28.12.2007 · Belastend wirkte sich die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto auf die Finanzmärkte in Asien und Amerika aus und dürfte auch den Dax am Freitag schwächen. Längerfristig aber rechnen Beobachter nicht mit Belastungen und hoffen dies auch für pakistanische Staatsanleihen.
Die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Bhutto ist keineswegs ein lokales und keineswegs ein rein politisches Ereignis. Welche Signalwirkung dem Attentat beigemessen wird, zeigt die Tatsache, dass die Finanzmärkte in Amerika und Asien deutlich darauf reagieren.
Schon am Vorabend schlossen die Aktienkurse an der Wall Street deutlich schwächer. Der Dow-Jones-Index verlor 1,4 Prozent, der S&P-500 ebenfalls und auch der Nasdaq Composite gab 1,7 Prozent nach. Der Mord, so Händler, habe für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Es bedeute eine Destabilisierung einer Region und eines Staates, mit dem die Vereinigten Staaten halbwegs freundschaftliche Beziehungen pflegten, so Analyst Marc Pado von Cantor Fitzgerald. Die Aktien an der Tokioter Börse und in Singapur zeigten sich mit einem Minus von rund 1,7 Prozent am Morgen gleichfalls schwach.
Der Dollar trägt die Hauptlast
Zudem kletterte der Ölpreis schon am Abend und erreichte am Freitagmorgen in Asien den bisher höchsten Stand im Dezember mit 96,84 Dollar für ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude. Indes wirke sich der Mord allenfalls indirekt aus, so Marktexperte Peter
Beutel von Cameron Hanover, der den Anstieg auf den schwächeren Dollar zurückführt.
Dieser sei in Reaktion auf die Nachricht mit der dadurch wieder gestiegenen Risikoaversion der Marktakteure verkauft worden. Yuji Saito, Analyst bei der Société Générale, sieht auch den Dollar deutlichen Belastungen ausgesetzt. Der Mord habe Anleger gezwungen, Dollar-Positionen aufzulösen und so mit der politischen Situation verbundene Währungsrisiken zu verringern. Dies habe auch zu einer deutlichen Aufwertung des Yen geführt. „Es ist eindeutig ein Grund für Dollar-Verkäufe, weil die Vereinigten Staaten tief in Pakistan involviert sind“, erläutert Saito.
Anlass zu Gewinnmitnahmen
Laut Händlern nutzen kurzfristig orientierte Investoren die Nachricht, um mit dem Argument der Risikovermeidung kurz vor dem Jahresende Dollar-Positionen abzubauen und ihre Gewinne zu sichern. „Sollten die Aktienmärkte in Indien, das ja geographisch nah zu Pakistan liegt, schwach schließen, dann dürften auch die kurzfristigen Anleger im Londoner Handel den Dollar weiter verkaufen“, prognostiziert ein Händler. Aktuell liegt der indische Leitindex Sensex nur leicht im Minus.
Indes glauben viele Händler an den asiatischen Märkten, die politische Unsicherheit in Pakistan werde nur von begrenzter Dauer sein, wohingegen langfristig die Wachstumsaussichten in Indien die Investoren überzeugen würden, auch wenn die indische Rupie prompt abwertete, weil Befürchtungen laut wurden, dass weltweit investierende Fonds ihr Engagement in der Region überdenken könnten.
Wesentlich stärker dürfte die Nachricht die nicht eben stabilen pakistanischen Finanzmärkte treffen und dürften am Aktienmarkt, der bislang mit einem Kursgewinn von 47 Prozent ein Rekordjahr verzeichnet hatte und zu Wochenbeginn ein Rekordhoch von 14.814,55 Punkten erreichte, wohl für einige Verluste sorgen.
Hoffen auf „business as usual“
Am härtesten dürfte es indes die Staatsanleihen treffen. Die Aufschläge der Kreditversicherungen schossen am Donnerstag von 412 auf 495 Basispunkte hoch und kletterten am Freitag noch höher auf 530 Basispunkte, liegen damit aber immer noch unter dem rekordhoch von 550 Basispunkten, das sie nach der Verkündung des Ausnahmezustandes im November erreicht hatten. Noch hoffen die Investoren darauf, dass sich die Lage in den kommenden Tagen wieder beruhigt.
Dann sollte es „business as usual“ sein, so Ahsan Javed Chishty, Volkswirt der Standard Charterd Bank in Karatschi. Zumindest aus dem Blickwinkel ausländischer Investoren könnten diese Hoffnungen dadurch Auftrieb bekommen, dass sich Al Kaida zudem Anschlag bekannt haben soll und dieser damit nicht dem Militärmachthaber Musharraf angelastet werden können sollte.
Ob das indes die Pakistanis das auch so sehen, ist eine andere Frage. Sollten die Unruhen anhalten und sich die Sicherheitslage im Land deutlich verschlechtern, sehen die Rating-Agenturen erhebliche Belastungen für die Staatsfinanzen.
Rating-Agenturen sehen Gefahren für Staatsfinanzen
Thomas Byrne, Analyst bei Moody's befürchtet, Finanzen und Zahlungsbilanz könnten unterminiert werden. Moody's vergibt für die Staatsanleihen des Landes seit November 2006 die Bonitätsnote „B1“ im mittleren spekulativen Bereich, allerdings seit Verhängung des Ausnahmezustandes mit negativem Ausblick - gerade aufgrund der politischen Unsicherheit. Und diese ist nun deutlich größer geworden.
Standard & Poor's, die die Anleihen mit „B+“ auf gleichem Niveau bewerten, stellen für den Fall einer verschlechterten Sicherheitslage bereits Abstufungen in Aussicht, dam man zum einen von weniger Direktinvestitionen und einem niedrigeren Kapitalzufluss ausgeht, zum anderen Refinanzierungsschwierigkeiten für die Staatsschuld befürchtet.
„Eine weitere Schwächung der Institutionen in Verbindung mit verstärkter Gewalt und Unruhe und eine Verschiebung der für den 8. Januar angesetzten Wahlen würde zu einer Herabstufung führen“, so S&P in einer Stellungnahme. Auch S&P hatte nach Verhängung des Ausnahmezustandes den Ausblick auf „negativ“ geändert. Indes betont auch S&P-Analyst Agost Bernard, dass die pakistanischen Wirtschaftsdaten weiterhin solide sein - vorausgesetzt, dass sich die Situation nicht bis zu einem Bürgerkrieg verschlechtere.
Hohe Risikoaufschläge bei Anleiherenditen
Betrachtet man diese Einschätzung der Lage, so hat sich an dieser nichts Grundsätzliches verändert. Die Belastungen, die zu einem recht volatilen Verlauf der Anleihekurse führen stammen eh und je aus der instabilen politischen Lage. Schon vor der Ermordung Bhuttos weisen die Kursverläufe der Langläufer Schwankungsbreiten von 20 bis 30 Prozentpunkten auf.
Daran wird sich nichts ändern, die Volatilität dürfte allerdings zunehmen, meint auch Patrick Lynch, Chefstratege für die asiatischen Märkte bei Morgan Stanley. Das dürfte auch dazu führen, dass weitere Investoren ihr Engagement in pakistanischen Anleihen überprüfen und gegebenenfalls reduzieren werden und sich mit Neu-Engagements zurückhalten wie etwa auch JP Morgan ankündigten.
Dies sollte man auch als Privatanleger tun, besonders dann, wenn man deutliche Kursverluste nicht an anderer Stelle ausgleichen kann. Wer indes das Risiko nicht scheut und wem Dollar-Anlagen gut ins Depot passen, der erhält einen deutlichen Risikoaufschlag, bei kurzen Restlaufzeiten gegenüber uruguayischen Bonds von immerhin rund 180 Basispunkten, gegenüber philippinischen Bonds im Bereich von Restlaufzeiten von acht Jahren sogar über 200 Basispunkten und sogar gegenüber Jamaika-Anleihen von gut siebzig Basispunkten. Nur venezolanische Bonds mit schwächerem Rating von „B2“ werfen noch höhere Renditen ab.
Doch in beiden Fällen werden damit nur die nicht unerheblichen politischen Risiken vergütet. Immerhin sind die Kreditversicherungen für pakistanische Staatsanleihen derzeit die teuersten für Staatsanleihen überhaupt.