohstoff Garantie-Zertifikat VII“ der Société Générale (Isin DE000SG0GE10). Hier partizipiert der Anleger bei vollem Kapitalschutz zum Laufzeitende im Dezember 2011 eins zu eins an der Entwicklung eines Rohstoffkorbes aus Gold, Aluminium, Kupfer und Brent-Rohöl.
Das Zertifikat kostet an der Stuttgarter Börse derzeit 942,64 Euro, bei einer Rückzahlung von 1.000 Euro entspricht das einer jährlichen Verzinsung von knapp 1,2 Prozent. Dazu kommt die nicht ganz unwahrscheinliche Chance auf einen satten Gewinn, wenn die genannten Rohstoffe im in knapp fünf Jahren teurer sind als im Frühjahr vergangenen Jahres.
Auch die Bonität berücksichtigen
Nach einiger Suche finden sich etliche Kapitalschutz-Produkte, die unter dem Nennwert notieren und daher als „Zerobond Plus“ gelten können - nicht nur auf Rohstoff-, sondern auch auf Aktienkörbe.
Allerdings müssen Anleger darauf achten, dass sich der Basiswert nicht zu weit von der Gewinnzone entfernt hat. Sonst sind die Zertifikate nur schlecht verzinste Nullkupon-Anleihen - ohne Rendite-Extra. Außerdem darf natürlich die Bonität des Emittenten nicht außer Acht gelassen werden, was freilich für alle Zertifikate gilt.