Home
http://www.faz.net/-gvt-11zme
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Staatsanleihen Sorgen um die Sicherheit

17.02.2009 ·  Noch können sich die Industrieländer zu günstigen Konditionen Geld leihen. Doch die Verschuldung wächst so rasant, dass Ratingagenturen nun Zweifel äußern. Amerika droht eine Herabstufung. Und auch Spanien und Irland stehen kurz davor.

Von Stefan Ruhkamp
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Seit einem halben Jahrhundert bewertet die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten mit der Note „Aaa“. Das soll so viel bedeuten wie: Der amerikanische Staat ist über jeden Zweifel erhaben. Doch die Bestnote könnte bald Geschichte sein. Moody's prüft eine Herabstufung. Auch das erstklassige Rating Großbritanniens steht auf dem Prüfstand. Die ebenfalls mit der Bestnote „Aaa“ eingestufte Kreditwürdigkeit von Ländern wie Deutschland, Frankreich und Kanada sei dagegen robuster, urteilt Moody's.

Auf den Kapitalmärkten sind die Sorgen um die Zahlungsfähigkeit der Staaten schon länger zu beobachten. Die Zinsen für neue Anleihen sind zwar gefallen. Zehnjährige Bundesanleihen versprechen heute eine Rendite von 3 Prozent. Im vergangenen Jahr musste der Bund noch 4,7 Prozent Zinsen bieten, weil damals mit steigenden Inflationsraten gerechnet wurde. Inflation spielt wegen der Wirtschaftskrise heute dagegen vorerst keine Rolle mehr. Die Zentralbanken haben die Leitzinsen stark gesenkt, und so fielen auch die langfristigen Anleihezinsen.

Die Risikoprämie zeugt nicht von Sorglosigkeit

Doch sie wären wohl noch stärker gesunken, wenn in den vergangenen Monaten nicht die Sorgen um die wachsende Staatsverschuldung die Stimmung belastet hätten. Wie groß diese Vorbehalte sind, drücken die Kosten für die Absicherung von Forderungen aus. Wer heute eine Forderung gegen den amerikanischen Staat für den Fall des Staatsbankrotts absichern will, zahlt etwa 0,8 Prozent der versicherten Summe im Jahr, achtmal mehr als noch im Sommer vergangenen Jahres. Die Risikoprämie ist zwar nicht so hoch, dass sie auf eine Zahlungsnot hindeutet, sie zeugt aber auch nicht von Sorglosigkeit.

Muss man nun um die Zahlungsfähigkeit der Staaten fürchten? „Für diese Sorge spielt es keine Rolle, ob das Rating nun ,Aaa' oder ,Aa' ist“, sagt Klaus Holschuh, Leiter des Research der DZ Bank. Egal ob ein Emittent nun gut oder sehr gut bewertet wird, aus statistischer Sicht und den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte ist das Ausfallrisiko nahezu gleich, nämlich nahe null, sagt Holschuh. Gleichwohl wolle er die Furcht vor einer ausufernden Staatsschuld nicht abtun. Immerhin habe es in den vergangenen hundert Jahren zweimal die komplette Entwertung von Schulden gegeben, jeweils nach den Weltkriegen. Wenn man den Untergang der DDR hinzuzähle, sogar dreimal. Doch trotz dieser Erfahrungen gelten die meisten Industriestaaten weiterhin als die verlässlichsten Schuldner. Sie können Steuern erhöhen, Ausgaben beschränken, Gesetze erlassen. Kurzum: Sie haben Machtmittel, um zahlungsfähig zu bleiben.

Steinbrück sieht einige Euro-Ländern in Gefahr

Deshalb gibt es nur wenige Beispiele für Institutionen eines Landes, deren Bonität höher bewertet wird als die des Zentralstaates. Allerdings sind in der Finanzkrise die Ausnahmen häufiger geworden. So ist zum Beispiel die Rendite spanischer Staatsanleihen höher als die Rendite von Anleihen spanischer Banken, die mit Immobilienkrediten besichert sind. Dahinter steht offenbar die Erwartung der Investoren, dass sie im unwahrscheinlichen Fall einer spanischen Staatspleite aus den Hypotheken mehr Geld erhalten werden als aus einer Umschuldung.

Doch so weit wird es nach Überzeugung der meisten Investoren und der meisten Kreditanalysten nicht kommen. Moody's schätzt zwar die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung der Ratings für Irland und Spanien am größten ein. Doch auch dann wären die Bonitätsnoten dieser Länder immer noch gut. Die Ratingagentur Fitch erwartet zwar, dass die Schuldenaufnahme der europäischen Staaten in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen wird. Das sei aber immer noch handhabbar. „Die Furcht vor einer Finanzierungskrise der Staaten ist übertrieben“, heißt es in einer Fitch-Studie. Für Zinsanleger sei ein Zahlungsausfall eines Industriestaates ein relativ geringes Risiko, glaubt DZ-Bank-Experte Holschuh: „Inflation ist die viel größere Gefahr.“

Für Aufsehen sorgte allerdings am Montagabend eine Agenturmeldung über Äußerungen des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück. Nach Angaben von Reuters soll er auf einer Parteiveranstaltung in Düsseldorf gesagt haben, es gebe im Euro-Raum einige Länder, die in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten. Steinbrück sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur, es gebe zwar vertragliche Regelungen, nach denen sich die Euro-Länder in solchen Fällen nicht helfen wollten. Aber wenn eines der Länder wirklich in gravierende Schwierigkeiten gerate, „wird die Gesamtheit behilflich sein müssen“, wird Steinbrück zitiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK