04.01.2010 · Während die Aktien- und Rohstoffmärkte vom allgemeinen Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus immer weiter nach oben getrieben werden, befinden sich die Rentenmärkte in der Defensive. Wer kauft die vielen amerikanischen Treasuries?
Während die Aktien- und Rohstoffmärkte vom allgemeinen Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus immer weiter nach oben getrieben werden, befinden sich die Rentenmärkte in der Defensive.
Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen ist von 3,2 Prozent im November des vergangenen Jahres auf zuletzt 3,864 gestiegen und die von zehnjährigen Bundesanleihen von 3,133 auf zuletzt 3,392 Prozent. Gleichzeitig sind die Zinskurven unheimlich steil geworden, zumindest in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Dort betragen die Renditedifferenzen zwischen Papieren mit einer Laufzeit von zwei und zehn Jahren 270 und 274 Basispunkte. Das ist soviel wie selten zuvor in der Vergangenheit.
Steile Zinskurven: Konjunkturoptimismus oder Überangebot?
Steile Zinskurven sind gemeinhin ein Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung beziehungsweise für eine robuste konjunkturelle Entwicklung. Tatsächlich gehen viele Anleger und Strategen angesichts der gewaltigen monetären und fiskalischen Impulse beinahe weltweit optimistisch von einer v-förmigen Wirtschaftserholung aus. Was stark und tief gefallen sei, müsse sich ebenso deutlich erholen, heißt es gemeinhin. In der Vergangenheit sei das schon immer so gewesen, wieso sollte es diesmal anders sein. Auf dieser Basis werden hereinkommende Unternehmens- und Konjunkturdaten überaus optimistisch interpretiert.
Es gibt jedoch auch andere Erklärungen für steigende Renditen an den Rentenmärkten. Sie lassen sich aus dem enormen Angebot an Anleihen ableiten, das in den vergangenen Monaten auf den Markt kam und das in der nächsten Zeit angesichts des massiven Finanzierungsbedarfs von Unternehmen und Staaten angeboten werden wird. Die Zentralbanken können zwar die Zinsen am kurzen Ende des Laufzeitspektrums direkt beeinflussen. Bei längeren Laufzeiten jedoch tun sie sich schwer.
Sie haben zwar die Möglichkeit, direkt Wertpapiere dieser Art zu kaufen, um die Renditeentwicklung zu dämpfen. Das taten und tun die amerikanische und die britische Zentralbank in großem Stile im Rahmen des so genannten „Quantitative Easing“. Allerdings scheinen mittlerweile selbst diese Methoden an ihre Grenzen zu stoßen. Diese zeigen sich in den Vereinigten Staaten daran, dass nicht mehr klar wird, ob noch genügend Käufer für die in Massen ausgegebenen Treasuries vorhanden sind und wie sie schließlich verbucht werden.
Wer kauft die Treasuries?
Analysen zeigen, dass internationale Anleger ihre Treasuriebestände in den vergangenen Monaten zwar aufstockten. Private Anleger jedoch halten sich zurück. Die Fondsgesellschaft Pacific Investment Management etwa, die den weltweit größten und einen der erfolgreichsten Rentenfonds verwaltet, baut ihr Engagement in amerikanischen und britischen Staatsanleihen ab. Dagegen haben die Bestände „anderer Anleger“ von 300 Milliarden Dollar Mitte 2008 auf bis zu 922 Milliarden Dollar Mitte des vergangenen Jahres zugenommen. Allerdings lässt sich nicht so richtig erklären, wer sich dahinter verbirgt. Es scheint nach Einschätzung kritischer Analysten nicht ausgeschlossen zu sein, dass die amerikanische Zentralbank Geld drucke, um das Treasury den Eindruck erwecken lassen zu können, es sei in der Lage, Staatsanleihen in unbegrenztem Volumen ausgeben zu können.