04.07.2011 · Rund ein Drittel der ungarischen Staatsanleihen befindet sich in den Händen von Ausländern. Trotz einiger Risiken bewerten die meisten Fachleute den Trend positiv.
Von Manuela Seiser, WienAnleger haben wieder mehr Vertrauen in Ungarns Wirtschaft. Der Bestand von Forint-Staatsanleihen ausländischer Anleger ist Ende Juni nach Angaben der Finanzierungsagentur AKK in Budapest auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen: Das Volumen beträgt 12,1 Milliarden Euro.
Vor einem halben Jahr war der Wert um mehr als ein Viertel geringer. Damit befinden sich rund ein Drittel der ungarischen Staatspapiere in den Händen von Ausländern.
Hilfe vom großen Bruder
Die Entwicklung dürfte sich noch verstärken. Vergangene Woche kündigte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao bei seinem Besuch in Budapest an, ungarische Staatspapiere zu kaufen und umfangreich in Ungarn zu investieren. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sprach von einer chinesischen Hilfe in „historischer“ Größenordnung. Nun brauche sich sein Land um die Staatsfinanzen keine Sorgen mehr zu machen.
Ungarn locke mit hohen Zinsen und dem Bekenntnis der nationalkonservativen Regierung, die Staatsfinanzen zu konsolidieren, urteilt Péter Vizkelety, Ökonom der Versicherung Generali in Budapest. Bei einem seit Monaten stabilen Wechselkurs der Landeswährung Forint gegenüber dem Euro entlang einer Marke von 260 bietet Ungarn mit 6 Prozent die im Vergleich mit den etablierten Märkten höchste Risikoprämie.
Der Haken der Abhängigkeit
Die Abhängigkeit könnte allerdings riskant sein, warnen Fachleute. Denn nach der Verstaatlichung der privaten Pensionskassen könnte die Liquidität des Marktes geschwächt werden. Und dabei besteht wiederum die Gefahr, dass sich mehrere ausländische institutionelle Anleger gleichzeitig für den Verkauf entscheiden.
In den zurückliegenden Wochen wurde der Ertrag der ungarischen Staatsanleihen jedoch nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern eher durch die Risikoaufpreise bestimmt. Da die Kosten für eine Versicherung gegen Kreditausfall (Credit Default Swap, CDS) angestiegen sind, kletterten auch die Erträge.
Für zehnjährige Anleihen stieg die Rendite im Verlauf des Monats Juni von 7 auf 7,31 Prozent. Analysten sehen die Entwicklung positiv: Man könne den höheren Anteil ausländischer Anleger eher als etwas positives bewerten im derzeitigen Umfeld, sagt Wolfgang Ernst, Analyst in der Raiffeisen Bank International in Wien: „Es signalisiert, dass ausländische Investoren wieder Vertrauen in Ungarn gewonnen haben. Ich denke dieser positive Aspekt überwiegt.“ Problematisch sei ein größerer Anteil ausländischer Investoren dann, wenn die Risikoscheu wieder zunimmt. Dann würden ausländische Geldgeber wohl schneller zum Verkauf neigen als inländische Investoren.
Analystenlob
Auch Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group in Wien, sieht die Entwicklung nicht besorgniserregend. Zwar falle der Wert im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern hoch aus, wo die Quote zwischen 2 und 25 Prozent liegt. Doch mit Griechenland, wo der Anteil rund drei Viertel beträgt, sei kein Vergleich zulässig.
Mostböck weist darauf hin, dass Ungarn sich auf einem Konsolidierungspfad befindet. Mit rund drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes weist Ungarn die höchste Verschuldung der osteuropäischen Länder aus. Allerdings fällt sie noch immer geringer aus als jene im Euroraum, wo die Last mehr als vier Fünftel beträgt.
Für dieses Jahr wird der Staatshaushalt dank Einmaleffekten aus der Verstaatlichung der privaten Rentenversicherung sogar einen Überschuss von rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Im nächsten Jahr wird mit einem Defizit von weniger als drei Prozent gerechnet. „Das müssen andere Westeuropäer erst einmal schaffen“, sagt Mostböck.
Auch die Entwicklung von Credit Default Swaps, mit denen sich Gläubiger gegen einen Zahlungsausfall des ungarischen Staates absichern können, gibt keinen Anlass zur Besorgnis: Für fünfjährige Anleihen ist die Absicherung seit Jahresbeginn von 386 auf 269 Basispunkte gefallen. Damit ist Ungarn deutlich entfernt von den 640 Basispunkten auf dem Höhepunkt der Krise im ersten Quartal 2009 und ebenso billiger als Portugal. Die Rendite für zehnjährige Anleihen ist in diesem Zeitraum von 7,92 auf 7,31 Prozent gesunken.