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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Staatsanleihen Bulgarische Anleihen sind wieder interessanter geworden

 ·  Mit Moody's zeigt sich nunmehr auch die letzt der großen Rating-Agenturen optimistisch für die Entwicklung der Bonität Bulgariens. Nach deutlichen Kurseinbußen sind die Anleihen wieder interessanter geworden.

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Osteuropa-Anleihen waren in den vergangenen Jahren bei Anleiheanlegern recht gefragt, boten sie doch vergleichsweise hohe Zinsen bei einem relativ geringen Risiko. Zumindest ließen die EU- und Euro-Perspektiven dieses recht klein erscheinen.

Mit der Zeit erreichten sie jedoch Kursniveaus, die mit den sich eintrübenden Perspektiven für Euro-Bonds einfach nicht mehr übereinstimmen wollten. Die Renditen waren für einen Markt, in dem nicht mehr mit bedeutenden Kursgewinnen zu rechnen war, einfach zu niedrig.

Moody's erhöht Ausblick auf positiv

Das traf für bulgarische Papiere besonders zu. Der im Januar 2013 fällige Eurobond mit einem Volumen von 835 Millionen Euro und einem Kupon von 7,5 Prozent rentierte zum Höhepunkt seiner Popularität im September 2005 nur mit 3,14 Prozent und damit deutlich niedriger als deutsche Staatsanleihen, obwohl das Land seinerzeit noch nicht einmal über ein Investment-Grade-Rating verfügte, das es erst im März 2006 zuerkannt erhielt.

Mittlerweile ist die Rendite auf 4,36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat die Rating-Agentur Moody's am Freitag den Ausblick für die Bonitätsnote des Neu-EU-Mitglieds von „stabil“ auf „positiv“ erhöht. Die Ratingagentur begründete die Entscheidung mit der guten Haushaltslage und einem soliden Wirtschaftswachstum.

Moody's verwies zudem darauf, dass das südosteuropäische Land voraussichtlich bald in den europäischen Wechselkursmechanismus aufgenommen wird. Darin muss sich die Währung Lewa zunächst zwei Jahre lang bewähren, bevor über eine Aufnahme des Landes in den Euroraum entschieden wird.

Optimismus ist groß

Die hohen Investitionen würden auch mittelfristig für ein stabiles Wachstum sorgen, hieß es. Im dritten Quartal vergangenen Jahres war die bulgarische Wirtschaft um 6,7 Prozent gewachsen, und für das Gesamtjahr 2006 liegt das Wachstum bei rund
sechs Prozent.

Indes schließt sich Moody's mit dieser Einschätzung lediglich den anderen Ratingagenturen an. „Sie gehören zu den Nachzüglern. Andere haben bereits in den vergangenen Jahren ihre Bewertungen für Bulgarien immer weiter verbessert“, sagt Agata Urbanska von der ING Bank der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Der Optimismus in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten für Bulgarien ist recht groß. Vor allem schauen viele Beobachter auf das Aufholpotential des Landes, in dem das durchschnittliche Einkommen lediglich rund 30 Prozent des EU-Durchschnitts beträgt.

Zudem gefällt die Tatsache, dass das Land einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftet. Das vergangene Jahr schloss Bulgarien mit einem Plus von 1,76 Milliarden Lewa (900 Millionen Euro) oder 3,76 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) ab. Die scharfe Haushaltsdisziplin ist ein Resultat der scharfen Auflagen, die dem Land zur Überwindung der Hyperinflation von 1997 durch den Internationalen Währungsfonds verordnet wurden.

Deutliches Leistungsbilanzdefizit

Der Optimismus der Investoren kommt dem Land sehr zupass, das nämlich ein strukturelles Problem hat. Das Leistungsbilanzdefizit erreichte zuletzt die bedenkliche Höhe von knapp 13 Prozent des BIP. Da nun aber der Wechselkurs der Lewa fixiert ist, wird eine Finanzkrise nur durch den hohen Zustrom ausländischer Direktinvestoren verhindert.

Indes dürfte sich daran bis auf weiteres nicht viel ändern. Die „Arbeitsgruppe für Länderrisiko“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat erst in diesem Jahr die Einschätzung des Länderrisikos von Stufe 4 auf Stufe 3 weiter gesenkt. Bulgarien rangiert damit deutlich vor der Ukraine und Mazedonien, auf gleicher Stufe wie Rumänien und Russland, deren Risiko-Bewertung die OECD ebenfalls anhob. Die Verbesserungen der Länderkategorie sind nicht unbedeutend, da sie niedrigere Absicherungsprämien bei Exportkreditgarantien nach sich ziehen.

Hinzu kommen niedrige Unternehmenssteuern von zehn Prozent und Arbeitskosten, die nur einen Bruchteil des deutschen Lohnniveaus betragen. Und wenn die Reallöhne demnächst vor Ort steigen, sollte davon wiederum der inländische Konsum profitieren. Derzeit gehen viele Prognosen von einem Gewinnwachstum der Unternehmen von 20 Prozent aus.

Investoren schauen auf den Immobilienmarkt

Dennoch könnte sich der Kapitalzustrom an den Finanzmärkten etwas abschwächen. Der Sofix-Index der bulgarischen Börse erreichte am 22. Januar bei 1.416,81 Punkten ein Rekordhoch. Seitdem hat er leicht konsolidiert und schloss am Freitag knapp unter 1.300 Punkten.

Nach einer starken Aufwärtsentwicklung zwischen September und Januar gilt der Markt bei manchen Beobachtern als etwas hoch bewertet. „Kurzfristig sind die Märkte heiß gelaufen“, sagt Ralph Luther, Fondsmanager des auf die Region spezialisierten Berenberg-Balkan-Baltikum-Fonds. Auch die Analysten der österreichischen Raiffeisen-Bank gehen in naher Zukunft erst einmal von einer Korrekturbewegung aus.

Dafür haben Immobilien-Investoren den Markt verstärkt ins Auge gefasst. Angelsächsische Fonds wie Obelisk International Real Estate sehen laut der Zeitung „Die Welt“ in Bulgarien den „renditeträchtigsten Immobilienmarkt 2007“.

Inflationsprobleme

Indes könnte sich der Beitritt zur Eurozone verzögern, wenn das Wachstumstempo anhält. Denn wie andere dynamische Staaten des östlichen Europa hat auch Bulgarien Schwierigkeiten, seine Inflation im Zaum zu halten. Mit einer Rate von zuletzt 6,5 Prozent liegt die Jahresteuerung weit von den Maastricht-Kriterien entfernt und soll auch 2007 nicht wesentlich niedriger ausfallen. Das gilt gleichermaßen für das Leistungsbilanzdefizit.

Zudem befürchten die Analysten der DZ-Bank steigende Spannungen in der Regierungskoalition aus Sozialisten und Nationalisten. Letztere stünden unter dem Druck fallender Umfrageergebnisse und könnten dazu tendieren, ihr Profil zulasten der Wirtschaftsreformen schärfern zu wollen.

Trotzdem sehen sie auch entgegen der zuletzt wieder kleiner gewordenen Renditeaufschläge bulgarische Anleihen aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung als Kaufgelegenheit.

Gleichsam konservative Anlage

Gleichwohl erscheinen bulgarische Papier als vergleichsweise konservatives Investment, was auch nicht zuletzt darin zum Ausdruck kommt,. dass die Renditeaufschläge gegenüber der Vergleichsgruppe aus Kroatien, Mexiko, Rumänien und Russland geringer sind.

Groß ist die Auswahl indes nicht. neben dem Eurobond ist noch eine bis 20105 laufende und mit 8,25 Prozent verzinste Dollar-Anleihe auf dem Markt, deren Rendite von 5,51 Prozent relativ deutlich unter der Vergleichsgruppe liegt.

Indes ist angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung, des europäischen Zinsniveaus, des verbesserten Ratings und des Haushaltsüberschusses nicht damit zu rechnen, dass attraktivere Papiere auf den Markt kommen werden, wenn denn Bulgarien den Markt überhaupt anzapft.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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