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Staatsanleihen Die Sorgen um den Euro-Raum lassen nach

15.04.2009 ·  Die Sorgen um den Bestand des Euro-Systems haben in den vergangenen Wochen merklich nachgelassen. Länder wie Griechenland oder Irland dürfen mit dem Beistand der anderen Mitgliedstaaten rechnen. Kritiker warnen jedoch vor den langfristigen Kosten.

Von Stefan Ruhkamp
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Für Giannis Papathanassiou und Brian Lenihan sind die ärgsten Geldnöte fürs Erste ausgestanden. Ausgestattet mit einem - wenn auch ungeschriebenen - Freibrief der anderen Euro-Mitgliedstaaten, kommen die Finanzminister Griechenlands und Irlands seit einigen Wochen wieder leichter an Geld. Die Risikoaufschläge für ihre Anleihen sind zwar immer noch sehr hoch, im Vergleich zum Höhepunkt der Krise aber doch merklich gesunken.

Wer heute eine griechische Anleihe kauft, kann im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen mit einem Renditeaufschlag von etwa 2,3 Prozentpunkten rechnen. Im März war diese Risikoprämie auf bis zu 3 Prozentpunkte gestiegen, was für den griechischen Staat eine Verteuerung neuer Schulden bedeutete.

Sorgen um Österreich und Irland lassen nach

Ähnlich besorgniserregend waren die Aufschläge für irische Schulden. Von einer Ausweitung - allerdings auf einem niedrigeren Niveau - waren auch Österreich, Spanien und Italien betroffen. Viele Anleger fürchten, dass zum Beispiel Irland wegen seines maroden Bankensystems in Bedrängnis geraten könnte. Das Staatsdefizit wächst in diesem Jahr auf 11 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, im nächsten Jahr könnten es schon 13 Prozent sein.

Die Sorgen um Österreich knüpfen vor allem an die Verflechtung mit Osteuropa an. Griechenland hat zwar kaum große Banken, muss aber ein großes Leistungsbilanzdefizit finanzieren und hat ohnehin viele Schulden. An all diesen Schwierigkeiten hat sich in den vergangenen Wochen kaum etwas geändert. Im Gegenteil, die europäische Wirtschaft schrumpft weiter. Allein in diesem Quartal könnte der Rückgang 2 bis 3 Prozent betragen nach einem ähnlich großen Minus im vergangenen Quartal, fürchten Ökonomen. Und doch sind die Risikoprämien gefallen.

„Die große Angst hat nachgelassen“

Seit dem Krisenhöhepunkt habe sich die Wahrnehmung der Risiken verändert, sagt Jens-Oliver Niklasch, Zinsexperte der Landesbank Baden-Württemberg. Die Risikofreude der Anleger habe wieder etwas zugenommen, was sich unter anderem in steigenden Aktienkursen und sinkenden Risikoprämien auf den Kreditmärkten spiegele. Für die Kurse der Euro-Staatsanleihen komme die günstige Wirkung des G-20-Treffens der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer Anfang April hinzu.

„Der Internationale Währungsfonds ist als Zahlungsbilanzfeuerwehr installiert worden und hat Finanzierungszusagen über mehr als 1000 Milliarden Dollar erhalten“, sagt Niklasch. Damit sei klar, dass Osteuropa nicht fallen werde: „Die große Angst hat nachgelassen.“ Auf dem G-20-Treffen sei eine Art Solidargemeinschaft der Staaten propagiert worden, sagt Klaus Wiener, Chefvolkswirt des italienischen Versicherungskonzerns Generali. Wenn die Hilfen für Länder wie Ungarn oder die Ukraine gesichert seien, müsse das umso mehr für die Problemländer der Währungsunion gelten. Theoretisch gebe es noch immer das Restrisiko, dass ein Euro-Land seine Schulden nicht mehr bedienen könne. Doch der Euro sei ein politisches Projekt, und die wirtschaftlichen Folgen eines Scheiterns seien für alle Beteiligten viel zu groß, als dass damit zu rechnen sei.

Stabilität des Euro-Systems gesichert?

Dieses Grundvertrauen war vor einigen Wochen bei vielen Anlegern erschüttert worden, und auch ein Eingreifen anderer Länder im Notfall galt keineswegs als gesichert. Im Februar deutete der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erstmals eine solche Hilfe an. Seien Euro-Länder in Zahlungsschwierigkeiten, „wird die Gesamtheit behilflich sein müssen“, sagte Steinbrück und löste in Deutschland Entrüstung aus. Die Bundesbank mahnte kurz darauf, solche Hilfen seien nur mit strengen Auflagen denkbar.

Ist damit die Stabilität des Euro-Systems gesichert? „Im Moment ist das so, aber die Rechnung dafür wird noch präsentiert“, warnt Thorsten Polleit, Ökonom bei Barclays. Die Staaten hätten nun glaubhaft versichert, dass es keinen Bankrott einzelner Staaten geben wird. Aber es gebe aus Sicht der Anleger andere Risiken, denn die Rettung müsse finanziert werden. Wenn die dafür notwendigen Staatsanleihen nicht mehr verkäuflich seien, sei die Notenpresse das nächste Mittel, was zu Inflation führen könne, sagt Polleit. Für die Reduzierung der Schulden gebe es für die Politik drei Möglichkeiten: Bankrott, Inflation oder Sparsamkeit.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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