09.03.2006 · Die „Acht Chancen“-Anleihe der Commerzbank verspricht bis zu acht Prozent Kupon in eineinhalb Jahren. Doch das Produkt hat Haken. Die Anleger müssen zum Beispiel auf üppige Dividenden verzichten.
Liebhaber der asiatischen Küche haben im Chinarestaurant sicher einmal die „Acht Schätze“ probiert: ein bißchen Rind, etwas Schwein, Huhn natürlich, Bambus, Erdnüsse und weitere Köstlichkeiten. Vielleicht ließen sich die Produktentwickler der Commerzbank vom Chinesen inspirieren, jedenfalls bietet das Institut jetzt die „Acht Chancen“-Anleihe an.
Acht Aktien bekommt der Anleger auf den Teller. Die Kursentwicklung der Papiere entscheidet darüber, welcher Kupon nach 18 Monaten ausbezahlt wird: Für jede Aktie, deren Kurs am Laufzeitende auf dem Niveau bei Emission (27. März) oder darüber liegt, steigt die Kuponzahlung um ein Prozent. Fallen alle Aktien, gibt es immerhin das Kapital zurück. Nur der Ausgabeaufschlag wäre verloren, dieser fällt laut Commerzbank aber nur bei einem Discountbroker an. Anteile zu je 100 Euro können bis 24. März gezeichnet werden, die Anleihe ist am 4. Oktober 2007 fällig (Isin DE000CZ91223).
Acht Prozent sind wenig wahrscheinlich
„Die Acht Chancen Anleihe kombiniert die Sicherheit traditioneller Anleihen mit den Ertragschancen des Aktienmarktes“, heißt es in der Werbebroschüre. „Denn neben einer vollständigen Kapitalrückzahlung am Ende der Laufzeit von nur 18 Monaten bietet sie die Chance auf einen attraktiven Kupon.“
Acht Prozent in 18 Monaten? Das klingt wirklich attraktiv, auch wenn die Rendite aufs Jahr gerechnet nur noch 5,27 Prozent beträgt. Doch daß es dazu kommt, ist nicht besonders wahrscheinlich. Schließlich schreibt die Commerzbank, daß die Anleihe im Backtesting der vergangenen 18 Monate nur einen Kupon von sechs Prozent und damit eine aufs Jahr gerechnete Rendite von nur noch 3,96 Prozent gebracht hätte, weil zwei Aktien im Minus lagen. Nun dürfen die vergangenen eineinhalb Jahre als sehr gute Aktienjahre gelten - die meisten Börsenindizes liefen nach oben. Ob das in Zukunft so bleibt, darf zumindest als fraglich gelten.
Von der Dividende sieht der Anleger nichts
Interessant ist, auf welche Aktien die „Acht Chancen Anleihe“ setzt: ABN Amro, BASF, Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom, Enel, Eon, France Télécom und Tui. Diese Titel dürfen ausnahmslos als dividendenstark gelten. Die Dividendenrendite der Einzelaktien liegt auf Basis der durchschnittlichen Schätzung zwischen 3,3 Prozent (BASF) und 6,4 Prozent (Enel).
Nach allem menschlichen Ermessen liegen die Termine für die Dividendenzahlungen so, daß während der Laufzeit zwei Dividendenzahlungen anfallen. Folgt man den Dividendenprognosen der Analysten und würde man die Investitionssumme auf alle acht Aktien gleich verteilen, betrüge die Dividendenrendite in diesem Zeitraum etwa 10,31 Prozent (annualisiert 6,76 Prozent) und läge damit deutlich über der Kupon-Zahlung des Zertifikats.
Kapitalgarantie ließe sich über die Eurex organisieren
Bleibt das Argument der Kapitalgarantie, das für die Anleihe spricht. Denn bei der Direktinvestition besteht ja die Gefahr, daß Kursverluste die Dividendeneinnahmen zunichte machen. Doch das Kursrisiko besteht in der Anleihe durch niedrigere Kupon-Zahlungen ja obendrein fort, wenngleich in abgemilderter Form.
Außerdem lassen sich Kursrisiken mit Optionen an der Eurex auffangen (siehe auch: Ob Long, ob Short - ein Teil vom Geld ist immer fort). Die Kosten hierfür werden zwar höher liegen als der Ausgabeaufschlag für die Anleihe, aber dafür kann der Anleger die hohen Dividenden mitnehmen - und vor allem im vollen Umfang von möglichen Kursgewinnen der Einzelaktien profitieren.