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Strukturierte Anleihen Kein Fair-Play bei der Go-Getter-Anleihe

17.02.2006 ·  In acht Partien Sponsoren- gegen Konkurrenten-Aktie ermittelt die „Go-Getter-Anleihe“ ihre Sieger. Der Anleger profitiert dabei von möglichst hohen Triumphen. Doch die Spielregeln sind etwas einseitig geraten.

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Noch vier Monate bis zur Weltmeisterschaft und Deutschland gerät so langsam ins Fußballfieber. Dieses macht sich nicht nur in den Stadien und der Politik bemerkbar, sondern auch auf den Kapitalmärkten. Weniger weil Banker um Tickets schachern, sondern weil immer mehr Produkte sich einen fußballerischen Anstrich geben.

In der Fondsbranche tritt die Dekabank präsentiert einen Kick-Garantiefonds ( Deka-Kick-Garant 2006: Gewinnen mit dem Besten) mit Zertifikate-Anstrich und aus der Zertifikatebranche selbst kommt JP Morgan mit einem Produkt, das ganz im Zeichen eines Turniers steht.

Das Fußballturnier der Aktien

Als Kinder spielten mein Bruder und ich gerne Quartett und Fußball. Dabei bemühten wir uns auch beides miteinander zu verquicken. So ließen wir einzelne Quartettkarten gegeneinander antreten, verglichen deren Daten und ermittelten so aus dem Kartenstapel im K.O.-System den Sieger.

Ungefähr so funktioniert auch die „Go-Getter-Anleihe“. In acht „Partien“ treten acht WM-Sponsoren gegen ihre jeweiligen Kontrahenten an: Coca gegen Pepsi, Deutsche Telekom gegen Telecom Italia, Adidas gegen Nike usw.

Verglichen wird die Wertentwicklung der jeweiligen Aktien über ein Jahr. Zwei Jahre beträgt die Laufzeit des Produkts, so daß es also Hin- und Rückspiel gibt, die indes getrennt abgerechnet werden. Entscheidend ist, wer am Ende vorne liegt.

„Wer das letzte Tor schießt, ist Weltmeister“

Hier hören jedoch die Fußball-Analogien langsam auf. Denn „Tore“, die im Spielverlauf erzielt werden, spielen keine Rolle. Abgerechnet wird am Bewertungstag, frei nach dem Motto vom Bolzplatz, wenn Mutti zum Essen ruft: „Wer das letzte Tor schießt, ist Weltmeister“.

Der Anleger erhält pro Jahr einen Zinskupon in Höhe der durchschnittlichen Outperformance der Sponsoren-Aktien. Allerdings scheint die Wettlust bei JP Morgan doch eher begrenzt zu sein. Denn für das Hinspiel im ersten Jahr gilt ein Cap von zehn und für das Rückspiel von 20 Prozent - wobei dabei das Hinspiel mitzielt, der Beobachtungszeitraum sich also über zwei Jahre erstreckt.

Das Gemeine daran ist, daß die Cap nicht für den Zinskupon gilt, sondern für den Beitrag jeder einzelnen Paarung. Das bedeutet, daß ein Debakel in einer Paarung nicht durch einen haushohen Triumph in einer anderen Partie wettgemacht werden kann.

Fair-Play sieht anders aus

Das zeigt besonders der Blick auf die Vergangenheit. Schaut man in die Vergangenheit, so gab es in den acht Partien der Saison 2005/2006 - gerechnet mit dem Stichtag 16. Februar - immerhin drei Debakel. So verloren Coca und Anheuser-Busch ihre Spiel deutlich mit -12,62 und -17,84 Prozent und Yahoo wurde von Google sogar mit -89,62 Prozent vom Platz gefegt. Der 41,66 Prozent-Triumph von Adidas über Nike hätte jedoch lediglich mit zehn Prozent gezählt, ebenso der deutliche 12,2 Prozent-Sieg von Fuji über Eastman Kodak.

Ergebnis: Statt einer durchschnittlichen Underperformance von minus 2,83 Prozent hätte diese sogar minus 6,57 Prozent betragen. Noch extremer zeigt sich das in der Rückspielsimulation, für die allerdings die Partie Yahoo gegen Google fehlen muß, weil letzter Aktie noch nicht börsennotiert war. Statt eines Kupons von 8,27 Prozent ergäbe sich eine Underperformance von minus 3,99 Prozent.

Fair-Play ist das nicht gerade. Da kann man schon dankbar sein, daß das Produkt immerhin eine vollständige Kapitalgarantie hat, abgesehen von dem Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent und der Kupon so nicht negativ werden kann.

Das Produkt zielt auf Investoren, für die Renditeaspekte nicht unbedingt im Vordergrund stehen, sondern die gern auch mal ein bißchen zocken, ohne dabei alles riskieren zu wollen. Unter Renditeaspekten ist es völlig ungeeignet, weil der Ertrag völlig ungewiß ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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