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Staatsanleihen Venezuela stützt Anleihemarkt

24.01.2006 ·  Immer wenn es für südamerikanische Staaten auf dem Anleihenmarkt knapp wird, ist Venezulas Präsident Chavez zur Stelle und kauft. Seine neueste Idee: eine „Bank des Südens“ soll den IWF überflüssig machen.

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Immer wenn es für Argentiniens Präsident Nestor Kirchner knapp wird in der Staatskasse, kann er sich auf einen Freund verlassen. Als das Pampaland im vergangenen Oktober keine Abnehmer für eine Anleihe fand, sprang Venezuelas Staatschef Hugo Chavez ein und nahm Papiere für einige hundert Millionen Dollar ab.

Auch Argentiniens vorzeitige Rückzahlung aller Schulden gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Jahreswechsel wäre kaum ohne die Rückendeckung aus Venezuela möglich gewesen. Chavez, der sich gerne als Befreier Lateinamerikas geriert, kann sich Hilfe für Argentiniens Kirchner und andere befreundete Regierungen in der Region leisten.

Venezuela könnte den Bondsmarkt praktisch leerkaufen

Denn aufgrund der hohen Rohölpreise verzeichnete der fünftgrößte Erdölexporteur der Erde allein 2005 einen Exportüberschuß von nahezu 30 Milliarden Dollar. Würde Venezuela nur ein Drittel seiner etwa ebenso hohen Devisenreserven in lateinamerikanische Anleihen investieren, könnte es damit 2006 alle geplanten Netto-Emissionen der übrigen Länder Lateinamerikas am internationalen Kapitalmarkt aufkaufen.

Auch Ecuador erhielt für seine Rückkehr an den Kapitalmarkt im Herbst Schützenhilfe. Boliviens neuem Präsidenten Evo Morales sagte Chavez 30 Millionen Dollar Finanzhilfe zu, wobei das Armenhaus Südamerikas am Anleihemarkt freilich keine Rolle spielt. Im Blickpunkt der Anleger steht Peru. Sollte Ollanta Humala dort im April die Präsidentenwahlen gewinnen, kann auch er auf Chavez' Hilfe zählen. Humala würde Rückendeckung benötigen, denn nach dem Aufstieg des kaum berechenbaren Ultra-Nationalisten in den Wahlumfragen raten Analysten vorerst vom Kauf peruanischer Staatsanleihen ab.

Argentinien wird massiv alimentiert

Die meisten Mittel aus Venezuelas prall gefüllter Erdölkasse flossen bisher nach Argentinien. Insgesamt hat Venezuela bereits argentinische Anleihen im Wert von 1,6 Milliarden Dollar erworben. „Wir sind bereit, jedes Mal zu kaufen, wenn uns Argentinien darum bitten sollte“, versicherte Venezuelas Finanzminister Nelson Merentes der argentinischen Zeitung „Clarin“. In Absprache mit der Kirchner-Regierung habe Venezuela allerdings inzwischen argentinische Papiere im Wert von 600 Millionen Dollar weiterveräußert.

Dankbare Abnehmer sind venezolanische Banken und andere inländische Finanzinstitute, die durch den Weiterverkauf der Argentinien-Bonds im Ausland die lokalen Devisenverkehrs-Beschränkungen umgehen und sich harte Währung beschaffen können. Auch für die venezolanische Regierung ist der Handel mit argentinischen Anleihen bisher - abgesehen von der „ideologischen Unterstützung“ - sogar ein gutes Geschäft. Denn argentinische Anleihen rentieren um rund 2,5 Prozentpunkte höher, als der venezolanische Staat für seine eigenen Anleihen zahlen muß.

„Bank des Südens“ für ein unabhängiges Lateinamerika

Chavez' Pläne für die Befreiung Lateinamerikas aus der finanziellen Abhängigkeit vom IWF und von den globalen Kapitalmärkten gehen indes weit über die Bereitschaft zu gelegentlichen Finanzhilfen an gute Freunde hinaus. So tritt Chavez bereits seit langem für die Gründung einer regionalen „Bank des Südens“ (Banco del Sur) ein. Diese soll durch Einlagen der lateinamerikanischen Länder gespeist werden und für die Region sowohl die Funktionen des IWF und der Weltbank als auch die Dienste einer Investmentbank übernehmen.

„Unsere Reserven sind bei Banken des Nordens deponiert“, stellte Chavez fest. Diese Gelder sollten zu der Bank des Südens umgelenkt werden, durch die sich die Länder Südamerikas künftig gegenseitig helfen könnten. Daraus könne „ein neues Finanzsystem des Südens geformt werden, auf daß wir nicht mehr vom Norden abhängen“, so Chavez.

Der Augenblick scheint günstig für eine solche Initiative. „Der rasche Anstieg der Rohstoffpreise hat die Zahlungsbilanzprobleme Lateinamerikas praktisch eliminiert“, erklärt Walter Molano von BCP Securities. Allein Venezuela, Brasilien und Argentinien verfügen zusammen über nahezu 100 Milliarden Dollar an Devisenreserven, ganz Lateinamerika kommt auf mehr als 200 Milliarden. Argentinien und Brasilien haben gerade erst auf einen Schlag alle Schulden gegenüber dem IWF vorzeitig getilgt. „Lateinamerikas Politiker sind die unmäßige Macht der G-7-Staaten leid“, beobachtet Molano. Und „dank des Rohstoffbooms haben sie jetzt ihre eigenen Ressourcen“.

Quelle: F.A.Z., 25.01.2006, Nr. 21 / Seite 22
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