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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Staatsanleihen Auf der Suche nach Rendite in Schwellenländern

 ·  Anleger suchen nach Alternativen zu europäischen Staatsanleihen: Immer mehr Marktteilnehmer interessieren sich für Dollar-Anleihen zum Beispiel von Mexiko, Brasilien oder der Türkei.

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© dapd Rio de Janeiro in Brasilien: Eine brasilianische Dollar-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von rund zehn Jahren rentiert derzeit mit 2,4 Prozent

Staatsanleihen aufstrebender Volkswirtschaften wie Mexiko oder Brasilien sind in der Gunst großer Anleger deutlich gestiegen. Die Kurse vieler Titel legten im bisherigen Jahresverlauf merklich zu. Ganz besonders gilt das offenbar für solche Anleihen, die nicht in der jeweils heimischen Währung des Landes emittiert wurden, sondern in Dollar.

Eine brasilianische Dollar-Staatsanleihe beispielsweise, die am 22. Januar 2021 getilgt wird, also eine Laufzeit von rund zehn Jahren hat, rentiert derzeit mit ungefähr 2,4 Prozent. Noch im Frühjahr waren es beinahe 5 Prozent gewesen. Der Schwellenländer-Anleiheindex EMBI legte während dieser Zeit ebenfalls zu. Der Renditeabstand der in dem Index enthaltenen Titel - insgesamt sind das Anleihen von knapp 50 Ländern - zu amerikanischen Staatsanleihen verminderte sich allein seit dem 1. Juni um ungefähr 90 Basispunkte (siehe Grafik).

Als wesentlicher Grund für solche substantiellen Kursanstiege nennen Marktteilnehmer die Suche nach Alternativen in der Euro-Krise. Das Zinsumfeld ist infolgedessen gekennzeichnet durch als ausfallsicher geltende Staatsanleihen etwa Deutschlands oder der Vereinigten Staaten auf der einen Seite - diese Titel weisen mittlerweile auch in langen Fristigkeiten so niedrige Renditen auf, dass Anleger mit ihnen nicht einmal die Teuerungsraten ausgleichen können. Auf der anderen Seite stehen Staatsanleihen von Ländern wie Italien oder Spanien, die zwar hohe Renditen aufweisen, von Anlegern jedoch gemieden werden, weil Zweifel bestehen, ob beide Länder ihre Zahlungsfähigkeit erhalten können werden.

Anleihen bestimmter Schwellenländer scheinen da ein attraktiver Kompromiss zu sein zwischen dem Bedürfnis nach Rendite und zugleich hoher Sicherheit. „Anleger suchen nach Titeln, die noch Rendite bringen, und investierten in der jüngsten Vergangenheit verstärkt in Anleihen von Schwellenländern mit Investmentgrade-Rating“, sagt Michael Mewes, der das Anleihegeschäft des Vermögensverwalters JP Morgan Asset Management in Frankfurt leitet.

Nicht nur die Euro-Krise

Sowohl Brasilien als auch Mexiko werden etwa von der amerikanischen Ratingagentur Standard & Poor’s als investitionswürdige Schuldner (investmentgrade) eingestuft. Die Kreditnote beider Länder beträgt derzeit „BBB“ und liegt damit nur eine Stufe unterhalb der korrespondierenden Noten Italiens und Spaniens. Die Türkei, deren in Dollar denominierte Staatsanleihen ebenfalls zuletzt Kursgewinne verzeichneten, befindet sich mit einem „BB“-Rating noch eine Note unterhalb des investitionswürdigen Bereichs bei Standard & Poor’s.

Die hohe Nachfrage nach in Dollar denominierten Schwellenländer-Anleihen ist aber nicht nur der Euro-Krise allein geschuldet. „Wir sehen nicht nur eine taktische Positionierung, sondern eine strategische Neuausrichtung wichtiger Anleger“, sagt Thanos Papasavvas, der das Währungsgeschäft des britischen Vermögensverwalters Investec leitet.

Während der zurückliegenden 18 Monate seien insbesondere amerikanische Pensionsfonds und Stiftungen und bedeutende Staatsfonds große Engagements in diesem Bereich eingegangen. „Diese Anleger nehmen die Euro-Krise natürlich als Zentrum der aktuellen Schwierigkeiten wahr, wissen aber, dass sich im Grunde die entwickelten Länder - auch die Vereinigten Staaten und Japan - insgesamt in einer Finanzkrise befinden“, sagt Papasavvas.

Dass solche Investoren vornehmlich Dollar-Anleihen kaufen und weniger stark in Anleihen in der jeweiligen Landeswährung investieren, liege vor allem an zwei Gründen: So können - aus der Sicht amerikanischer Anleger - schwer kalkulierbare Wechselkursschwankungen außen vor gelassen werden. Außerdem gebe es unter international orientierten Investoren schlicht die meisten Erfahrungswerte mit Dollar-Anleihen, weil diese Schwellenländer-Schuldtitelklasse am längsten etabliert ist. Das Volumen der in den wichtigen Indizes enthaltenen Dollar-Anleihen beträgt derzeit gut 500 Milliarden Dollar.

Das Interesse an diesen Titeln hat im Jahresverlauf auch zu Kursgewinnen mancher „Spezialität“ geführt. So sank die Rendite einer mexikanischen Staatsanleihe, die erst im Jahr 2110, also in rund 100 Jahren getilgt wird, auf zuletzt 4,5 Prozent; zum Jahresbeginn rentierte der entsprechende Titel noch ungefähr 2 Prozentpunkte höher.

„Die Kurssteigerungen sind ausgereizt“

Dass die Kursrally der Schwellenländer-Dollar-Anleihen in diesem Tempo weitergeht, wird bezweifelt. „Wir denken, dass die aktuellen Kurssteigerungen erst einmal ausgereizt sind und diejenigen, die jetzt investieren, vor allem mit der höheren Rendite gegenüber sicheren Häfen argumentieren sollten“, sagt JP-Morgan-Portfoliomanager Mewes. Oder eben doch im risikoreicheren Bereich der Anleihen in lokaler Währung suchen. Brian Hess, Fondsmanager des Vermögensverwalters Brandywine, empfiehlt in einem Marktkommentar mexikanische Staatsanleihen, weil sie attraktiv verzinst seien und der mexikanische Peso unterbewertet sei.

Sein Fonds sei darüber hinaus in südafrikanischen Staatsanleihen mit langen Laufzeiten engagiert. Neben der Rendite sei hier relevant, dass Südafrika seiner Ansicht nach im Herbst in den wichtigen Citigroup World Government Bond Index aufgenommen werden wird und dann eine (zusätzliche) Nachfrage nach Anleihen des Landes entsteht von Seiten solcher Investoren, die ihr Portfolio anhand des Index konstruieren.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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