21.10.2005 · Bundesschatzbriefe gelten oft als Non-Plus-Ultra der sicheren Geldanlage. Genau so sicher, aber einfacher und flexibler geht es im Nachbarland Österreich, wo es Staatsanleihen praktisch als Festgeld gibt. Auch steuerlich ist es interessant.
Geldanlage ist schon eine schwierige Sache. Natürlich möchte man gerne hohe Renditen haben - aber natürlich möchte man auch sicher gehen, daß die teuer verdienten Euro nicht durch die Finger schlüpfen. Und nicht immer hat man gerade große Summen zur Hand, so daß sich in einem diversifizierten Portfolio Risiken streuen lassen.
Vorsichtige Anleger setzen daher neben herkömmlichen Sparbüchern auf Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland, am liebsten auf Bundesschatzbriefe und in zweiter Linie auf Finanzierungsschätze. Die haben schön kleine handliche Mindestanlagen, sind nahezu todsicher und bieten auf den Prospekten bis zu vier Prozent Zinsen.
Geld flexibel in Staatsanleihen anlegen
Schaut man genauer hin, so verliert das Angebot doch schon an Attraktivität. Zuerst einmal sind die vier Prozent Augenwischerei. Die gibt es nur im siebten Jahr der Laufzeit eines Bundesschatzbriefs. Und daher bringen es diese Stufenzinsanleihen auf eine maximale Rendite von 2,75 Prozent bei sieben Jahren Laufzeit.
2,86 Prozent bringen derzeit die Bundesobligationen - doch auch sie haben eine Laufzeit von fünf Jahren und die kürzer laufenden Finanzierungsschätze bringen nur 2,1 bzw. 2,2 Prozent. Bei vorzeitigem Verkauf bringen Bundesschatzbriefe bis zum dritten Jahr unter zwei Prozent Rendite und bei Finanzierungsschätzen ist diese Möglichkeit gar ganz ausgeschlossen.
Das Nachbarland Österreich geht mit seiner Plattform Bundesschatz.at andere Wege. Das beginnt schon bei der Anmutung. Während die Bundeswertpapierverwaltung etwas behördlich daherkommt, macht die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur einen frischeren und „bankmäßigeren“ Eindruck.
Vor allem aber erweist sich nicht nur die Plattform, sondern auch die Geldanlage als flexibel. Es gibt nicht wie bei in Deutschland diverse starre Anlageformen mit unterschiedlichen Namen und unterschiedlichen Konstruktionen, sondern im Grunde nur eine: die Bundesschätze. Diese gibt es sozusagen als Festgeld mit Laufzeiten über eine, drei, sechs oder zwölf Monate oder als Sparbriefe mit zwei-, fünf- oder zehnjähriger Laufzeit, zwischen denen auch während der Laufzeit gewechselt werden kann - und das bis drei Bankarbeitstage vor Ende der jeweils gewählten Laufzeit.
Unterjährige Anlagen sind möglich
Anlagen sind ab 100 Euro möglich, die Kontoführung ist wie bei der deutschen Bundeswertpapierverwaltung kostenlos. Die Renditen sind vergleichbar mit denen deutscher Anlagen (siehe Infografik). Aktuell liegen die Zinsen zwischen 1,75 Prozent für den Anlagezeitraum von einem Monat und 3,6 Prozent für zehn Jahre, wobei allerdings keine Zinsgutschrift erfolgt, so daß die 10-Jahres-Rendite nur 3,16 Prozent beträgt. Zinseszinseffekte lassen sich nur bei unterjährigen Laufzeiten erzielen, vorausgesetzt man läßt das Geld einfach liegen und hat keinen Auszahlung am Ende der Laufzeit vereinbart.
Österreichische Bundesschätze bieten vor allem zwei Vorteile. Erstens gibt es feste unterjährige Laufzeiten, die dauerhaft und einfach verfügbar sind. Deutschland hat kein damit vergleichbares Angebot. Zweitens sind die Anlagen über alle Laufzeiten einfach zu verstehen und abzuschließen. Das betrifft vor allem die zehnjährige Laufzeit. Deutsche Bundesanleihen können nur über die Börse erworben werden. Das hohe Angebot bringt eine mitunter lästige Suche nach der richtigen Laufzeit mit sich.
Während sich also deutsche Staatsanleihen vor allem an institutionelle und einigermaßen geldaffine Anleger richten, ist Bundesschatz.at nach den Worten von Helmut Eder, Geschäftsführer der Bundesfinanzierungsagentur des Nachbarstaates, „ein Sparprodukt für Euro-Bürger“. Und dieses kommt gut an - vor allem in Deutschland. Beliebt, so Eder, seien vor allem die unterjährigen Anlagen.
Auch steuerlich lukrativ
Interessant sind österreichische Bundesschätze auch möglicherweise unter steuerlichen Gesichtspunkten. Darauf weist auch implizit die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur hin. Wer durch Bundesschatz.at. die EU-Quellensteuer einziehen läßt, kann es dabei bewenden lassen. Auf den Webseiten heißt es:
„Die Wahrung der Anonymität des Anlegers gegenüber ausländischen Finanzbehörden ist gewährleistet. Laut Gesetz erfolgt keinerlei Weiterleitung von Informationen an das zuständige Finanzamt. In Abhängigkeit von Ihrer jeweiligen steuerlichen Situation können diese Steuersätze, besonders in der Übergangszeit bis Juli 2011, sehr vorteilhaft sein.“ Denn der anwendbare Steuersatz beträgt bis zum 1. Juli 2008 nur 15 und bis zum 1. Juli 2011 lediglich 20 Prozent. Erst danach wird ein Satz von 35 Prozent erhoben.
Anderenfalls muß der Anleger eine Bescheinigung des Wohnsitz-Finanzamts vorlegen, die alle steuerrelevanten Informationen enthält und drei Jahre gültig ist. In diesem Fall wird keine Quellensteuer erhoben.