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Strukturierte Anleihen Wenig zu gewinnen mit dem „Weltmeister-Zertifikat“

20.03.2006 ·  Das „Fifa WM 2006 TM Weltmeister“-Zertifikat der Postbank bietet bis zu sechs Prozent Rendite im Jahr. Damit es dazu kommt, dürfen im Aktienkorb allerdings nur wenige Verlierer liegen. Die Rendite in den vergangenen Jahren wäre eher spärlich gewesen.

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Wenn es darum geht, neue Kunden zu werben, kommt den Banken jeder Anlaß recht, auch wenn er überhaupt nichts mit dem Thema Geldanlage zu tun hat: Die Mainzer Volksbank brachte pünktlich zu Fastnacht eine Inhaber-Schuldverschreibung mit einem Zins von 3,33 Prozent und einer Laufzeit von 33 Monaten auf den Markt.

Die Landesbank Berlin will Anleger zu den ersten Sonnenstrahlen mit einer „Frühlingsfest-Anleihe“ beglücken (siehe auch: „Frühlingsfest-Anleihe“ bringt null bis 20 Prozent Zinsen). Und natürlich überbieten sich die Kreditinstitute in ihren Bemühungen, von der Fußballeuphorie vor der WM 2006 zu profitieren (siehe auch: Marketing-Strategie Fußball-WM: auch Banken locken Kunden ). Die Postbank etwa bewirbt massiv ihr „Fifa WM 2006 TM Weltmeister“-Zertifikat.

Viel Werbung für ein Zertifikat

Die Werbeagentur BBDO hat Anzeigen kreiert, in denen ein deutscher Fan mit dem Trikotaufdruck „6%“ in Tageszeitungen und wirtschaftsaffinen Publikumstiteln wirbt. Außerdem läuft im März und April ein 25sekündiger Werbespot auf RTL, Pro 7, Sat.1 und vielen kleineren Privatsendern: Holländische und brasilianische Fans sehen Deutschland chancenlos, doch ein englischer Fan meint resigniert und frei nach Gary Lineker: „Am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ - „Stimmt!“, sagt ein deutscher Fan. Und die Stimme aus dem Off ergänzt: „Mit dem 'Postbank Fifa WM 2006 TM Weltmeister'-Zertifikat. Garantierte sechs Prozent fürs erste Jahr.“

So viel Werbung für ein einzelnes Finanzprodukt ist selten. Dieser Aufwand soll sich für die Postbank natürlich rechnen. Ob sich das Zertifikat allerdings für Anleger lohnt, ist fraglich. Denn das Produkt ist so konstruiert, daß der Ertrag am Ende durchaus niedrig ausfallen kann.

„Finalbonus“ für die Endspielteilnahme

Für das erste Jahr bekommt der Anleger sechs Prozent Zinsen. In den fünf Folgejahren beträgt der Zins wieder sechs Prozent, wenn höchstens drei der 20 Aktien aus dem Aktienkorb unter 90 Prozent ihres Einstandskurses notieren. Klappt das nicht, beträgt der Zins zwei Prozent, solange nicht mehr als drei Aktien mehr als 30 Prozent verlieren. Die Aktienkurse werden jährlich am 28. April mit ihren Einstandskursen am 5. Mai 2006 verglichen. Außerdem verspricht die Postbank einen „Finalbonus“ von einem Prozent, wenn Deutschland das Finale erreicht.

Anleger müssen mindestens 50 Zertifikate zu zehn Euro je Stück bis 28. April zeichnen. Der Ausgabeaufschlag beträgt drei Prozent. Zum Laufzeitende am 5. Mai 2012 ist das Kapital garantiert. Während der Laufzeit kann das Papier zwar zum tagesaktuellen Ausgabekurs abzüglich einem Prozent Gebühr verkauft werden, der Kurs kann dann aber unter zehn Euro liegen.

Aktienauswahl „nach freiem Ermessen“

Anders als bei vielen anderen Zertifikaten steht heute noch gar nicht fest, aus welchen Papieren sich der Aktienkorb zusammensetzt, auf den das Zertifikat wettet. Die Postbank „nominiert“ 25 Aktien, von denen sie „20 besonders vielversprechende“ auswählt, heißt es in der Werbebroschüre. Ehrlicher ist es im offiziellen Prospekt formuliert. Dort ist von 25 Aktien die Rede, „von denen die Deutsche Postbank AG bis zum 5. Mai 2006 nach freiem Ermessen 20 Aktien aussuchen wird“.

„Nominiert“ sind Aktien, die in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet haben, Adidas etwa oder Apple. Aber auch Titel wie die Deutsche Telekom und Tui sind darunter, deren Performance sicher nicht jeden Anleger in helle Begeisterung zu versetzen vermag.

In den vergangenen zwölf Monaten hat nur die Tui-Aktie mehr als zehn Prozent verloren, der Anleger hätte sich also über sechs Prozent Zinsen freuen können. Nun waren die vergangenen Monate an der Börse sehr erfolgreich, die gute Performance der Aktien also kein Kunststück. Wenn man fünf Jahre zurückblickt - dieser Zeitraum beinhaltet auch schlechte Aktienjahre -, ergibt sich gleich ein anderes Bild: Acht der 25 Aktien verloren in diesem Zeitraum mehr als 30 Prozent, zwei weitere haben mehr als zehn Prozent eingebüßt. Wer ein analog konstruiertes Zertifikat vor fünf Jahren erworben hätte, hätte ab dem zweiten Jahr wohl auf einen Kupon verzichten müssen.

„So aussichtsreich wie ein Elfmeter“

Falls die Kurse im kommenden Jahr fallen sollten, könnte es also durchaus sein, daß der Anleger nur eine einzige Kuponzahlung erhält. Berücksichtigt man die drei Prozent Ausgabeaufschlag, ergibt sich in diesem Fall annualisiert eine magere Verzinsung von 0,96 Prozent - das ist nicht einmal ein Inflationsausgleich.

Die undurchsichtige Aktienauswahl und der umfangreiche Aktienkorb machen das Zertifikat zu einem Beispiel für fehlende Transparenz. Der Anleger kann nur mit gehörigem Aufwand überprüfen, welche Zinszahlung er zu erwarten hat. Rutscht eine Aktie zu stark unter die Grenze von 90 oder 70 Prozent, hat das starke Auswirkungen auf die Rendite.

„Eine Geldanlage, die so aussichtsreich ist wie ein Elfmeter“, heißt es in dem Werbebrief an die Postbank-Kunden. Tatsächlich: Wie beim Elfmeter muß der Anleger bis zum letzten Augenblick zittern, ob er die Partie gewinnt. Für „sicherheitsorientierte“ Anleger, an die sich das Produkt laut Postbank wendet, sollte eine Geldanlage mehr Sicherheit bieten als ein Elfmeterschießen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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