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Strukturierte Anleihen Eine Wette auf die Zinsentwicklung

15.09.2006 ·  Sportwetten haben nicht den besten Ruf. Vielleicht hat jetzt die DZ Bank die Lösung: Anleger können auf den Stand des Zwölf-Monats-Euribor in anderthalb Jahren spekulieren. Wer das nicht möchte, prüft besser die aktuellen Festgeld-Konditionen.

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Die Chance auf einen „überdurchschnittlich hohen Ertrag bei kurzer Laufzeit“ verspricht eine „Produktinnovation“ der DZ Bank. Die „Zins-Korridor Anleihe“ wirft in 18 Monaten Laufzeit im besten Fall sieben Prozent ab. Allerdings sind auch vier oder null Prozent möglich (Isin DE000DZ8L8G4).

Wie immer bei solchen Angeboten, egal ob als „innovativ“ betitelt oder nicht, gilt: Der Anleger sollte prüfen, ob das Papier tatsächlich die Vorteile bringt, die das Marketing ihm verspricht.

Wette auf die Zinsentwicklung

Wer auf die Konditionen der „Zins-Korridor Anleihe“ schaut, stellt schnell fest: Dieses Zertifikat ist eine Wette auf die Zinsentwicklung. Steht der Zwölf-Monats-Euribor, ein Zinssatz im Interbankenhandel, bei Laufzeitende am 20. März 2008 im „Ziel-Korridor“ zwischen 3,5 und 4,65 Prozent, fließen sieben Prozent Zinsen. Das klingt viel, sind effektiv allerdings auch nur 4,67 Prozent im Jahr.

Befindet sich der Euribor in der weiter gefaßten „Sicherheits-Zone“ von 3,3 bis 4,85 Prozent, wird ein Kupon von vier Prozent ausbezahlt, aufs Jahr gerechnet sind das 2,67 Prozent. Bei einem Euribor von weniger als 3,3 oder mehr als 4,85 Prozent erhält der Anleger nach 18 Monaten nur sein einbezahltes Kapital zurück. Wer früher an sein Geld will, ist auf den Kurs angewiesen, den die Bank an den Börsen Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf stellt. Die Kapitalgarantie gilt in diesen Fällen nicht.

Euribor unter 2,5 Prozent? Gar nicht lange her

Ein Blick auf den Chart des Zwölf-Monats-Euribor zeigt, daß Zinsen unter 3,3 oder über 4,85 Prozent keine Seltenheit sind. In den Jahren 2003 bis 2005 bewegte sich dieser Interbankensatz meist in einem Korridor zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Erst seit einigen Monaten steigt dieser Zins - allerdings zügig. Am Freitag erreichte er 3,758 Prozent und notiert damit auf einem Niveau, das er seit Mitte 2002 nicht mehr erreicht hat. Charttechnisch ist von einem klaren Aufwärtstrend zu sprechen.

Zu erklären ist die Euribor-Entwicklung das natürlich mit steigenden Leitzinsen. Steigen diese weiter, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, daß die obere Marke der „Sicherheits-Zone“ bei 4,85 Prozent in den kommenden 18 Monaten gerissen wird. Zinsen über fünf Prozent waren zuletzt im Jahr 2000 zu zahlen.

Ist der Zins attraktiv?

Nun ist das alles ein wenig schwarzgemalt. Die Chancen stehen gar nicht schlecht, daß ein Kupon von umgerechnet 4,67 Prozent oder zumindest 2,67 Prozent im Jahr fließt. Aber ist das attraktiv mit Blick auf die steigenden Zinsen bei Tages- und Festgeld?

Bei Tagesgeldkonten sind drei Prozent im Jahr inzwischen keine Seltenheit mehr - und das bei täglicher Verfügbarkeit. Für Festgeld werden auf Sicht von zwölf Monaten schon 3,8 Prozent geboten - egal, wo der Euribor in Zukunft steht (siehe auch: Test-Ergebnisse: Tages- und Festgeldkonten). Der Anleger muß deshalb entscheiden, ob er die Chance auf einen etwas höheren Kupon mit dem beschriebenen Risiko bezahlen möchte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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