07.09.2010 · Wer sagt, dass es unmöglich sei, eine überbordende Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen, dem sei der Blick nach Uruguay empfohlen, das bei dieser Aufgabe ein gutes Stück vorangekommen ist.
Von Martin HockDer Pessimismus hinsichtlich der Verschuldung einiger europäischer Länder ist groß. Spanien, Portugal, Irland oder gar Griechenland, manch Pessimist sieht den Staatsbankrott als unvermeidlich an und verweist auf den hohen Schuldenberg und teilweise ausufernde Haushaltsdefizite.
Bisweilen aber scheint es so, als ob hinter dieser Sichtweise mehr die Vorstellung steht, dass massive Anpassungen in Europa nicht geschehen können, weil es sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben hat. Denn dass es möglich ist, eine hohe Verschuldung abzubauen und den Haushalt auszugleichen, ohne dass das ganze Land zusammenbricht, hat nach der Schuldenkrise von 2003 Uruguay bewiesen.
Verschuldung gesunken
Dafür erntet das Land jetzt die Früchte: Die Rating-Agentur Standard&Poor's (S&P) setzte das Bonitätsrating des Landes am Dienstag von „BB“ auf „ BB+“ herauf und folgte damit den Wettbewerbern Fitch und Moody's, der diesen Schritt schon Ende Juli vollzogen hatten, wobei Moody's „Ba3“ allerdings zwei Stufen unter der Einschätzung der beiden anderen Agenturen liegt. Noch vor vier Jahren lagen die Bonitätsnoten bei „B3“ bzw. „B+“ und damit drei Stufen unterhalb der aktuellen Einschätzung.
Seinerzeit lag die Staatsverschuldung bei rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und war schon gegenüber einstigen Höhen bei 120 Prozent und mehr deutlich zurückgekommen. Mittlerweile ist sie auf weniger als 50 Prozent gesunken und das obwohl die Finanzkrise nicht ganz spurlos an dem südamerikanischen Land vorbeiging. So rutschte der Staatshaushalt wieder in die roten Zahlen, doch gehen die Analysten von S&P davon aus, dass es bei einem Defizit von 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bleibt.
Auch die Auslandsverschuldung ist deutlich gesunken: Betrug diese 2003 noch 91 Prozent der Wirtschaftsleistung, so waren es 2006 schon nur noch 53 und Ende des Jahres 2009 39 Prozent. Dabei ist diese im Zuge der Finanzkrise sogar wieder leicht angestiegen, als das Land Stützungsmaßnahmen ergriff, um Produktionskapazität und Beschäftigung aufrecht zu erhalten.
Wachstum macht Schulden tragbarer
Diese aber waren erfolgreich, 2009 wuchs das Land immerhin um 2,9 Prozent. Dem Wachstum ist auch der größte Teil des Erfolges hinsichtlich der Verschuldung zu verdanken, dass das Land verzeichnet. Seit 2002 ist das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 40 Prozent gewachsen, was nicht zuletzt einer positiven Entwicklung der Agrarexporte zu verdanken ist, die mehr als die Hälfte der Ausfuhren ausmachen.
Dabei profitierte das Land auch von den wenig stabilen Verhältnissen im großen Nachbarland Argentinien, wo mal die Ausfuhren, mal die Produktion im Kampf zwischen Regierung und Agrarieren um die Besteuerung stockte. Das führte dazu, dass der Produktionswert von Rindfleisch seit 2004 beständig um insgesamt mehr als ein Viertel wuchs, während der Argentiniens um 6,5 Prozent zurückging.
Tatsächlich aber ist nach Ansicht von Greman Trade and Invest der Dienstleistungssektor zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor geworden, vor allem Tourismus und Software-Dienstleistungen, die 58 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.
Weniger abhängig von Argentinien
Die Nachbarschaft zu Argentinien war in der Vergangenheit stets ein Fluch gewesen, da Uruguay zum einen stark von Exporten ins Nachbarland abhängig war, zum anderen Argentinier ihre Sparguthaben gern in Uruguay in Sicherheit brachten, diese aber im Ernstfall rasch abzogen.
Auch hier hat Uruguay sich erfolgreich umorientiert. Immer noch sind die Verflechtungen groß, doch die Verwundbarkeit sei dank eines niedrigeren Handelsverkehrs, schwächere Touristenströme und einer weniger starken finanziellen Verflechtung geringer geworden.
Mit zu diesen Entwicklungen beigetragen haben auch die Strukturreformen: 2007 wurde das Steuersystem vereinfacht und erstmals eine personenbezogene Einkommenssteuer eingeführt. 2008 wurde das Krankenversicherungswesen modifiziert, ein wesentlicher Beitrag, entfallen doch noch immer drei Viertel der Staatsausgaben auf Sozialversicherung und Löhne, nachdem die Bevölkerung 2003 die Infrastrukturprivatisierung abgelehnt hatte.
Zu viele Dollars
Ein Schwachpunkt ist indes der hohe Dollar-Anteil in der Verschuldung, der die Verschuldungssituation für Wechselkursschocks anfällig macht. So wertete der Peso 2008 innerhalb von nur drei Monaten um 25 Prozent ab und egalisierte damit die gesamte Aufwertung der vorangegangen 21 Monate. Seit 2009 wertet er in der Tendenz wieder auf und liegt bei 20,65 Peso für den Dollar nur noch. Dennoch kam es auch im Juni nach den Regionalwahlen zu einem kleinen Abwertungsschock, als der Peso in einem Monat 10 Prozent an Wert verlor.
Zentralbankpräsident Mario Bergara gab sich zuletzt sehr optimistisch. Uruguay, das 2002 sein knappes Investment-Grade-Rating verlor, das es von Moody's 1997 zuerkannt bekommen hatte, werde dieses in ein bis zwei Jahren wieder erlangen.
Nimmt man die Renditen der Euro-Anleihen zum Maßstab, so gehen die Märkte davon aus, dass das zutrifft. Die 2019 fällig Anleihe des Landes rentiert mit 5,88 Prozent lediglich 30 Basispunkte über einer irischen mit gleicher Laufzeit und lediglich 50 Basispunkte über einer portugiesischen, obgleich diese beiden Länder noch immer ein Rating haben, das um bis zu 12 Stufen über dem Uruguays liegt. Gegenüber ungarischen Anleihen, die immer noch ein um drei Stufen besseres Rating haben, verzeichnet die 2012 fällige Anleihe gar einen Renditeabschlag von 30 Basispunkten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |