15.11.2011 · In der vergangenen Woche begannen die Renditen in Frankreich und Österreich zu steigen - nun erfasst der Aufwärtstrend die Staatsanleihen aus den Niederlanden und Finnland.
Von Gerald BraunbergerDie Unsicherheit an den kontinentaleuropäischen Staatsanleihemärkten nimmt immer weiter zu. Neben den Renditen für Anleihen aus der europäischen Peripherie steigen nun auch die Renditen in vielen Kernländern. Auch Osteuropa ist von diesem Phänomen betroffen. Eine Ausnahme bildet neben der Schweiz und einigen skandinavischen Ländern noch Deutschland, das wegen seiner Bonität und der Tiefe seiner Kapitalmärkte die Rolle eines Fluchtlandes einnimmt. Am Dienstag erreichte die Rendite zweijähriger Bundesanleihen einen historischen Tiefststand von 0,29 Prozent.
Ansonsten regiert die Tristesse. Marktteilnehmer nannten als Gründe die Schwierigkeiten des designierten italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti, eine Regierung zu bilden. Die Zweifel, dass Frankreich sein „AAA“-Rating behalten kann, werden an den Märkten immer größer. Die Abschwächung der Konjunktur in vielen Ländern verstärkt Sorgen über die Aussichten vieler Banken. Spanien und Belgien verzeichneten bei der Versteigerung von Schatzwechseln eine schwache Nachfrage bei deutlich steigenden Renditen.
Generell herrscht an den Märkten die Ansicht vor, die europäische Politik zeige sich unfähig im Umgang mit der Krise. Dies schwäche das Vertrauen der Anleger in die meisten Anleihemärkte, wovon der deutsche Markt profitiere. Die größte japanische Fondsgesellschaft, Kokusai Asset Management, teilte mit, sie habe in der vergangenen Woche ihre Bestände an italienischen Staatsanleihen verkauft.
Nach Auskunft von Händlern wurde die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag bei Anleihekäufen beobachtet. Allerdings verdienen solche Äußerungen mit Zurückhaltung bewertet zu werden. Am Markt herrschte in der vergangenen Woche die Überzeugung, die EZB habe für 20 bis 30 Milliarden Euro Staatsanleihen erworben. Tatsächlich wies die EZB nur 4,5 Milliarden Euro aus.
Die Regierung Sloweniens hat versichert, sie strebe keine internationalen Hilfen an. Die Rendite zehnjähriger slowenischer Anleihen liegt bei über 7 Prozent, während die Rendite der zehnjährigen italienischen Papiere diese Marke am Dienstag wieder streifte. Recht stark stiegen auch die Renditen der Papiere aus Frankreich, Belgien und Österreich. Die Abstände zur zehnjährigen Bundesanleihe (Rendite: 1,78 Prozent) waren mit 300 Basispunkten (Belgien), 189 Basispunkten (Frankreich) und 186 Basispunkten (Österreich) zuletzt in den frühen neunziger Jahren ähnlich hoch.
Mittlerweile beginnen sogar die Renditen in den Niederlande und Finnland zu steigen. Diese Bewegung erfasst zwar vorerst vor allem kurze und mittlere Laufzeiten. Mit rund 1,60 Prozent ist die Rendite für die fünfjährige niederländische Anleihe in absoluter Betrachtung nicht sehr hoch. Aber dem Aufwärtstrend kann sich kaum ein Land mehr entziehen.
„Die Märkte wollen Taten sehen“, schreiben die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. Die Sanierung der Finanzpolitik sei schmerzhaft. Nachdem in den vergangenen Tagen Ökonomen und Analysten aus zahlreichen Banken sich für massive Interventionen der EZB am Anleihemarkt ausgesprochen hatten, schlossen sich am Dienstag Ökonomen der Deutschen Bank und der Danske Bank dieser Position an.
Die italienischen und spanischen Renditen liegen dank des Anstiegs der französischen Renditen weniger als 450 Basispunkte unter der Durchschnittsrendite aus den drei „AAA-Ländern“ Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Dies sei wichtig für die Konditionen, unter denen spanische und italienische Anleihen bei Geldmarktgeschäften als Sicherheiten hinterlegt werden können. Insofern profitierten Italien und Spanien ein wenig von der Malaise Frankreichs, schreiben die Analysten der Citigroup.
Fest im Griff der Spekulanten .......
bernd ullrich (demokrat2)
- 17.11.2011, 09:08 Uhr
„Ich halte die Höhe der deutschen Schulden für
besorgniserregend.“ (Welt)
Ulla Nachtmann (fatumath)
- 16.11.2011, 21:25 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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