26.09.2006 · Gerade in Südamerika weiß man oft nicht, ob radikale Parolen im Wahlkampf wirklich ernst gemeint sind oder nur auf Stimmen zielen. Inhaber von Ecuador-Anleihen sollten derzeit lieber auf letzteres hoffen.
Es ist vorbei. Die Zeit, als sich Investoren der Illusion hingaben, bei Anleihen aus Schwellenländern können eigentlich nichts passieren, weil der Rohstoffboom und die Globalisierung automatisch dazu führen würden, daß die betreffenden Länder den Anschluß an die Industrieländer finden.
Nach der praktischen Zahlungsunfähigkeit Belizes, den Unruhen in Ungarn, der Regierungskrise in Polen und dem Putsch in Thailand hat sich die Einschätzung der Risiken am Markt für Kreditderivate drastisch verändert. Allein in der vergangenen Woche verschlechterte sich die Kreditwürdigkeit der Schwellenländer-Bonds auf den Märkten für Credit-Default-Swaps (CDS) im Schnitt um 1,8 Prozent, so stark wie seit März nicht mehr.
Wunsch nach Umschuldung vereint alle Kandidaten
Den jüngsten Schlag versetzte Ecuador der Stimmung. Das Land gehört mit einem Rating von CCC+ traditionell zu der Kategorie der schlechtesten Schuldner. In der sechsjährigen Rating-Geschichte der Agentur Standard & Poor's (S&P) erfreute sich das Land nur insgesamt 13 Monate lang eines Ratings im B-Bereich.
Im derzeit laufenden Wahlkampf zu den am 15. Oktober stattfindenden Präsidentenwahlen sprachen sich praktisch alle Kandidaten für eine Neustrukturierung der hohen Staatsschulden aus.
Am weitesten ging dabei der linksgerichtete Wirtschaftsprofessor Rafael Correa, der nach einem kometenhaften Aufstieg in den Wahlumfragen zuletzt in Führung lag. Correa wollte eine Zahlungseinstellung wie 2002 in Argentinien nicht ausschließen.
Geschichte der Moratorien
Der amtierende Präsident Alfredo Palacio dagegen will die Schulden weiter zahlen. „Die Außenverschuldung erstickt unser Land, aber das heißt nicht, daß man diesen Verpflichtungen nicht nachkommen muß“, sagte Palacio Investoren bei einer Versammlung der „Council of the Americas“, einer geschäftsfördernden Vereinigung in New York. Nichtsdestoweniger will auch Palacio neu verhandeln. Die Laufzeiten sollen geändert und der Schuldendienst preiswerter werden.
Ecuador hatte bereits 1995 und 1997 in Brady-Bonds umgeschuldet, doch mußte das Land 1999 und 2000 erneut die Zahlungen einzustellen. „Im Staatssektor bedeutet eine erfolgreiche Umschuldung nicht notwendigerweise eine dauerhafte Verbesserung der Kreditwürdigkeit“, ist auch das Fazit von S&P.
Die Kosten für CDS auf Ecuadors Staatsanleihen sprangen in der vergangenen Woche um 31 Prozent auf 4,75 Prozent für die Laufzeit von fünf Jahren. Die Kurse der ecuadorianischen Dollaranleihen sind ob dessen in den vergangenen Tagen zum Teil auf neue Allzeittiefs gefallen. Bereits in der Schwellenländer-Konsolidierung hatten diese stark verloren, sich aber zwischenzeitlich deutlich erholt.
Spekulation auf vorzeitige Kündigung
Seit Mitte August fiel der im Jahr 2005 neu begebene, 2015 fällige und mit 9,375 Prozent verzinste Bond um rund zehn Prozent auf zuletzt 95,8 Prozent. Die im Rahmen der bislang letzten Umschuldung im Jahr 2000 begebene Anleihe, die einen Kupon von zehn Prozent hat und 2030 fällig wird, ist seit Mitte August um 13 Prozent auf zuletzt 91,5 Prozent gefallen.
Die Renditen ecuadorianischer Anleihen gehören aufgrund der hohen Risikoaufschläge zu den höchsten unter den Schwellenländern. Im Schnitt bringen sie mit Renditen von zehn bis zwölf Prozent sechs Prozentpunkte mehr als amerikanische Staatsanleihen.
Vergleichsweise am besten hielt sich die 2012 fällige, ebenfalls im Jahr 2000 begebene und mit zwölf Prozent verzinste Anleihe, deren Kurs nur um 5,5 Prozent nachgab. Das dürfte daran liegen, daß das Papier vorzeitig im November kündbar ist und Ecuadors Finanzminister Armando Rodas im August sagte, man überlege, einige der Anleihen zurückzukaufen. Bereits im Mai hatte das Land ein Volumen von 740 Millionen Dollar zurückgekauft und den ausstehenden Betrag so auf 510 Millionen Dollar reduziert. Indes wollte sich Präsident Palacio nicht auf konkrete Maßnahmen festlegen.
Wirtschaftliche Situation stark verbessert
Die Tatsache, daß ecuadorianische Anleihen nicht auf alte Tiefstände des Jahres 2005 zurückfielen, als die bis 2030 laufende Anleihe zu 77 und das bis 2012 laufende Papier zu 90 Prozent gehandelt wurde, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß zahlreiche Investoren hinter der Rhetorik vor allem Wahlkampfgetöse vermuten.
Denn die die Finanzlage des Andenlandes ist aufgrund der hohen Einnahmen aus dem Erdölexport heute eigentlich wesentlich entspannter als noch vor ein paar Jahren. Mehr als die Hälfte der Exporterlöse stammen aus dem Erdöl, dessen Preis sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht hat.
Ecuadors Staatsverschuldung von rund elf Milliarden Dollar entspricht heute wenig mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), gegenüber mehr als 80 Prozent des BIP vor sechs Jahren. Die jährlichen Zinsausgaben der Regierung sanken von sieben auf 2,5 Prozent des BIP.
Sinkender Ölpreis könnte dem Land schaden
Indes stehen die Zeichen nicht in allen Bereichen günstig. Nach einem Rekordwachstum von 6,9 Prozent im Jahr 2004 fiel die Rate nach Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft 2005 bereits auf 3,3 Prozent und soll 2007 nur noch bei 2,2 Prozent liegen.
Die bis 2006 rückläufige Arbeitslosenquote soll wieder steigen und auch der Haushaltssaldo, der im vergangenen Jahr noch bei plus 0,7 Prozent des BIP lag, soll 2007 ein deutliches Minus von 3,3 Prozent des BIP aufweisen.
Nachteilig könnte sich vor allem ein sinkender Ölpreis auswirken. Sollte dieser weiter deutlich fallen, dürfte dies wenigstens für 2007 die Prognose eines Leistungsbilanzüberschusses in Frage stellen. Auch der Zufluß an ausländischen Direktinvestitionen stagnierte in den vergangenen Jahren.
Erst nach den Wahlen dürfte sich daher zeigen, inwieweit die Parolen im Kampf um Mehrheiten auch in Taten umgesetzt werden. Derzeit spricht die Stimmung eher gegen die Anleihegläubiger. In der jüngsten Umfrage führte Correa mit 26 Prozent Zustimmung erstmals deutlich vor dem gemäßigt linksgerichteten Kandidaten León Roldós mit 18 Prozent. Insofern sollte man sich von den hohen Renditen nicht verführen lassen, zumal es sich um Dollar-Anleihen mit einem nicht zu unterschätzenden Währungsrisiko handelt.