08.09.2010 · Die Europäische Währungsunion spaltet sich immer mehr: Während in Portugal und Irland die Renditen auf Staatsanleihen weiter steigen, herrscht in Spanien und Italien Ruhe. Griechenland ist und bleibt ein Einzelfall.
Von Gerald BraunbergerDie südlichen und westlichen Peripheriestaaten der Europäischen Währungsunion zerfallen immer mehr in drei Gruppen. Während der durch die Hilfsprogramme vom Kapitalmarkt genommene griechische Staat schon länger als Einzelfall zu betrachten ist, zerfallen die vier verbleibenden PIIGS-Staaten in zwei weitere Gruppen: Die Renditen der irischen und portugiesischen Staatsanleihen steigen deutlich, während auf den Märkten für spanische und italienische Staatspapiere eher Entspannung angesagt ist.
Am Dienstag waren es vor allem Sorgen um die Solidität der europäischen Banken und um die Konjunktur im Euro-Raum, die sich in den Notierungen der Krisenländer niederschlugen. Außerdem kommen in den nächsten Wochen zahlreiche Neuemissionen an den Markt, angefangen mit irischen Schatzwechseln über 400 bis 600 Millionen Euro am Donnerstag. „Die Neuemissionen sollten problemlos über die Bühne gehen. Allerdings werden die Investoren testen, was sie an Rendite erzielen können“, sagte Thomas Meißner, der Leiter der Rentenmarktanalyse bei der DZ Bank. Belastend wirkte auch ein Bericht des „Wall Street Journal“, nach dem in den Stresstests für 91 europäische Banken deren Bestände an Euro-Staatsanleihen zum Teil vermutlich zu niedrig ausgewiesen wurden. Dieser Artikel setzte nicht nur die Kurse der Staatsanleihen und die Kurse europäischer Banken, sondern am Devisenmarkt auch den Kurs des Euro unter Druck.
Regierungsumbildung in Athen spielte keine Rolle
Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe sprang am Dienstag um 32 Basispunkte auf 11,51 Prozent. Ein Analyst der amerikanischen Fondsgesellschaft Pimco sprach von einem „erheblichen Risiko einer Umschuldung“ Griechenlands nach dem Auslaufen des auf drei Jahre angelegten Hilfsprogramms der europäischen Partnerstaaten und des Internationalen Währungsfonds. Die Regierungsumbildung in Athen spielte nach Angaben von Händlern für die Kursbildung dagegen keine Rolle.
Zehnjährige irische Staatsanleihen verbuchten einen Aufschlag von 28 Basispunkten auf 5,93 Prozent. Die irischen Staatsanleihen leiden nach wie vor unter dem Debakel der Anglo Irish Bank, dessen Folgen für den irischen Staat noch gar nicht vollständig abzusehen sind. Der Renditeabstand zur deutschen Bundesanleihe erreichte mit 379 Basispunkten seinen höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Für die zehnjährige portugiesische Staatsanleihe, deren Rendite um 12 Basispunkte auf 5,71 Prozent stieg, ergab sich ebenfalls der höchste Renditeabstand zur zehnjährigen Bundesanleihe seit Einführung des Euro. Dagegen blieben die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen unverändert.
Bewertungen für Unternehmensanleihen folgen nicht den Bewertungen der Staatsanleihen
Der Zuwachs der Renditen in Griechenland, Portugal und Irland schlug sich auch in höheren Preisen für Kreditausfallderivate (CDS) auf diese Staatsanleihen nieder. Selbst die Kosten für die Absicherung spanischer Anleihen, die seit Mai deutlich zurückgegangen sind, liegen immer noch deutlich über den Kosten einer Absicherung vieler Schwellenlandpapiere - zum Beispiel libanesischer Staatsanleihen. Die Kosten eines Griechenland-CDS sind derzeit nahezu doppelt so hoch wie die Kosten für einen CDS auf ukrainische Staatspapiere, obgleich die Ukraine keinen guten Ruf als Schuldner besitzt und ebenfalls auf IWF-Hilfen angewiesen ist. Allerdings bleiben die Preise für CDS auf irische und portugiesische Staatspapiere unter dem ukrainischen Vergleichswert zurück.
Die Bewertung von Unternehmensanleihen aus den europäischen Krisenländern folgen derzeit allerdings nicht den Bewertungen der Staatsanleihen. So seien die Preise für die CDS auf Anleihen des portugiesischen Versorgers EDP und der griechischen Telekommunikationsgesellschaft OTE im Unterschied zu CDS auf Staatsanleihen dieser Länder in den vergangenen Tagen leicht gesunken, sagte Patrick Kohlmann, Kreditanalyst bei der Commerzbank.
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Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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