01.09.2006 · Das brasilianische Wirtschaftswachstum zeigt im zweiten Quartal deutliche Schwächen. Doch für Renten-Anleger sind das gute Nachrichten, denn die Zinsen sinken. Außerdem hilft eine Hochstufung durch Moody's.
Schwellenländeranleihen gehörten in der Krise des Frühsommers so ziemlich zu den unbeliebtesten Investments. Nachdem sie zuvor von Anlegern bevorzugt gekauft wurden, wurden sie um so rascher aus den Depots verbannt.
Naturgemäß stürzten ihrer Kurse daraufhin deutlich ab. Zu den betroffenen Ländern zählte auch Brasilien, dessen Anleihen indes schon im März nachzugeben begannen. So verlor die bis 2011 laufende und mit 9,5 Prozent verzinste Euro-Anleihe (Isin XS0123149733) zwischen Ende Februar und Ende Juni über sieben Prozent an Kurswert. Das bis 2015 laufende und mit 7,375 verzinste Papier gab über zehn Prozent nach.
Zinssenkung und Risikofreude helfen
Mittlerweile hat sich der Wind aber wieder gedreht und brasilianische Anleihen sind wieder gefragt. Die beiden genannten Papier haben seit ihren Juli-Tiefs mittlerweile 3,7 bzw. 7,5 Prozent zugelegt.
Was den Anleihen zugute kommt ist vielleicht kurioserweise eine Verlangsamung des Wachstums. Das zeigte sich am deutlichsten am Donnerstag. Nachdem die brasilianische Zentralbank die Tagesgeldzinsen aufgrund von Konjunktursorgen um 0,5 Prozentpunkte auf 14,25 Prozent senkte, legten die in New York gehandelten Dollar-Anleihen deutlich zu und auch am Freitag gehören brasilianische Anleihen zu den größeren Kursgewinnern am deutschen Anleihenmarkt. Die Zinssenkung war erwartet worden, doch hatte die Mehrheit der Volkswirte mit einer Senkung um 0,25 Prozentpunkte gerechnet.
Auch der Optimismus der Amerikaner, die nach den nicht so negativ ausgefallenen Konjunkturdaten vom Donnerstag wieder etwas mehr Lust auf Risiko verspürten, kam den Renten zugute, meinte Siobhan Manning-Morden, Chefin der Strategieabteilung für lateinamerikanische Anleihen bei ABN Amro.
Wachstumsschwäche im zweiten Quartal
Die brasilianische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal nur noch um 1,2 Prozent. Dies war der geringste Zuwachs in den vergangenen neun Monaten und wird auf die Stärke der Landeswährung Real zurückgeführt, die zu einer Verringerung der Beschäftigung und der Zurückstellung von Investitionen in der Exportindustrie führte. Im ersten Quartal hatte die Wachstumsrate noch 3,3 Prozent betragen, Analysten hatten im Schnitt mit zwei Prozent im zweiten Quartal gerechnet.
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva setzt seine Hoffnung nun auf Zinssenkungen, doch Experten sind diesbezüglich eher skeptisch. Daher setzen viele Anleger vorerst auf einen längeren Zinssenkungszyklus. Ricardo Amorim, Chefökonom für Lateinamerika bei der WestLB rechnet mit zwei weiteren Zinssenkungen auf 13,75 Prozent zum Jahresende.
Die Regierung rechnet mit einem stärkeren Wachstum im dritten und vierten Quartal und prognostiziert eine Rate von vier bis 4,5 Prozent für das laufende Jahr. Allerdings befindet sich Brasilien auch im Wahlkampf. Die WestLB rechnet mit einem Wachstum von 3,7 Prozent und die Forschungsgruppe des Planungsministerium könnte ihre Prognose von 3,8 auf 3,68 Prozent senken, so Volkswirt Estevao Kopschitz.
Hochstufung durch Moody's gibt Impuls
Andere Analysten haben ihre Prognosen längst gesenkt und rechneten zuletzt nur noch mit 3,5 Prozent im Durchschnitt, nachdem die Voraussage drei Wochen zuvor noch bei 3,6 Prozent für dieses und 3,7 für das nächste Jahr betragen hatte.
Einen positiven Effekt hatte der steigende Real indes, indem er half, die Inflation in Zaum zu halten. Diese fiel zuletzt auf ein Sieben-Jahres-Tief von 3,8 Prozent im August, nachdem sie im Dezember noch bei 5,7 Prozent gelegen hatte. Sie liegt damit unter der Zielvorgabe der Regierung, die 4,5 Prozent beträgt und ermöglicht weitere Zinssenkungen.
Was den Bonds daneben zugute kommt, ist die Tatsache, daß Moody's nunmehr das Rating des Landes auf denselben Stand gehoben hat, wo Brasilien schon bei Standard & Poor's steht, so daß sich das Gesamt-Rating Brasiliens nunmehr als „BB“ ergibt. Grund für die Heraufstufung ist der Umstand, daß das Land rund 30 Milliarden Dollar an Auslandschulden vorzeitig zurückgezahlt hat.
„Die Entscheidung von Moody's hatte definitiv einen positiven Einfluß auf Brasilien und den Markt im allgemeinen“, sagt Cristina Panait, Analystin für Schwellenländer bei der Vermögensverwaltung Payden & Rygel. „Die größer als erwartete Zinssenkung hat für positive Stimmung gesorgt und die Heraufstufung hat allem noch einen Impuls verliehen.“
Besorgnis wegen Staatsausgaben
Moody's sieht durch die Schuldenreduzierung Brasilien als weniger verwundbar bei Schwankungen des Wechselkurses an. Weiter wachsende Exporte würden zusätzliche Rückzahlungen ermöglichen, zumal die Exportstruktur diversifiziert sei und Brasilien damit leichter mit schwankenden Rohstoffpreisen und einer nachlassenden Weltkonjunktur fertig würde.
Indes ist man bei Moody's ein wenig hinsichtlich der Staatsausgaben besorgt. Dies passe nicht zu der Willensbekundung, finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Indes dürfte dieser Ruf im derzeitigen Wahlkampf und angesichts eines möglicherweise doch nachlassenden Wachstums wohl ungehört verhallen.
Derzeit sind die Aussichten für brasilianische Anleihen also als positiv zu beurteilen. Indes kann sich dies im derzeitigen Umfeld recht rasch ändern. sollten die Konjunkturdaten in Amerika negative Überraschungen bereithalten, könnte der Risikoappetit der Anleger wieder abnehmen. Auch ein deutlicherer Einbruch der brasilianischen Konjunktur dürfte die Lust auf Samba-Bonds dämpfen.