Schwellenländer-Anleihen gelten vielen Anlegern immer noch als lukratives Investment, versprechen sie doch weitaus höhere Renditen. Bisweilen werden dabei die Risiken ausgeblendet, die mit diesen Renditen verbunden sind.
Was diese Risiken bedeuten können, müssen seit Freitag Inhaber der Dollar-Anleihe der Seychellen erfahren. Der Kurs der Anleihe stürzte seit Freitag von ursprünglich 96,5 bis auf 52 Prozent ab.
Streit um Zahlungen
Anlass war zunächst eine Anzeige von Inhabern der im Jahr 2011 fälligen Anleihe, die bekannt gaben, Zins- und Tilgungszahlungen auf ein Volumen von 54,8 Millionen Euro nicht fristgerecht zum 1. Juli erhalten zu haben. Dies veranlasste die Rating-Agentur Standard & Poor's das Rating für die ebenfalls 2011 fällige Anleihe im Volumen von 230 Millionen Dollar von dem ursprünglich mittleren spekulativen Rating von „B“ auf „CCC“ zu senken. Damit steht die Bonitätsbewertung nun nur noch zwei Stufen oberhalb des Zahlungsausfalls.
Die Regierung der Inselrepublik begründete die Nicht-Zahlung mit Irregularitäten im Genehmigungsprozess für die Euro-Anleihe und Unklarheiten in der Dokumentation. Man lasse sich nunmehr beraten, wie man weiter verfahren solle, sagte Ahmed Afif, Obersekretär des Finanzministeriums, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Aus der Klemme in die Krise
Genaue Hintergründe sind unklar. Die Seychellen zählen zwar als Magnet für Luxus-Tourismus zu den reichsten Ländern des afrikanischen Kontinents, nichtsdestoweniger steckt das Land schon länger in Schwierigkeiten.
Zwar konnte sich das Land im vergangenen Jahr aus der Rezession befreien, in der es jahrelang steckte. Indes war einer der Gründe der dramatische Fall der lange Jahre nicht konvertiblen Rupie, deren Kurs von 5,5 Rupien je Dollar zu Beginn des Jahres 2007 auf knapp acht Rupien kletterte.
Das machte zwar die Direktinvestitionen billiger, der chronische Devisenmangel aber blieb. Und weiterhin wird die einheimische Währung gering geschätzt, wie ein florierender Schwarzmarkt nahelegt.
Tourismus-Einnahmen als durchlaufender Posten
Dadurch aber fehlen dem Land latent die nötigen Mittel zur dringend notwendigen Schuldentilgung und zur Einfuhr von Investitionsgütern. Der Devisenmangel mache sich vor allem im Warenangebot bemerkbar, berichtete die deutsche Bundesagentur für Außenhandelsinformationen. Selbst in einem Supermarkt der Hauptstadt Victoria sei die Auswahl so bescheiden wie in kaum einem anderen Land des östlichen und südlichen Afrikas. Außer dem Bier von Seybrew werden nur noch ein paar Grundnahrungsmittel hergestellt, der Rest muss importiert werden.
Haupteinnahmequelle sind Direktinvestitionen - Einkünfte aus dem Tourismus sind vor dem Zugriff der Zentralbank sicher und so kann das Geld wieder außer Landes fließen. Die Inflationsrate, jahrelang durch Preiskontrollen gedämpft, ist im Zuge von Liberalisierungsmaßnahmen wie der Freigabe der Sprit-, der Erhöhung der Strompreise, der Abschaffung der meisten Importpreiskontrollen im März bis auf knapp 30 Prozent gestiegen und wird für das laufende Jahr auf 24 Prozent geschätzt.
Defizite allerorten
Gleichzeitig ist das Außenhandelsdefizit auf 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geklettert und damit doppelt so hoch wie noch 2007. Während die Thunfischexporte zurückgingen, sorgten vor allem die Bauinvestitionen im Tourismussektor für einen steilen Anstieg der Importe.
Zudem fiel der Budgetüberschuss mit 65 Millionen Rupien im Jahr 2007 deutlich niedriger aus als die ursprünglich prognostizierten 155 Millionen Rupien. Schon im Vorjahr war der Überschuss nur halb so hoch wie vorhergesagt, aber immer noch über den Voraussagen für das Jahr 2007 ausgefallen.
Schon seinerzeit hatte die Regierung bestätigt, die hohen Schulden (167 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) zurückzahlen zu wollen. Dazu aber muss sie neue Schulden aufnehmen.
Ausgang offen
Die schwierige ökonomische Situation ist ein Resultat der jahrelangen sozialistisch geprägten Wirtschaftspolitik mit hohem Staatsanteil, Devisen- und Preiskontrollen. Der Markt wurde außer Kraft gesetzt, und dies hatte schließlich in die Sackgasse geführt, aus der die Liberalisierung das Land eigentlich führen sollte.
Doch ausgerechnet in der schwierigen Transformationsphase sind die Refinanzierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Schon die Dollar-Anleihe 2006 (Isin XS0269874664) hatte mit einem hohen Zins von 9,125 Prozent begeben werden müssen.
Ob akute Refinanzierungsprobleme bestehen, ist nicht klar. Die nächsten Zinszahlungen sind am 3. Oktober fällig. Anleiheinhaber beklagen das Fehlen jeglicher Information - so bleibt nur abzuwarten, wie sich der aktuelle Streit weiter entwickelt. Und trotz einer Rendite von 33 Prozent sollte man derzeit von Seychellen-Anleihen vielleicht besser die Finger lassen.
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Peter Schumacher (peter)
- 10.08.2008, 10:29 Uhr
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Peter Schumacher (peter)
- 13.08.2008, 22:49 Uhr