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Staatsanleihen Venezuela-Anleihen aus gutem Grund mit hohem Risikoaufschlag

 ·  Staatsanleihen aus Venezuela bringen inzwischen eine Rendite von mehr als zehn Prozent. Der hohe Risikoaufschlag kann als Strafe des Marktes für die eigenwillige Wirtschaftspolitik von Staatspräsident Chávez gewertet werden.

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Der lange Zeit kränkelnde Kontinent Südamerika befindet sich seit geraumer Zeit auf dem Wege der Besserung. Aufwärts geht es zumindest mit den Wachstumsraten auch in Venezuela. Doch das ist auch fast schon alles, was dieses Land derzeit wirtschaftlich gesehen zu bieten hat.

Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 7,1 Prozent, was sich auf den ersten Blick gut liest. Allerdings relativiert sich das Ganze schnell, wenn man weiß, wie stark das ölreiche Land eigentlich von dem Ölpreisboom profitieren müsste.Die Wirtschaftsbilanz zudem wird nicht zuletzt durch steigende Staatsausgaben aufpoliert. Diese sind so hoch, dass es 2008 trotz der hohen Ölpreise sogar ein Haushaltsdefizit geben wird.

Unter der Oberfläche einer wachsenden Wirtschaft gärt es auch ansonsten gewaltig. Im Zentrum aller Diskussionen stehen Staatspräsident Hugo Chávez und seine populistische Politik. Er hat seinem Willen, die Wirtschaft des Landes zu verstaatlichen, kürzlich erst wieder Nachdruck verliehen, indem er im April die Verstaatlichung der Zementindustrie ankündigte. Nunmehr hat er sich nun mit den ausländischen Firmen Holcim und Lafarge über die Modalitäten geeinigt.

Verstaatlichungspolitik drückt auf das Sentiment

Die Werke von Marktführer Cemex, mit dem keine Einigung erzielt werden konnte, wurden von der Armee kurzerhand besetzt. Künftig kann Chavez also beweisen, ob der Staat wirklich besser wirtschaften kann als privat geführte Unternehmen. Zweifel darin sind berechtigt, berichten doch schon jetzt vor Ort aktive über eine nur noch geringe Motivation der venezolanischen Arbeiter.

Neben der sozialistisch ausgerichteten Politik von Chávez ist die größte wirtschaftspolitische Herausforderung derzeit laut Dominik Thiesen von der Dresdner Bank die Entwicklung der Konsumentenpreise. Mit den im Juni erreichten 32 Prozent weist die Inflation in der Tat ein äußerst kritisches Niveau auf.

Große Sorgen bereite der Wirtschaft zudem ausgerechnet der Ölsektor. Das Land mit den größten Erdölreserven der westlichen Hemisphäre kann demnach nur bedingt von der Hausse am Erdölmarkt profitieren. Mangelnde Investitionen in die Infrastruktur führten zu einer kontinuierlichen Abnahme der Fördermenge. Um ein Viertel oder insgesamt eine Million Barrel am Tag ist die Produktion in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Sollte der Ölpreis sinken, wäre es deshalb mit dem Leistungsbilanzüberschuss schnell vorbei. Problematisch bleibt außerdem die rückläufige Investitionstätigkeit und auch die sehr hohe Kriminalitätsrate stimmt nicht gerade zuversichtlich.

Renditen von mehr als zehn Prozent

Vor diesem Hintergrund können die hohen Renditen, die venezolanische Staatsanleihen abwerfen, nicht überraschen. So bringt die bis zum 25.07.2011 laufende Euro-Staatsanleihe (Isin XS0132229088, Kupon: 11,125 Prozent) aktuell eine Rendite von 10,1 Prozent. Die bis zum 16.03.2015 laufende Euro-Staatsanleihe (Isin XS0214851874, Kupon: 7,00 Prozent) wirft sogar 10,5 Prozent ab.

Der Risikoaufschlag beläuft sich mittlerweile im Schnitt auf stolze 641 Basispunkte. Alleine in diesem Jahr sind die Spreads um 186 Basispunkte gestiegen. Wie hoch dieser Anstieg ist, lässt sich auch daran ablesen, dass der Risikoaufschlag für andere lateinamerikanische Emittenten durchschnittlich weitaus moderatere 232 Basispunkte beträgt.

Die Politik von Chávez fordert somit an den Kapitalmärkten ihren Tribut. Wer sich von den optisch hohen Risikoaufschlägen angelockt fühlt, sollte nicht vergessen, dass es Chávez generell Eigentumsrechte nicht so Ernst nimmt. Ob es sich lohnt, dieses Risiko für ein paar Prozent mehr Rendite in Kauf zu nehmen, erscheint fraglich. Die Analysten der WGZ-Bank haben aus reinen Vorsichtsgründen jüngst jedenfalls ihre Empfehlung für venezolanische Staatsanleihen von Halten auf Verkaufen geändert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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