18.08.2006 · Die Anleihen des hoch verschuldeten Inselstaats Jamaika haben sich in den vergangenen Wochen gut entwickelt - nicht zuletzt als Folge der amerikanischen Zinspause. Ansonsten ist das Land immer noch schwer angeschlagen, wenn auch auf dem richtigen Weg.
Der Markt für erstklassige Staatsanleihen ist schon längere Zeit nicht besonders interessant. Mehr tut sich da im Bereich der Anleihen aus Ländern, deren Bonität eher weniger günstig eingeschätzt wird.
Dazu gehören zum Beispiel Anleihen aus Jamaika. Am Freitag legte der mit elf Prozent verzinste und 2012 fällige Bond des karibischen Inselstaates 0,65 Prozent zu und erreichte 116,25 Prozent. Damit hat das Papier den höchsten Stand seit Ende Mai erreicht und einen Gutteil der Verluste wieder wettgemacht, die das Papier im Zuge der Schwellenländer Krise im Mai/Juni eingefahren hat.
Größtes Problem: Verschuldung
Zugute kam dem Bond nach Ansicht von Clay Moodie von der auf Jamaika ansässigen Investmentbank, Dehring, Bunting and Golding dabei die jüngste Zinsentscheidung der Fed und die Erwartungen im Vorfeld. Dies sei für die Schwellenländer generell von Vorteil. Die Kurse der Anleihen hätten aufgrund der Zinssteigerungen in den Vereinigten Staaten eine Zeitlang geschwächelt weil der Risikoaufschlag für jamaikanische Bonds zu niedrig gewesen sei.
Jamaika wird von den Rating-Agenturen mit „B+“ bewertet, einer Note im mittleren Junkbond-Bereich. Ende April betrug die Verschuldung der öffentlichen Hand 858 Milliarden Dollar, davon 368 Milliarden gegenüber dem Ausland. Dem gegenüber betrug das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2002 7,34 Milliarden Dollar.
Die immense Verschuldung ist das größte Problem des Landes und letztlich ein Resultat der Ölkrise der siebziger Jahre, als ölimportierende Länder ihre Leistungsbilanzdefizite mit billigen Petro-Dollars zu finanzieren trachteten, was letztlich in die Schuldenkrise der achtziger Jahre mündete.
Wirtschaftsprognosen mit einem gewissen Maß an Unsicherheit
Doch die aufgenommenen Mittel wurden hauptsächlich für konsumtive Zwecke ausgegeben. So bemühte sich Jamaika zwischen 1976 und 1980 seine überbewertete Währung zu verteidigen und eine sozialistische Wohlfahrtspolitik zu finanzieren, die zur Kapitalflucht und Desinteresse ausländischer Investoren führte, so daß der Kapitalbedarf weiter anwuchs. Zudem werfen Ökonomen dem Land vor, sei die Kreditaufnahme planlos erfolgt, was die Schuldenlast weiter in die Höhe trieb.
Seit einigen Jahren hat sich die Lage des Landes etwas verbessert. Seit 2000 wächst die Wirtschaft wieder und für 2006 wird ein Rekordwachstum von 3,7 Prozent erwartet. Andererseits betrug das Haushaltsdefizit im Jahr 2005 immer noch 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Inflationsrate über zwölf Prozent, auch wenn für 2006 ein Wert unter zehn Prozent erwartet wurde.
Auch sind die Verschuldungskennziffern nicht ganz widerspruchsfrei. So ist die Schuldendienstquote von 2003 bis 2005 kontinuierlich gestiegen, soll aber 2006 deutlich fallen, obwohl das Leistungsbilanzdefizit von 9,3 auf zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen soll.
Anfällige Wirtschaft
Und tatsächlich ist die öffentliche Verschuldung 2006 weiter gestiegen. Der IWF mahnte jüngst erst wieder fiskalische Disziplin an, auch wenn Jamaika im ersten Quartal weniger ausgegeben hat als geplant. Vor allem betrifft dies der bevorstehenden Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst. Die beiden großen historischen Parteien Jamaikas sind eng mit rivalisierenden Gewerkschaftsverbänden verbunden, was diesen großen Verhandlungsspielraum verschafft. Der Haushalt fiel fast zehn Prozent größer aus als ursprünglich geplant und die Inflation bewegt sich eher bei elf Prozent als im einstelligen Bereich.
Die Anfälligkeit der Wirtschaft kommt nirgends besser zum Ausdruck als an der Aktienbörse. Diese befindet sich seit nunmehr anderthalb Jahren im Abwärtstrend. Dieser bekam jüngst aufgrund einer schlechten Berichtssaison neue Nahrung. Diese wurde dadurch ausgelöst , daß es aufgrund hoher Energiepreise der größte Zementproduzent des Landes Verluste verzeichnet und daher die Produktion kürzte, was die Bautätigkeit beeinträchtigte und sich in der Wirtschaft fortsetzte.
Wer also auf Jamaika-Anleihen ansetzt, geht einiges an Risiken ein. Eine schlechte Sturmsaison in der Karibik könnte das Land weit zurückwerfen, so wie zuletzt Grenada und Belize. Auch könnte eine Verbesserung der Verschuldungssituation zunehmend zu Versuchungen führen, die Haushaltsdisziplin wieder zu lockern.