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Staatsanleihen „Dean“ bedroht auch karibische Bonitäten

20.08.2007 ·  Hurrikans richten in den betroffenen Ländern oft riesige Schäden an. Dies kann bisweilen auch an deren Leistungsfähigkeit gehen. Während Grenada von „Dean“ verschont blieb, Jamaika die Schäden wohl verkraften kann, bedroht der Sturm jetzt das angeschlagene Belize.

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„Dean“ heißt der Hurrikan, der derzeit über die Karibik zieht und dort für Verwüstung sorgt. Im Jahr 2006 sorgten diese Stürme nicht nur für einen heftigen Anstieg des Ölpreises. Doch nicht nur für die Rohstoffmärkte sind Hurrikans einschneidende Ereignisse.

Auch Anleihenanleger vermögen sie stets ins Schwitzen zu bringen. 2005 musste der Inselstaat Grenada ein Moratorium anmelden. Nachdem „Ivan“ im Jahr 2004 die Insel verwüstet und 90 Prozent der Häuser zum Teil so sehr beschädigt wurden, dass 30 Prozent abbruchreif waren. Die Stürme des Jahres 2005 konnte das kleine Land dann nicht verkraften, das noch nicht einmal die Schäden des Vorjahres beseitigt hatte.

Grenada bleibt offenbar verschont

Belize, das ehemalige Britisch-Honduras, vereinbarte Anfang des Jahres eine Umschuldung. Die Gläubiger erhielten neue, bis 2029 laufende Anleihen, die von 2019 an in Raten getilgt werden und mit einem Stufenzins versehen sind, der von 4,25 Prozent in den ersten drei Jahren bis auf 8,5 Prozent ab dem siebten Jahr steigt. Die ursprünglichen Bonds waren 2015 fällig gewesen und mit 9,75 Prozent verzinst.

Der Regierung war das Geld ausgegangen, nachdem sie das Wirtschaftswachstum über Infrastrukturprojekte anschieben wollte und Geld für den Wiederaufbau nach der Hurrikan-Saison bereitstellte. „Dean“ scheint Grenada weitgehend verschont zu haben, zog der Sturm doch zwischen den Inseln Martinique und St. Lucia durch und damit rund 300 Kilometer nördlich entlang. Nichtsdestoweniger wurde auch für Grenada eine Tropensturmwarnung herausgegeben.

Weniger glimpflich kam Jamaika davon. Begleitet von heftigen Regenfällen riss der Wirbelsturm zahlreiche Strommasten in der Hauptstadt Kingston aus und deckte dutzende Dächer ab. Aus mehreren Landesteilen wurden Erdrutsche gemeldet. Die Stromversorgung wurde aus Sicherheitsgründen gekappt.

Jamaika hat mehr Probleme als den Hurrikan

Anleiheanleger reagierten bislang gemäßigt. Immerhin legt die grenadinische Dollar-Stufenzins-Anleihe (Isin USP48863AC12) die aktuell mit einem Prozent verzinst wird und auf die ab 2018 neun Prozent bis zum Laufzeitende im September 2025 fällig werden, in Düsseldorf mit einem Aufschlag von knapp zwei Prozent.

Dagegen verzeichnen Anleihen Jamaikas Abgaben, befinden sich aber schon seit Monaten im Abwärtstrend, vor allem bedingt durch eine Reduktion der Risiken an den Märkten. Daher scheinen die Renditen von 7,18 Prozent für das 2009 fällige Euro-Papier bis zu 8,43 Prozent für die 2012 fällige Anleihe zumindest vordergründig verlockend.

Indes hat Jamaika mehr Probleme als Hurrikans, die die Situation indes nicht gerade verbessern. Das Wachstum erlahmte schon zu Beginn der siebziger Jahre, konnte sich Ende der Achtziger noch einmal kurz erholen und schwankt seit bald 15 Jahren zwischen minus und plus zwei Prozent, so dass die 2006 erreichten 2,5 Prozent einen deutlichen Fortschritt darstellen.

Angeschlagener Finanzsektor

In jüngster Zeit zeichnete sich eine leichte Belebung ab. Im zweiten Quartal betrug die annualisierte Wachstumsrate 1,8 Prozent. Premierministerin Portia Simpson Miller will diese Tendenzen aufrechterhalten und setzt dabei vor allem auf einen Ausbau des Tourismus. Ob dies von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten, räumte doch das staatliche Planungsinstitut Ende der vergangenen Woche ein, dass der Tourismus im zweiten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft war. Dies sei eine Folge der Normalisierung der Tourismusströme, nachdem Cancun im Jahr 2006 aufgrund von Aufräumarbeiten nach dem Hurrikan „Wilma“ nicht zur Verfügung stand.

Die höchsten Wachstumsraten wies dagegen der Bausektor aus, der allerdings 2006 aufgrund einer Zementknappheit geschrumpft war und der nicht zuletzt von staatlichen Infrastrukturinvestitionen profitiert.

Doch diese Bemühungen sind alle Makulatur, wenn es dem land nicht gelingt, seine chronische Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Der öffentliche Haushalt ist exorbitant verschuldet und Experten des IWF befürchteten, dass im Haushaltsjahr 2006/07 die anvisierten Ziele des Sparprogramm verfehlt wurden. Erfolgreicher verlief die Bekämpfung der Inflation, die im vergangenen Jahr auf 5,8 Prozent und damit den niedrigsten Wert seit 30 Jahren fiel.

Kritische Situation für Belize

Die hohen Renditen von Jamaika-Anleihen haben in den vergangenen Jahren viele Anleger angelockt und sie notieren trotz deutlicher Abgaben immer noch über Pari, abgesehen von den Dollar-Langläufern, die aber mit vergleichsweise niedrigen Kupons zwischen acht und neun Prozent ausgestattet sind.

In den kommenden Tagen dürfte „Dean“ nach amerikanischen Angaben noch an Stärke zunehmen und kurz vor Mexiko die höchste Sturmstufe erreichen. Die mexikanischen Behörden bereiteten sich daher auf die Evakuierung großer Teile der beliebten Urlaubsorte in Yucatán vor. Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums der Vereinigten Staaten dürfte der Sturm spätestens Dienstag die mexikanischen Halbinsel im Süden des Landes erreichen.

Südlich von dieser liegt Belize, für das die Situation kritisch werden könnte. Die Rating-Agentur Moody's hat erst Anfang Juli sein Rating von „Caa1“ bestätigt. Das Risiko eines Zahlungsausfalls sei trotz der Umschuldung weiterhin sehr hoch. Die Schuldenlast sei weiter enorm, die kleine und offene Ökonomie extrem verwundbar gegenüber exogenen Schocks.

Versicherungsfonds könnte das Schlimmste abfedern

Vor allem bezweifelte Analystin Alessandra Alecci die Fähigkeit der Regierung, ihre restriktive Haushaltspolitik angesichts eines festen Wechselkurses und niedriger Währungsreserven durchzuhalten. Diese Faktoren könnten sich weiter verschärfen, wenn „Dean“ große Schäden anrichtet.

Die im Zuge der Restrukturierung begebene Anleihe, die ohnehin seit Mai schon unter Druck steht, gab in der Vorwoche von 76 auf 72 Prozent deutlich nach und rentiert beim aktuellen Zins von 4,25 Prozent damit immerhin bei 6,847 Prozent (Isin USP16394AF89).

Offen ist, was bei einem neuerlich drohenden Zahlungsausfall geschieht. Indes wird den Gläubigern nichts anderes übrig bleiben als einer weiteren Umschuldung zuzustimmen, wobei sich die Konditionen weiter verschlechtern dürften.

Indes könnten die Anleger diesmal sogar noch davon kommen. Denn seit dem 1. Juni ist mit dem CCRIF ein Versicherungsfonds für 16 karibische Länder, unter anderem Grenada, Jamaika und Belize etabliert, der diesen bei Hurrikanen und Erdbeben unter die Arme greift. Indes ist der Ernstfall noch nicht erprobt und die Deckungssumme beträgt maximal 110 Millionen Dollar. Allein die Schäden in Grenada wurden 2005 auf über 800 Millionen Dollar beziffert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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