Investoren in Anleihen aus Schwellenländern lassen sich nicht leicht erschrecken. Indes gibt es einige Dinge, die sie nicht mögen. Zu denen, die ihnen am meisten im Magen liegen, dürfte wohl der starke Islamismus in zahlreichen Ländern der arabischen Hemisphäre gehören.
Das bekamen auch pakistanische Staatsanleihen zu spüren. Hatten die Bonds des Landes in der Vergangenheit immer wieder deutliche Kurssteigerungen verzeichnet, so ist das Jahr 2007 bislang nicht sonderlich erfolgreich verlaufen. Hat sich der 2009 fällige, mit 6,75 Prozent verzinste Dollar-Kurzläufer seit Jahresbeginn nur wenig bewegt und rentiert mit 6,322 Prozent, so stehen die Langläufer deutlicher unter Druck.
Straßenkämpfe und Anschläge
Die 2036 fällige, mit 7,875 Prozent verzinste Anleihe die zum Jahresende noch von 93,25 auf 109 Prozent angezogen hatte, hat mittlerweile auf 106,25 Prozent nachgegeben und rentiert mit 7,487 Prozent. Das 2016 fällige, mit 7,125 Prozent verzinste Papier hat einen ähnlichen Verlauf genommen und rentiert mit 6,9 Prozent.
Dies dürfte nicht zuletzt auf die sich verschlechternde Lage in Afghanistan zurückzuführen sein. Die vor allem in Afghanistan aktiven Taliban haben in Pakistan Rückzugsgebiete. Gleichzeitig steht der pakistanische Präsident Musharraf, der sich als Bundesgenosse Amerikas profiliert hat, im eigenen Land unter immer stärkerem Druck.
Vor wenigen Wochen erst löste die Suspendierung des obersten Richters des Landes durch den Präsidenten Straßenkämpfe aus, bei denen 39 Menschen umkamen. Mehr als 150 Menschen seien zudem bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten am Samstag verletzt worden, berichtete der Nachrichtensender Geo TV.
Etwa 15.000 Sicherheitskräfte wurden eingesetzt, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Trotzdem blockierten Hunderte Demonstranten mit brennenden Reifen Straßen. Randalierer bewarfen Polizeiautos mit Steinen, sie steckten Läden, Tankstellen und Autos in Brand. Die Polizei setzte Tränengas ein, es kam zu Schusswechseln. Der Polizeichef der Stadt, Azhar Farooqi, sprach von einer „sehr angespannten“ Lage. Wenige Wochen zuvor war Innenminister Aftab Sherpao bei einem Selbstmordanschlag verletz worden, bei dem mindestens 22 Menschen starben.
Deutliche Renditeaufschläge
Die unsichere Lage des Landes kommt auch in den Emissionsrenditen zum Ausdruck. So will das Land neue Papiere im Volumen von voraussichtlich einer Milliarde Dollar mit einer Rendite von sieben Prozent bei zehn Jahren Laufzeit am Markt unterbringen. Das liegt fast einen Prozentpunkt über den Renditen, die andere Schwellenländer mit vergleichbarem Rating zahlen.
Pakistan wird von Moody's mit „B1“ benotet, während S&P für die Bonds ein um zwei Stufen besseres „BB“ vergibt. Eine identische Einschätzungskonstellation gibt es allerdings für kein anderes Land. Vom „Composite Rating“ am ehesten vergleichbar sind Indonesien und Vietnam, die mit „B1“ und „BB+“ bzw. „Ba3“ und „BB“ eingeordnet werden. Eine vergleichbare indonesische Anleihe kommt auf eine Rendite von 6,09 Prozent, eine aus Vietnam 5,98 Prozent.
Auch die mit 9,25 Prozent verzinste zehnjährige Anleihe Uruguays, dessen Composite Rating bei „B+“ liegt, weil S&P nur ein „B+“ vergibt, rentiert bei 6,04 Prozent und der 2016 fällige Bond der Philippinen (B1/BB-) bei einem Kupon von 9,37 Prozent mit 6,16 Prozent.„Relativ gesehen, bieten die pakistanischen Staatsanleihen mehr Wert“, erklärte Ken Hu, Fondsmanager bei First State Investments in Hongkong.
Welches Risiko ist höher?
Die Frage ist indes, ob sie nicht auch mehr Risiko bieten. Das aber ist sicher eine Frage der Einschätzung, ob das politische Risiko mehr wiegt als die wirtschaftlichen. So liegt die externe Staatsverschuldung Pakistans mit rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts recht niedrig und wird nur von Vietnam unterboten, während diese Quote in Uruguay bei rund 40 Prozent liegt.
Während Pakistan in den vergangenen Jahren nicht nur ein stetiges Wachstum, sondern mittlerweile mit Vietnam die höchsten Wachstumsraten aufzuweisen hat, so sind sie in Uruguay beispielsweise weiter rückläufig.
Dafür zeigt sich das politische System Uruguays recht stabil, wohingegen sich die politische Lage Pakistans seit der Unabhängigkeit volatil zeigt. Militärs regierten das Land von 1958 bis 1971, von 1977 bis 1988 und erneut seit 1999. Nach dem Korruptionsindex von Transparency International für das Jahr 2006 gehört Pakistan auf Platz 142 von 163 bewerteten Ländern zu den korruptesten Staaten der Welt. Indes schneiden Indonesien (Platz 130), die Philippinen (Platz 121) und Vietnam (Platz 111) nur wenig besser ab. Dagegen erhält Uruguay auf Platz 28 recht passable Noten.
Praktisch spekuliert der Markt auf negative Veränderungen im Fall Pakistan, so dass sich für spekulative Naturen hier Chancen bieten. Indes spielt für Euro-Anleger dabei auch der Dollarkurs eine Rolle, da die pakistanischen Anleihen allesamt in Dollar denominiert sind.