08.01.2007 · Einen Rückkauf statt eines Moratoriums hat der designierte Wirtschaftsminister Ecuadors, Ricardo Patiño, in Aussicht gestellt. Doch die Erholung der Kurse bleibt vorsichtig - mit Recht.
Inhaber von Anleihen aus dem lateinamerikanischen Ecuador mussten von Anfang an nervenstark sein. Das Land musste innerhalb der vergangenen anderthalb Jahrzehnten zweimal umschulden und konnte sich in den vergangenen sechs Jahren nur insgesamt 13 Monate lang eines Ratings im B-Bereich erfreuen.
Zuletzt wurden die Anleihen von Moody`s mit „Caa1“ und von Standard & Poor's mit „CCC+“ bewertet. Allein bei einem solchen Rating mussten Anleger schon hart im Nehmen sein, doch in den vergangenen Monaten kam es noch schlimmer. Schon im Präsidentschaftswahlkampf hatten praktisch alle Kandidaten von Umschuldung gesprochen. Als dann der linksgerichtete Kandidat Raffael Correa überraschend gewählt wurde, war der schlimmste Fall eingetreten.
Patiño stellt Rückkauf in Aussicht
Correa hatte im Wahlkampf sich am weitesten aus dem Fenster gelehnt und auch eine neuerliche Zahlungseinstellung und Umschuldung nach argentinischem Muster nicht ausgeschlossen. Daraufhin stürzten die Anleihenkurse in die Tiefe.
Die mit zwölf Prozent verzinste, 2012 fällige Dollar-Anleihe verlor innerhalb von vier Wochen 24 Prozent ihres Werts, ebenso wie die 2030 fällige Stufenzinsanleihe, deren Zinssatz aktuell zehn Prozent beträgt. Noch schlimmer erwischte es die 2015 fällige Rente, die einen Kupon von 9,375 Prozent hat und um 30 Prozent in die Tiefe sackte.
Indes verzeichneten die Notierungen in der Vorwoche wieder eine deutliche Wende zum besseren und legten um bis zu acht Prozent zu. Denn der designierte Wirtschaftsminister Ricardo Patiño hat begonnen, die harte Wahlkampfrhetorik aufzuweichen. Die neue Regierung ziehe statt eines Moratoriums einen Rückkauf der Bonds in Erwägung. Dieser könnte im Rahmen einer „holländischen Auktion“ vollzogen werden. Dabei nennen die Verkäufer Preise und Mengen, und der Käufer nimmt die Gebote an bis zur Markträumung.
Beziehungen zu Kolumbien auf neuem Tief
Die Andeutung von Zugeständnissen könnte damit zusammenhängen, dass sich Ecuadors äußere Lage in den vergangenen Wochen deutlich verschlechtert hat. Das liegt auch an den Ankündigungen der künftigen Regierung. Energieminister Alberto Acosta, ein bekannter Vordenker alternativer Wirtschaftspolitik in Lateinamerika, will den Ölsektor stärker unter staatliche Kontrolle bringen. Im südlichen Amazonasgebiet, wo einige Territorien bereits an private Ölfirmen vergeben sind, bisher aber noch nicht gefördert wird, soll gar ein Moratorium ausgerufen werden, um die dort besonders reichhaltigen Naturressourcen zu erhalten, berichtete das geopolitische Magazin Telepolis.
Die gescheiterten Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten sollen nicht wieder aufgenommen und der Vertrag mit der amerikanischen Militärbasis in der Küstenstadt Manta nicht erneuert werden, wenn dieser 2009 ausläuft.
Die chronisch angespannten Beziehungen zum Nachbarn Kolumbien haben einen Tiefstand erreicht. Kolumbien versprüht in Grenzregionen ein Pflanzengift, das nicht nur für die nach kolumbianischen Angaben von Ecuador geduldeten Koka-Pflanzungen, sondern auch für Mensch und Umwelt schädlich ist. Ende Dezember berief Ecuador seinen Botschafter ab, und Correa stornierte den Besuch bei Kolumbiens Präsidenten Uribe.
Konflikt mit der EU um Bananenzölle
Derweil versucht das Land von der EU eine Absenkung der Importzölle auf Bananen zu erreichen, nachdem das Land Beschwerde bei der Welthandelsorganisation eingelegt hat. Bananen sind das wichtigste Agrarprodukt des Landes und machen 25 Prozent der landwirtschaftlichen Exporte aus. Etwa 97 Prozent des gesamten Ertrags gehen auf den europäischen Markt.
Die EU hat daraufhin die Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien, Peru, Bolivien und Ecuador bis zur Rücknahme der Beschwerde ausgesetzt, berichtet das Online-Fachmagazin Fruchtportal.
Der Länderrisikoindikator für Ecuador von Dun & Bradstreet ist seit November mittlerweile um 70 Prozent gestiegen. Ende Dezember gab sich Patiño noch kämpferisch und sagte der Zeitung El Comercio, man könne die Politik nicht danach gestalten, was die internationalen Finanzspekulanten darüber dächten, ob man die Auslandsschulden bezahlen werde oder nicht.
Anleihen bleiben hochriskant
Mittlerweile aber scheint die Schmerzgrenze der politischen Belastungen erreicht. Trotz der erstmals sanfteren Töne aus Quito sind Ecuadors Anleihen weiterhin hochriskant. Zwar locken Renditen von aktuell 13,6 Prozent für das 2015 fällige Papier oder 17 Prozent für den 2012 fälligen Bond. Zudem scheint aktuell der Dollar gegenüber dem Euro wieder in der Offensive zu sein.
Dennoch ist das Risiko eines Moratoriums weiterhin real. Am 15. Januar wird die Regierung Correa inauguriert. Erst dann wird sich entscheiden, wie es mit den ecuadorianischen Staatsanleihen tatsächlich weitergeht. Wie die Kursentwicklung der vergangenen Woche zeigt, sind Kursgewinne bei weiteren positiven Nachrichten durchaus möglich. Indes bedeutet dies auf die Vernunft der Regierung Correa zu setzen, deren künftiger Kurs noch immer mit vielen Fragezeichen behaftet ist.
Das künftige Kabinett besteht vorwiegend aus Fachleuten, die bislang von der politischen Tradition des Landes eher ausgeschlossen waren und die sich so vom politischen Establishment abgrenzt. Ein Einstieg in die Anleihen erfordert daher viel Mut zum Risiko - und sehr gute Nerven.
hoffungsloser Fall
Peter Schumacher (peter)
- 08.01.2007, 21:43 Uhr