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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Staatsanleihen Gespanntes Warten auf die Regierung in Madrid

 ·  Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichen ein neues Renditetief, spanische Aktien und kurzlaufende Anleihen verlieren an Wert. Von einer Panik kann bislang aber keine Rede sein.

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Seit wenigen Tagen hat Spanien Griechenland als wichtigstes Thema an den europäischen Finanzmärkten abgelöst. Die Schwierigkeiten der unter schlechten Immobilienkrediten leidenden Bankia sowie Spekulationen, die Regierung in Madrid sei entgegen ihrer Absicht vielleicht doch auf ausländische Hilfen angewiesen, beschäftigen die Marktteilnehmer. Das größte Problem für die Märkte besteht in der Unmöglichkeit, das Volumen der schlechten Immobilienkredite zuverlässig zu schätzen. Immobilien sind individuelle Objekte, für die es in vielen Fällen derzeit keine belastbaren Marktpreise gibt. Insofern ist nicht nur der genaue Kapitalbedarf der Bankia, deren Aktienkurs am Dienstag ein weiteres Mal um mehr als 10 Prozent einbrach, unbekannt. Auch für andere spanische Banken sind keine zuverlässigen Schätzungen über das Verlustpotential aus ihrem Kreditbestand erhältlich.

Von einer Panik konnte am Dienstag aber keine Rede sein. Zwar sorgte starke Nachfrage für die als sicherer Hafen dienenden Bundesanleihen für ein neues Renditetief von 1,345 Prozent für die Zehnjährigen. Die Verunsicherung über die Lage in Spanien ließ den führenden Aktienindex Ibex auf seinen tiefsten Stand seit Mai 2003 fallen und auch die Kurse zweijähriger iberischer Staatspapiere spürbar sinken.

Französische Staatsanleihen in einem „Niemandsland“

Andererseits liegt die durchschnittliche Rendite der spanischen Staatspapiere nur knapp über 4 Prozent (siehe Grafik). Zudem hat Spanien nach Angaben des Finanzministeriums bereits 58 Prozent des für das Jahr 2012 geschätzten Kapitalbedarfs über den Markt aufgenommen. Die niedrige durchschnittliche Rendite der Staatspapiere steht im Widerspruch zu Äußerungen mancher Marktteilnehmer, das Land könne sich vorübergehende Renditen von gut 6 Prozent nicht leisten.

© F.A.Z.

Deutliche Rückgänge ihrer Renditen verzeichnen seit einiger Zeit Frankreich uns Österreich. Zehnjährige französische Staatsanleihen hatten am vergangenen Freitag mit 2,42 Prozent ihren niedrigsten Stand aller Zeiten verzeichnet. Analysten der Helaba schrieben in einem Marktkommentar, angesichts der sehr niedrigen Renditen für Bundesanleihen rückten französische Staatsanleihen mit ihren etwas höheren Renditen wieder mehr in den Blickpunkt. Der deutliche Renditerückgang französischer Staatspapiere ist umso bemerkenswerter, als französische Banken ein eventueller Austritt Griechenlands aus dem Euro teuer zu stehen kommen würde und in New York bereits Gerüchte über denkbare Verstaatlichungen Pariser Großbanken herumgereicht werden.

Der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Zehnjährigen ist auf rund 113 Basispunkte gefallen. Wie die Helaba schreibt, stößt der Chart aus technischer Sicht hier auf seine 200-Tage-Linie, die er in den vergangenen Monaten mehrfach nicht unterschreiten konnte. Die Analysten der Citigroup sehen die zehnjährigen französischen Staatsanleihen mit ihrer aktuellen Bewertung daher in einem „Niemandsland“ und sehen eine vielversprechendere Strategie in einem Kauf österreichischer Zehnjähriger bei einem gleichzeitigen Verkauf französischer Titel.

Spanien soll sich an den IWF wenden

Frankreich hat am Dienstag für 7,9 Milliarden Euro Geldmarktpapiere mit unterschiedlichen Laufzeiten und geringfügig höheren Renditen versteigert. Für die dreimonatigen Papiere betrug die Rendite 0,084 Prozent nach 0,070 Prozent bei der vorangegangenen Auktion. Teurer kam Italien die Versteigerung von Geldmarktpapieren über 8,5 Milliarden Euro zu stehen. Für die sechsmonatigen Papiere wurde eine Rendite von 2,104 nach 1,772 Prozent fällig.

Der in London ansässige Hedgefondsmanager Stephen Jen (SLJ Macro Partners) vertritt in einem Marktkommentar die Ansicht, viele Teilnehmer lägen mit ihren Hoffnungen auf ein baldiges Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr wahrscheinlich völlig falsch. Die fundamentalen Probleme im Euroraum seien politischer und nicht monetärer Natur; mehr als eine eventuelle Senkung des Leitzinses im Juni sei von der EZB nicht zu erwarten. Griechenland jammere lauthals über Reformen, die in Portugal und Irland klaglos umgesetzt würden, schreibt Jen. Spanien solle sich wegen finanzieller Hilfen für seine Banken an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, so wie sich in der Vergangenheit Dutzende Länder an den IWF gewandt hätten: „Wir scheinen zu vergessen, dass es bereits gut entwickelte Verfahren zur Lösung exakt jener Schwierigkeiten gibt, mit denen Spanien konfrontiert ist. Der IWF hat genau für ein solches Szenario in den vergangenen Monaten zusätzliche Mittel erhalten.“

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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