21.11.2007 · Mit einem „B-“ bewertet S&P neuerdings die Anleihen Ecuadors. Das ist nicht eben ein gutes Rating, nichtsdestoweniger ein Fortschritt, der Hoffnung macht, dass die Regierung Correa auch weiterhin zahlt.
Inhaber von Staatsanleihen des südamerikanischen Ecuador haben in den vergangenen Monaten einige Wechselbäder der Gefühle erlebt. Bis Jahresbeginn deutet alles daraufhin, dass das Land seine Anleihen nicht bedienen würde. Das Rating des Landes, das schon in der Ausgangssituation nicht eben gut war, sackte bis auf „Caa2“ bzw. „CCC“ durch.
Inzwischen scheint sich aber immer stärker herauszukristallisieren, dass eine Zahlungseinstellung nicht erfolgen wird. „Wir versuchen unseren jährlichen Schuldendienst zu reduzieren“, sagte Wirtschaftsminister Fausto Ortiz der Nachrichtenagentur Bloomberg. Man erwäge den Umtausch bestehende Anleihen gegen Papiere mit niedrigerem Kupon.
Weg vom Ende der Rating-Liste
Dies kam nicht nur an den Anleihemärkten gut an, sondern auch bei der Rating-Agentur Standrad & Poor's (S&P). Diese hob nun die Bonitätsnote um zwei Stufen auf die Note „B-“ an - ein nicht eben hervorragendes Rating, aber dennoch wieder deutlicher von der Gefahr eines Ausfalls entfernt.
Ecuador steht allerdings immer noch ganz am Ende der Liste der Agentur und teilt sich diese Plazierung mit dem Libanon, Bolivien und Grenada, wobei der Ausblick mit Ausnahme des Libanon stabil ist. Moody's ist dem Beispiel bislang nicht gefolgt. Erst Mitte Oktober wurde das Rating von „Caa2“ erneut bestätigt.
S&P begründet die Anhebung des Ratings vor allem mit den steigenden Öleinnahmen des Landes verwiesen. Immer neue Rekordniveaus beim Rohölpreis stützten den Staatshaushalt der Ölexport-Nation und sorgten so für eine ausreichende Zahlungsfähigkeit.
Correas Zahlungsunentschlossenheit bleibt
Indes weist die Agentur in aller Deutlichkeit auf die Schwächen und Gefahren an. Derzeit befindet sich das Land im Umbau, im Zuge dessen niemand so recht beurteilen kann, wo die Reise hingeht.
Präsident Rafael Correa gilt als Verbündeter des venezolanischen Präsidenten Chavez, dessen Wirtschaftspolitik als nationalistisch und etatistisch beurteilt wird. Im Oktober hat Correa per Gesetz die aus steigenden Ölpreisen resultierenden Mehrgewinne praktisch verstaatlicht. Correa folgt damit den von Chavez und dem bolivianischen Präsidenten Morales vorgegebenen Handlungsmustern, auch in der Sozialpolitik, in der er die Ausgaben erhöht hat und der er höhere Priorität einräumt als dem Schuldendienst.
Wachstumsschwäche trotz Ölexport
Dabei haben weder Bolivien noch Ecuador die Substanz um sich eine massive Umverteilungspolitik leisten zu können. S&P bezeichnete die Wachstumsaussichten als schwach. Finanzminister Ortiz räumte ein, dass die Zentralbank des Landes derzeit die Wachstumsprognose auf rund drei Prozent senken werde. Zuletzt lag die Prognose bei 3,4 Prozent, deutlich unter den 4,1 Prozent des Vorjahres, die 2008 wieder erreicht werden sollen. Das World Economic Forum führt Ecuador auf der Liste der Wettbewerbsfähigkeit auf Platz 103 von 131 Nationen.
Besondere Sorge macht Experten und Regierung die Ölproduktion, mit der das Land rund 40 Prozent seiner Staatseinnahmen erwirtschaftet. Ölminister Galo Chiriboga hofft im laufenden Jahr die Produktion auf 500.000 und im kommenden Jahr auf 530.000 Barrel erhöhen zu können. Dazu beitragen soll auch ein zwei Milliarden Dollar schwerer Investitionsfonds. Ein weiterer Schritt ist der erneute Beitritt zur OPEC, die das Land 1992 verlassen hatte
Indes sind die Rahmenbedingungen unklar. Die staatseigene Petro-Ecuador hat die Förderung von Occidental Petroleum übernommen, nachdem der Firma im vergangene Jahr die Konzession entzogen wurde. Mit den anderen noch aktiven privaten Ölfirmen verhandelt das Land um neue Verträge, durch die es stärker von den Einnahmen profitieren will. Chiriboga rechnet mit einem Abschluss dieser Verhandlungen innerhalb der kommenden sechs Monate.
Correa gewinnt an Macht
Indes gibt es auch positive Entwicklungen. So hat Correa in den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung eine Mehrheit gewonnen. Ob man mit der Linie des Präsidenten einverstanden ist, ist dabei eine andere Frage. Immerhin aber scheint damit der Instabilitätsfaktor eines Präsidenten ohne parlamentarische Mehrheit zu weichen. Correas Partei hatte die jüngsten Parlamentswahlen boykottiert und war daher im Parlament nicht vertreten. Nun bleibt zu hoffen, dass Correas Verfassungsänderungen Investoren nicht abschrecken.
Zudem hat Chiriboga verneint, dass das Land auf Kredite der OPEC zurückgreifen möchte. Dies sei immer eine Möglichkeit, aber man werde das nicht tun, so der Minister. Viel eher besteht die Absicht auf Kredite der unter der Regie von Chavez geplanten „Bank des Südens“ und der im venezolanischen Caracas beheimateten Anden-Finanzgesellschaft (CAF), zurückzugreifen, die von den Andenstaaten Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela getragen wird und mit der die meisten süd- und mittelamerikanischen Ländern sowie Spanien assoziiert sind.
Begrenzte Kursgewinne
Auf den internationalen Finanzmärkten reagierten die Anleihen des Landes mit Kursaufschlägen. Die Rendite der bis 2030 laufenden Stufenzinsanleihe mit einem Kupon von zehn Prozent sank um 31 Basispunkte auf 10,42 Prozent.
Indes hielten sich die Aufschläge in Grenzen und treten beim Blick auf das Kursbild wenig in Erscheinung. Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Anleger seit Beginn der Kreditkrise hohe Risiken scheuen - und niedrig sind diese mit Blick auf Ecuador sicher nicht.
Als sich Ende 2006 abzeichnete, dass die im Februar fälligen Zinszahlungen doch geleistet würden, fielen die Spreads der Kreditversicherungen rasch von über 100 bis auf 67,5 Basispunkte. Mit der Kreditkrise stiegen sie rasch wieder an und kletterten im November erst wieder auf ein Niveau über 95 Basispunkten.
Dies ist auch durchaus nachvollziehbar, liegt das Niveau immer noch unter dem Schnitt des Vorjahres - aber eben nur um wenige Basispunkte. Nach Daten von S&P liegt im Falle eines Zahlungsausfall die Einbringlichkeitsquote bei rund 30 Prozent. Indes können sich Inhaber der Bonds mehr Hoffnungen machen, dass der Fall nicht eintritt.
Für Euro-Anleger kommt zum Emittentenrisiko aktuell noch das Währungsrisiko hinzu, das die Dollar-Anleihen des Landes unattraktiv macht. Dies macht ecuadorianische Bonds noch einen Grad spekulativer. Zwar lässt sich argumentieren, dass der Dollar gegen den Euro mittelfristig wieder zulegen muss - doch ist das eben Spekulation und wann und in welchem Umfang das sein wird, vermag derzeit niemand zu beantworten.