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Staatsanleihen Wo gibt's noch Sicherheit?

31.05.2010 ·  Bundesanleihen sind grundsolide. Leider gibt es nur wenig Zins. Anleihen Frankreichs, Finnlands und der Niederlande bieten ähnliche Sicherheit, werfen aber höhere Renditen ab. Das gilt auch für die KfW-Bankengruppe.

Von Dyrk Scherff
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Viel Ruhe hat das Euro-Rettungspaket bisher nicht gebracht, die Sorgen der Anleger bleiben. Sie suchen derzeit die Sicherheit von Anleihen - vor allem von Bundesanleihen. Denn Käufer erwarten, dass Deutschland stabil bleibt, selbst wenn Griechenland oder Portugal pleitegehen. Nach der Herabstufung Spaniens durch die Ratingagentur Fitch am Freitag könnte es schon Montag abermals unruhig werden an den Börsen.

Die Unsicherheit hat den Kurs von Bundesanleihen auf ein Rekordhoch getrieben. In den vergangenen zwölf Monaten haben ihre Besitzer durch Kursgewinne und Zinsausschüttung fast neun Prozent verdient. Wer die Anleihen aber jetzt erst kauft, der murrt. Denn die Rendite für zehnjährige Laufzeiten fiel am Dienstag auf 2,5 Prozent - so wenig bekamen Käufer von Bundesanleihen noch nie (siehe Infografik). Am Freitag waren es dann wieder 2,7 Prozent.

Den Schmerz lindern

Wer die wenigen Prozente noch versteuern muss, bekommt real nicht mal ein Prozent heraus. Denn die Inflationsrate lag im April mit 1,0 Prozent zwar niedrig, aber nicht mehr ganz so tief wie 2009. Interessant sind die Anleihen nur dann, wenn die Unsicherheit weiter Anleger in die Bundesanleihen treibt und deren Kurse damit abermals steigen. Beruhigt sich die Lage hingegen wieder und schichten viele Anleger dann wieder in riskantere Papiere um, können Bundesanleihen sogar zum Verlustgeschäft werden.

Auf Nummer Sicher gehen ist also teuer. Etwas weniger schmerzhaft ist es, wenn Anleger nicht auf die so gefragten Bundesanleihen setzen, sondern auf ähnlich sichere Papiere. Die werfen etwas mehr Rendite ab, auch ohne Währungsrisiko. Es gibt noch genug solide Euro-Anleihen.

Am meisten Renditeaufschlag zu Bundesanleihen bieten derzeit Anleihen der deutschen Staatsbank KfW: Bei fünf Jahren Laufzeit sind es 0,4 Prozentpunkte mehr, also insgesamt etwa 2 Prozent statt 1,6 Prozent für die Fünfjährigen vom Bund (siehe Tabelle). Die KfW hat das beste Rating AAA, weil der deutsche Staat voll für sie haftet. Selbst wenn die Kredite für Griechenland ausfallen sollten, die der Bund über die KfW vergibt, sind KfW-Anleihen nicht gefährdet.

Pfandbriefe und andere Alternativen

Solide öffentliche Pfandbriefe aus Deutschland bringen ein ähnlich hohes Renditeplus gegenüber Bundesanleihen wie die KfW-Papiere. Pfandbriefe sind sehr gut abgesichert durch Forderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Im seltenen Fall, dass diese Forderungen ausfallen und die Pfandbriefbank dadurch in Schieflage gerät, sind die Pfandbriefinhaber gegenüber anderen Gläubigern bevorzugt. Das letzte Mal wurde eine deutsche Pfandbriefbank im Jahr 1901 insolvent. Nicht einmal während der Weltwirtschaftskrise scheiterte ein Institut. Etwa 0,3 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen bieten die Anleihen der Bundesländer, sie sind aber genauso sicher wie die vom Bund.

Gehen die Anleger in andere solide Euro-Staaten, sind 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte zusätzlich drin - bei vergleichbarer Sicherheit. Als solide gelten Länder derzeit, wenn sie ihre Verschuldung wie Deutschland noch in Grenzen halten können, keine belasteten Immobilienmärkte haben und die Wirtschaft exportstark ist. „Wichtig ist auch, dass die Länder bewiesen haben, dass sie hohe Defizite reduzieren können“, sagt Frank Hagenstein, Leiter des Rentenfondsmanagements bei der Sparkassentochter Deka.

Finnland, die Niederlande, mit Abstrichen auch Frankreich erfüllen diese Kriterien. Österreich eigentlich auch, wenn sich dessen Banken nicht mit ihrem kriselnden Osteuropa-Engagement herumzuschlagen hätten.

Problem Liquidität

Für die meisten Alternativen zu Bundesanleihen müssen Privatanleger allerdings einen Nachteil in Kauf nehmen: Sie können wegen der geringen Volumina ihrer Aufträge nicht am schwungvollen Interbankenhandel teilnehmen, sondern müssen an den deutschen Börsen kaufen. Dort sind die Umsätze gering, manchmal gibt es Tage ohne Umsatz. „Der Kauf geht noch vergleichsweise schnell, beim Verkauf könnte es länger dauern“, weiß Wolfgang Krappe vom Vermögensverwalter Capitell.

Er rät daher, wenig liquide Anleihen bis zur Endfälligkeit zu halten. „Daher sollten Anleger derzeit nur Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren wählen, um flexibel reagieren zu können.“ Wer die Anleihen bis zum Ende hält, spart zudem Verkaufsgebühren, die bei den niedrigen Renditen stark ins Gewicht fallen.

Unproblematisch verkaufen lassen sich KfW-Anleihen. Bei den Papieren der Bundesländer sei es schwieriger, sagt Krappe. Ausländische Anleihen an deren Heimatbörsen zu kaufen, ist aus Kostengründen unwirtschaftlich. Wer Pfandbriefe kaufen will, sollte Jumbo-Anleihen bevorzugen, die haben ein besonders hohes Volumen. Am einfachsten bekommen Anleger Anleihen, wenn sie vor der Erstnotiz einen Auftrag an der Börse plazieren. Dann ist der Handel noch rege.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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