Home
http://www.faz.net/-gvt-75ofo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Staatsanleihen Deutlicher Rückgang der Risikoprämien für Krisenländer

Italien leiht sich Geld zu so guten Konditionen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Spanien gelang eine Emission zu auffällig günstigen Konditionen und auch französische sowie belgische Anleihen holen auf.

© AFP Vergrößern Hoffnung in Rom

Die Erholung auf dem Markt für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer setzt sich fort. In den vergangenen Wochen sind die Risikoprämien für die Schuldtitel etwa von Spanien und Italien deutlich gefallen. Der Abstand zwischen der Rendite spanischer und deutscher zehnjähriger Anleihen hat sich seit dem Höhepunkt im Sommer vergangenen Jahres von 6,4 auf rund 3,3 Prozentpunkte fast halbiert. Für italienische Staatsanleihen ist der Renditeaufschlag relativ zu deutschen Bundesanleihen von zeitweise 5 auf zuletzt 2,5 Prozentpunkte gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit März 2012. Ausgelöst wurde die Abwärtsbewegung Ende Juli vergangenen Jahres, als die Europäische Zentralbank ankündigte, notfalls unbegrenzt zugunsten der Krisenländer auf dem Anleihemarkt zu intervenieren, um der Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zu begegnen.

Spanien und Italien haben sich schon in den ersten Tagen des Jahres die verbesserten Finanzierungsbedingungen zunutze gemacht. Spanien gelang am Donnerstag eine Emission zu auffällig günstigen Konditionen und emittierte mehr, als zuvor angekündigt worden war. Am Freitag zog Italien nach und begab Titel im Wert von 5 Milliarden Euro. Die Verzinsung war die niedrigste bei einer Neuemission seit März 2010. Wenig später erreichte die Schuldenkrise im Euroraum ihren ersten Höhepunkt als im Griechenland im Mai das erste Hilfsprogramm erhielt und die Europäische Zentralbank mit dem ersten Programm für den Ankauf von Staatsanleihen begann.

Der Euro legte wieder zu

Italien bot den Investoren am Freitag für zweijährige Titel im Wert von 3,5 Milliarden Euro 1,85 Prozent jährliche Rendite. Bei einer Auktion im Dezember lag dieser Wert noch bei 2,5 Prozent. Das Schatzamt in Rom brachte außerdem für 1,5 Milliarden Euro variabel verzinste Anleihen mit einer Laufzeit von vier Jahren auf den Markt. Die Nachfrage der Investoren hätte für das 1,5fache der angebotenen Summe gereicht. Am Donnerstag hatte Italien einjährige Geldmarktpapiere im Wert von 8,5 Milliarden Euro mit der niedrigsten Rendite seit drei Jahren emittiert.

Infografik / Staatsanleihen / Italien und Spanien finanzieren sich günstiger Italienische und spanische Staatsanleihen im Vergleich © F.A.Z. Bilderstrecke 

Der Euro legte am Freitag weiter zu und erreichte mit 1,3366 Dollar je Euro den höchsten Wert seit dem Frühjahr vergangenen Jahres. Den Optimismus der Investoren hat EZB-Präsident Mario Draghi nach der Zinsentscheidung am Donnerstag verstärkt. Er betonte die Stabilisierung auf den Finanzmärkten und beschrieb die Anzeichen für wiederkehrendes Vertrauen. Auch die seit Jahresbeginn erstmalige Anwendung von Anleiheklauseln, die im Fall einer Staatspleite den Gläubigern eine für alle Gläubiger bindende Änderung von Zins, Laufzeit und Nennwert der Staatsanleihen ermöglicht, hat an der sich belebenden Risikofreude der Investoren nichts geändert.

Hohe Gewinne mit portugiesischen Anleihen

Auffällig ist, dass sich auch die Risikoprämien für Euroländer mit solider finanzierten Staatshaushalten in den vergangen Wochen deutlich verringert haben. Der Abstand französischer zu deutschen Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit beträgt noch knapp 0,6 Prozentpunkte. In den Jahren vor der Finanz- und Schuldenkrise gab es den Abstand zwar gar nicht. Doch danach erhöhte er sich kontinuierlich und schoss Ende 2011 für kurze Zeit sogar auf 1,9 Prozentpunkte. Ähnlich war die Entwicklung für die Risikoprämie belgischer Staatsanleihen. Die Regierungskrise und die Furcht vor einer Trennung in einen wallonischen und einen flämischen Landesteil trieben den Renditeabstand zu Bundesanleihen sogar auf bis zu 3,6 Prozentpunkte. Heute rentieren belgische Anleihen wieder mit 2,2 Prozent, während deutsche zehnjährige Bundesanleihen etwa 1,6 Prozent jährlichen Ertrag versprechen. Auch für Belgien hat sich die Risikoprämie also auf 0,6 Prozentpunkte verringert.

Mehr zum Thema

Investoren, die frühzeitig auf diese Trendwende gesetzt haben, konnten erhebliche Kurs- und Zinsgewinne einstreichen. Besonders groß waren sie mit portugiesischen Anleihen. Seit Anfang Juli 2012 haben sie über alle Laufzeiten hinweg einen Ertrag von 36 Prozent ermöglicht. Für irische und italienische Titel beträgt das Anlageergebnis im selben Zeitraum rund 15 Prozent. Für Bundesanleihen steht unter dem Strich wegen des jüngsten Anstiegs der Renditen für besonders sichere Anlagen nur noch ein kleines Plus, für niederländische Titel sogar ein kleines Minus. Über den gesamten Euroraum betrachtet beträgt das Anlageergebnis für Staatsanleihen durchschnittlich 7 Prozent.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nullzinspolitik der EZB Draghis Kaufprogramm radiert die Zinsen aus

Dank der Geldpolitik der EZB sind die Renditen der Staatsanleihen deutlich gefallen. Deutschland kann sich für fünf Jahre zum Nullzins verschulden. Das freut den Finanzminister. Für Anleger ist es eine schlechte Nachricht. Mehr Von Markus Frühauf

21.01.2015, 20:50 Uhr | Finanzen
Videografik Die Anleihekäufe der EZB erklärt

Die Europäische Zentralbank (EZB) will eine drohende Inflationsspirale verhindern, indem sie jeden Monat Anleihen für 60 Milliarden Euro aufkauft - anderthalb Jahre lang. Welche Folgen eine Deflation hätte und wie die Anleihekäufe das verhindern sollen, erklärt eine Videografik. Mehr

23.01.2015, 09:28 Uhr | Wirtschaft
Nach EuGH-Gutachten Rendite europäischer Anleihen auf Rekordtief

Die Zinsen für europäische Anleihen sind am Mittwoch auf neue Tiefstände gefallen. Die Papiere profitierten von einem positiven Gutachten des Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof, nach dem die EZB Staatsanleihen von Krisenländern kaufen darf. Mehr

14.01.2015, 14:58 Uhr | Finanzen
Obsterzeuger spüren Russland-Sanktionen

Die deutschen Landwirte spüren die Einfuhrverbote Russlands für westliche Agrar-Erzeugnisse. Die hiesigen Bauern exportierten vergangenes Jahr Obst und Gemüse im Wert von rund 60 Millionen Euro nach Russland. Mehr

19.08.2014, 15:01 Uhr | Wirtschaft
Australien-Anleihen Emsige Renditesuche auf der anderen Seite des Globus

Die Rendite für australische Staatsanleihen ist auf einen Tiefststand gefallen. Eine Besserung sehen Analysten nicht. In Neuseeland läuft es ähnlich. Mehr Von Gerald Braunberger

13.01.2015, 21:02 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.01.2013, 18:54 Uhr

Wertpapiersuche
Zinsen