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Staatsanleihen Die Renditen sind oft zu tief

11.03.2010 ·  Trotz massiv steigender Staatsschulden sind und bleiben die Renditen von Anleihen der betroffenen Ländern vergleichsweise tief. Sehr wahrscheinlich zu tief. Denn hohe Schulden werden zusammen mit strukturellen Defiziten zum Risiko.

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Trotz massiv steigender Staatsschulden sind und bleiben die Renditen von Anleihen der betroffenen Ländern vergleichsweise tief. So liegt die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen bei 3,742 Prozent, obwohl sich das Land in der tiefsten Wirtschaftskrise befinden und obwohl die öffentlichen Staatsschulden in den vergangenen zehn Jahren um 120 Prozent zugenommen haben auf zuletzt 12,55 Billionen Dollar.

Ähnlich deutlich nehmen die Schulden in vielen anderen Staaten zu, weil sie in Boomzeiten ihr Ausgabeverhalten nicht unter Kontrolle halten konnten und weil Wirtschafts-, Finanz- und Verteilungspolitiker nun im Rahmen der Krise scheinbar alle Argumente auf ihrer Seite haben, um sämtliche Bedenken gegen restriktives Ausgabeverhalten über Bord zu werfen.

Staatschulden steigen in den Industriestaaten rasant an

Jetzt sei es nötig, die Volkswirtschaften durch öffentliche Ausgaben am Laufen zu halten. Es sei der völlig falsche Zeitpunkte, um zu sparen, heißt es vor allem von Seiten der spendierfreudigen Keynesianer.

Dieses Verhalten hat dazu geführt, dass die öffentlichen Schulden Deutschlands im Jahr 2009 um 7,1 Prozent auf 1,69 Billionen Euro gestiegen sind. 62 Prozent davon entfallen auf den Bund, 31 Prozent auf die Bundesländer und knapp sieben Prozent auf die chronische unterfinanzierten und einnahmeschwachen Kommunen. Kaum jemand wagt es, gegen die Ausgabenflut anzugehen, weil es unvernünftig sei, wie es so schön heißt. Dabei ist gerade das Gegenteil der Fall. Denn früher oder später werden an den Finanzmärkten Zweifel an der finanziellen Solidität vieler derart massiv verschuldeter Staaten aufkommen. Marktteilnehmer werden dann höhere Zinsen und Renditen verlangen, als das in den vergangenen Jahren der Fall war.

Diese Entwicklung kann dazu führen, dass die längst begonnene Schuldenspirale außer Kontrolle geraten kann. Denn schon heute gehört die Zinslast zur Bedienung der öffentlichen Schulden zu den größten Posten im Bundeshaushalt. Stiegen die Zinsen, nähme die Belastung zu. Sie müsste dann entweder durch zusätzliche Neuverschuldung, Steuer- und Abgabenerhöhungen oder drastische Sparmaßnahmen ausgeglichen werden. Noch scheint die Bereitschaft dafür nicht da zu sein, allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis steigende Abgaben und oder sinkende Ausgaben unumgänglich werden.

... und werden zusammen mit strukturellen Defiziten zum Risiko

Das gilt nicht nur für die Vereinigten Staaten und Deutschland, sondern vor allem auch für Großbritannien, Italien und Spanien. Das sind Staaten, die sich sowohl durch hohe Schulden, eine schwache Wirtschaftsstruktur und vor allem auch eine alternde Bevölkerung auszeichnen. Mohamed El-Erian, einer der Chefstrategen des größten Rentenfonds der Welt, warnt, die sich verschlechternde Finanzlage im Öffentlichen Sektor werde die globale Wirtschaft stärker belasten, als bisher angenommen. Die Regierung würden gezwungen werden, Steuern zu erhöhen und Ausgaben zu kürzen, erklärt er.

Spanische Anleihen gelte es zu vermeiden, da die strukturell hohe Arbeitslosigkeit notwendige Sparmaßnahmen schwierig mache, erklären die Analysten der Fondsgesellschaft Invesco und der Bank of Americirca Spanien werde Jahre oder gar Jahrzehnte benötigen, um sich von der Rezession erholen und um strukturelle Defizite ausgleichen zu können, heißt es. Bill Gross, der Partner von Mohamed El-Erian bei Pimco, warnt vor britischen Staatsanleihen. Er rät zum Kauf von Staatspapieren wenig verschuldeter Staaten wie China, Indien, Brasilien, Deutschland oder auch Kanada. Selbst an solchen Ratschlägen können jedoch Zweifel aufkommen. Denn eine nähere Betrachtung der Finanzlage Chinas etwa zeigt, dass die Gesamtverschuldung des Landes unter Einbezug der Verbindlichkeiten der hoch verschuldeten Provinzen bei mehr als 80 Prozent liegt.

Insgesamt dürfte es ratsam sein, die Anleihen hoch verschuldeter und strukturell schwacher Staaten mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Die Rendite japanischer, spanischer, britischer und auch amerikanischer Staatsanleihen, werden bisher durch die Eingriffe der Zentralbanken künstlich tief gehalten. Unter normalen Umständen müsste die Rendite spanischer Papiere jedoch mindestens doppelt so hoch sein, wie sie jetzt sind, zeigen kritische Analysen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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