30.07.2010 · Ein führender amerikanische Währungshüter warnt vor einem Abgleiten der amerikanischen Wirtschaft in eine Deflationsspirale. Die „beste Option“ dagegen sei der Kauf weiterer Staatsanleihen. Ob diese Rechnung aufginge, ist allerdings offen.
Ein führender amerikanische Währungshüter warnt vor einem Abgleiten der amerikanischen Wirtschaft in eine Deflationsspirale, wie sie Japan in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. In diesem Zeitraum sind die Kurse an Japans Börsen massiv gefallen und Immobilien immer günstiger geworden. Bis heute haben sie sich davon abgesehen von vorübergehenden Kursbewegungen nicht erholt.
„Die Gefahr ist heute größer als jemals zuvor in der jüngsten Geschichte, dass die Vereinigten Staaten in die gleiche deflationäre Entwicklung wie Japan gerät“, schrieb der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, James Bullard, in einem Forschungspapier, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.
„Beste Option“: Kauf weiterer Staatsanleihen
Die beste Option für die amerikanische Notenbank, dem entgegenzuwirken und zu einer gewissen inflationären Entwicklung zu führen, sei der Kauf von weiteren amerikanischen Staatsanleihen, argumentierte Bullard in seinem Papier.
Hingegen wäre das Versprechen, die Zinsen für einen längeren Zeitraum niedrig zu halten, kontraproduktiv für die Anstrengungen der amerikanischen Zentralbank sein, die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen, meinte der Geldpolitiker. Tiefe Zinsen würden in der Theorie zu größerer Risikobereitschaft und möglicherweise zu stärkerem Wachstum führen. Doch die Aussicht auf niedrige Zinsen könnte auch zu sehr niedrigen Inflationserwartungen in der Öffentlichkeit führen und damit das Abgleiten in eine deflationäre Entwicklung fördern. „Das Versprechen einer Nullzinspolitik ist ein zweiseitiges Schwert“, warnte Bullard.
Bullard ist in diesem Jahr ein stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank, der über die Zinspolitik entscheidet. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten, in der Bullard sein Papier erläuterte, sagte der Währungshüter, seine Kritik an der Geldpolitik der amerikanischen Notenbank sei kein Signal für ein abweichendes Votum bei der Sitzung am zehnten August. Vielmehr wolle er eine Debatte über die Effektivität der gegenwärtigen geldpolitischen Ausrichtung der Federal Reserve provozieren. Bullard gilt gemeinhin als „geldpolitischer Falke“, der eher für restriktive als expansive geldpolitische Strategien zu haben ist.
In diesem Rahmen ist seine Einschätzung von Bedeutung. Bullard argumentiert im Rahmen verschiedener Szenarien, das so genannte „quantitative easing“ sei die geschickteste Methode, um die amerikanische Wirtschaft vor dem „Festfahren“ in einem unverwünschten Gleichgewichtszustand mit geringem Wachstums, sehr niedrigen Inflationserwartungen und tief bleibenden Nominalzinsen zu bewahren.
Ein Seil kann man nicht vor sich herschieben
„Quantitative easing“ oder der Kauf von Staatsanleihen werde vom Markt gemeinhin als Monetarisierung von Schulden und als inflationär begriffen. Allerdings nur, wenn sie nicht als „temporär“ wahrgenommen würden. Sollte sich diese Meinung durchsetzen, dürften künftig extrem tiefe Renditen an den Rentenmärkten kaum überraschen, da die amerikanische Zentralbank die „Geldpresse“ auf Hochtouren laufen ließe. Tatsächlich verzeichnen die amerikanischen Staatsanleihen am Freitag nach Veröffentlichung dieses Papiers deutliche Kursgewinne. Ihre Notierungen befinden sich nahe an ihren Rekordhochs, während die Renditen den absoluten bisher gesehenen Tiefs nähern.
Allerdings haben Analysen dieser Art ein großes Manko. Denn sie schließen Faktoren wie demographische, sowie Blasen- und Überschuldungseffekte nicht ein (siehe auch: „Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten“ und Von Schulden über Preisblasen zur Deflation?. So können Zentralbank das „Wirtschaftwachstumsseil“ nicht vor sich herschieben: Sie können geldpolitisch noch so stark stimulieren, wenn Konsumenten, Unternehmen und öffentliche Einheiten nach einem Jahrzehnte dauernden Schuldenwahn ihre Bilanz sanieren oder Vermögensbestände wegen Überalterung „versilbern“ müssen. Dabei würden sie nicht nur ihren Verbrauch und Investitionen dämpfen, sondern auch die Abschreibung überbewerteter Vermögenswerte zu verdauen haben. Das Beispiel Japans zeigt, wie lange so ein Prozess dauern kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |