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Stadt-Pleite Der Commerzbank drohen Verluste in Detroit

400 Millionen Euro hat die Commerzbank offenbar Detroit geliehen. Nach der Insolvenz der Autostadt wird das Kreditinstitut davon einen Großteil abschreiben müssen.

© NATHAN WEBER/The New York Times/ Vergrößern Weit weg und doch so nah: Die insolvente amerikanische Stadt Detroit belastet die Frankfurter Commerzbank.

Die schlechten Nachrichten rund um die Commerzbank reißen nicht ab. Nach Informationen der F.A.Z. hat Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut der insolventen amerikanischen Stadt Detroit mehr als 400 Millionen Dollar geliehen. Die Commerzbank wäre damit stärker betroffen von der Insolvenz Detroits als die Hypo Real Estate und die Dexia-Bank. Diese beiden von Deutschland und Belgien verstaatlichten Banken haben schon Engagements gegenüber Detroit von 200 und 300 Millionen Euro zugegeben. Die Commerzbank dagegen wollte sich auch am Mittwoch nicht zu ihren Detroit-Risiken äußern.

Hanno Mußler Folgen:  

Zu vermuten ist, dass die Commerzbank schon einen Teil der Nominalforderung an Detroit von offenbar gut 400 Millionen Dollar in früheren Jahren abgeschrieben hat. Schließlich hat der Niedergang der Autostadt Detroit schon vor längerer Zeit begonnen. Doch nachdem Detroit nun in der vergangenen Woche offiziell Insolvenz angemeldet hat, wird die Commerzbank wohl weitere Abschreibungen auf ihre Kreditforderungen vornehmen müssen. Diese Lasten dürften sich schon im Ergebnis für das zweite Quartal niederschlagen, das die Commerzbank am 8. August mitteilen wird.

Den Kredit an Detroit vergeben hat in der Commerzbank die Tochtergesellschaft Eurohypo, die im Jahr 2005 unter dem damaligen Vorstandssprecher und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller für 4,5 Milliarden Euro vollständig von Deutscher und Dresdner Bank erworben wurde. Die im Staats- und Immobilienfinanzierungsgeschäft tätige Eurohypo hat der Commerzbank in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro Verlust eingebracht. Inzwischen wird die Eurohypo auf Verlangen der EU-Kommission unter dem neuen Namen Hypothekenbank Frankfurt vollständig abgewickelt. Zuvor waren Versuche der Commerzbank gescheitert, die Eurohypo zu verkaufen.

Commerzbank   Weiter zur Wertpapierdetailseite Allein seit Jahresbeginn hat die Commerzbank-Aktie mehr als ein Drittel verloren.

Auch wenn die Commerzbank das Neugeschäft mit Immobilien- und Schiffsfinanzierungen vor einem Jahr weitgehend eingestellt hat, schiebt sie noch immer hohe Bestände an Forderungen von Quartal zu Quartal. Um deren Abbau zu forcieren und die damit einhergehenden Verluste vom Tagesgeschäft zu trennen, hat die Commerzbank im vergangenen Jahr die Bestände der früheren Eurohypo sowie alle Schiffsfinanzierungen in eine interne Abbau-Einheit („Bad Bank“) gesteckt. Damit verschwinden die Verluste für den Konzern aber nicht. Allein im Jahr 2012 fiel ein Verlust des „Nichtkerngeschäfts“ („Non-Core-Assets“) von 1,5 Milliarden Euro an. Im Jahr 2011 betrug der Verlust sogar 4 Milliarden Euro.

Auch in diesem Jahr ist die Angst unter den Anlegern groß, dass in der Abbau-Einheit der Commerzbank abermals Verluste anfallen werden. Schließlich „lagern“ dort noch immer 151 Milliarden Euro, fast ein Viertel der bilanzierten Vermögenswerte der Commerzbank. Die Sorge vor neuen Verlusten in dieser Abbau-Einheit erwies sich schon vor zwei Wochen als begründet, als die Commerzbank britische Immobilienkredite im Volumen von 5 Milliarden Euro nur mit Verlust verkaufen konnte. Nun kommen wohl weitere Lasten aus dem Einzelengagement Detroit hinzu.

Angesichts der Schieflage vieler Reeder beschäftigen die Anleger auch die Schiffsfinanzierungen der Commerzbank von noch 19 Milliarden Euro. Auch wenn sich der Aktienkurs seit drei Wochen etwas erholt, so sind doch noch Kursverluste der Commerzbank-Aktie allein seit Jahresanfang von 35 Prozent zu beklagen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.07.2013, 17:25 Uhr

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