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Samstag, 11. Februar 2012
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Staatsanleihen Wann platzt die erste?

12.01.2009 ·  Anleger reißen sich um Staatsanleihen. Selbst solide Länder nutzen das und verschulden sich bis zum Anschlag. Experten wetten längst darauf, welches Land als erstes bankrott geht.

Von Nadine Oberhuber
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In der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. Und die Not ist auch bei den Anlegern groß. So groß, dass sie nun die dicksten Kröten schlucken und sich mit ganz bemerkenswerten Konditionen abspeisen lassen: mit Nullzinsen etwa. So liehen Millionen Bürger den Regierungen Kapital fast zum Nulltarif. Oder, noch erstaunlicher, sie bezahlten sogar Geld dafür, den Staaten ihre Ersparnisse geben zu dürfen. So nahmen sie negative Renditen hin, um in amerikanische Staatsanleihen investieren zu können.

Anleger zahlen drauf

„Sie zahlen eine Art Depotgebühr für Anleihen mit kurzer Laufzeit“, witzeln Anleihenexperten. Noch nie hat der Markt der Staatsanleihen einen derartigen Ansturm erlebt. Die Kurse sind geradezu explodiert. Und weil die Papiere so beliebt sind, können es sich die Regierungen leisten, sie zu immer schlechteren Konditionen anzubieten. So markieren die Zinsen gerade Tiefststände wie seit 50 oder 70 Jahren nicht mehr. Trotzdem reißen die Anleger ihnen die Anleihen aus den Händen. Schließlich gelten die jetzt als letzte sichere Wertpapiere. Aber sind sie das wirklich?

Es gibt einen Markt, der misst, wie hoch das Risiko ist, dass ein Staat als Rückzahler ausfällt und am Ende der Laufzeit seine Schulden nicht begleichen kann. Den Markt der „Credit Default Swaps“ (CDS), der Wertpapiere, mit denen Länder und Firmen sich gegen den Ausfall von Krediten absichern. Auch dort steigen die Preise so stark, dass es Sorgen macht.

Versicherungsprämien steigen

Noch vor zwei Jahren reichte ein Dollar, um eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe über 10.000 Dollar ein Jahr lang abzusichern. Anfang 2008 waren es rund acht Dollar, und jetzt kostet es sogar 62. Für deutsche Papiere sieht es nicht viel besser aus, die werden jetzt für 43 Dollar versichert.

Doch beide Länder stehen noch sehr gut da. Sie werden als sicherste Schuldner der Welt gehandelt, dicht gefolgt von Japan, Frankreich und den Niederlanden. Am gefährlichsten ist es aktuell laut CDS-Kursen, Argentinien, der Ukraine, Pakistan oder Venezuela Geld zu leihen. Die führen die Liste der Hochrisikoschuldner an. Argentiniens Ausfallrisiko ist so hoch, dass die Absicherung einer 10.000-Dollar-Anleihe 2900 Dollar kostet.

Alle zwei Jahre ein Staatsbankrott

Doch ein Staat geht nicht so schnell pleite, schon gar keine große Wirtschaftsnation, sagen Ökonomen gern. Das stimmt, aber es darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer wieder Staatspleiten gegeben hat. Allein in den vergangenen 200 Jahren waren 90 Länder zeitweilig bankrott. Auch in Deutschland verloren Anleihebesitzer schon zweimal ihr Kapital, 1923 und 1948. Zuletzt war Argentinien pleite, und über Island ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Die Krise zwingt nun weltweit Volkswirtschaften in die Knie, so dass Regierungen Konjunkturpakete auflegen, dass es in den Haushalten nur so kracht: Allein die Vereinigten Staaten wollen im laufenden Jahr 2000 Milliarden Dollar neue Schulden machen. Dabei nennen Experten das Ausmaß der Staatsverschuldung bereits jetzt „bedenklich“. Deutschland plant, neue Anleihen für 323 Milliarden Euro auf den Markt zu bringen. Ein Großteil davon tilgt alte Papiere. Der Rest soll unter anderem die Konjunkturpakete finanzieren.

Exponentielle Löcher

Das lässt Skeptiker rechnen: Theoretisch können Länder zwar so viele Schulden machen, wie sie wollen. Doch darunter leidet ihre Bonität. Am Ende werden sie ihre Anleihen nicht mehr an die Käufer los. Und bereits jetzt ist die deutsche Staatsverschuldung höher, als es die Europäische Union erlaubt (siehe Kasten). Nicht umsonst hatten sich die Politiker jahrelang bemüht, endlich auf die Schuldenbremse zu treten und den ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen.

Das Wort „ausgeglichen“ ist dabei Augenwischerei: Es bedeutet nicht, dass Einnahmen und Ausgaben im Lot wären. Sondern nur, dass ein Staat keine neuen Schulden aufnehmen muss, um seine Altlasten zu tilgen. Das ist es, was neue Staatsschulden so gefährlich macht: Der Zinseszins bewirkt, dass sich Haushaltslöcher exponentiell ausweiten.

Anleihenexperten warnen nun: Mit dem Geld, das die Staaten auch über Anleihen auf den Markt schwemmen, befeuern sie eine neue Blase: die Bond-Blase. Die Renditen kurzfristiger Anleihen könnten auch in der EU bald bei null liegen. Es wäre eine Überlegung wert, ob man sein Geld da nicht lieber anders anlegen sollte.

Deutsche Schulden steigen

Der deutsche Staat steht mit 1500 Milliarden Euro in der Kreide. Das sind 18.400 Euro pro Bürger. Diese Schuldenlast entspricht 67 Prozent der Wirtschaftskraft. Dabei darf sie eigentlich bei EU-Ländern 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten, schreiben die Maastrichter Verträge vor. Zwar bringt es Italien sogar auf 105 Prozent Schulden gemessen am BIP, doch es wird auch als möglicher erster EU-Pleitekandidat gehandelt.

Mehr als drei Prozent Neuschulden pro Jahr darf außerdem kein EU-Staat aufnehmen. Das ist keine willkürliche, sondern eine notwendige Bremsmarke. Sonst erdrückt die Last der Schuldenzinsen den Staat: 2008 zahlte Deutschland pro Jahr 68 Milliarden Euro nur an Schuldzinsen. 850 Euro pro Kopf. Pro Sekunde erhöhte sich der Schuldenberg um 474 Euro. Noch kein einziger Euro der Schulden, den das Land seit seiner Gründung aufnahm, ist getilgt.

Nimmt die Bundesrepublik im laufenden Jahr nun - wie viele befürchten - für die Konjunkturpakete rund 70 bis 80 Milliarden Euro neuer Schulden auf, steigt ihre Gesamtschuld auf 1580 Milliarden, 19.268 Euro pro Kopf. Dafür zahlt sie dann 71 Milliarden Zinsen. Wenn der Zinssatz so bleibt. Steigt er, kostet jeder zusätzliche Prozentpunkt weitere 8,8 Milliarden.

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