16.08.2007 · Im Zuge der Kreditkrise bauen die Anleger Risken ab. Auch die Kurse argentinischer Anleihen stehen massiv unter Druck. Indes gibt es auch genügend Signale aus dem südamerikanischen Land, die eine Verringerung riskanter Engagements auf Dauer geboten erscheinen lassen.
Als die Welt der Anleihenmärkte noch in Ordnung war und auch schon als sie es für viele und in einigen Bereichen schon nicht mehr war, gehörten Argentinien-Anleihen zu den gefragtesten Papieren nicht nur an den deutschen Rentenmärkten.
Mittlerweile hat die Welt einiges an Glanz eingebüßt und schon wollen die Anleger von den Gauchos nichts mehr wissen. Am Mittwoch stiegen die Renditeaufschläge für argentinische gegenüber amerikanischen Staatsanleihen um stolze 26 auf 486 Basispunkte. Die Kurse der Kreditversicherungen erreichten einen Höchststand.
Kursverluste bis zu sieben Prozent
Die Rendite des Dollar-Langläufers mit Fälligkeit im Jahr 2003 kletterte um 29 Basispunkte auf 10,2 Prozent und der Kurs erreichte damit wieder den Tiefststand, den er kurz nach Emission im Zuge der Restrukturierung des Schuldenbergs im Jahr 2005 erreicht hatte.
In Deutschland, einem der wichtigsten Länder im Handel mit argentinischen Staatsanleihen steht die Mehrheit der Papiere seit einiger Zeit gleichfalls auf der Verkaufsliste. Der Kurs des 2038 fälligen Euro-Langläufer notiert fast sieben Prozent tiefer und damit so niedrig wie seit Juni 2006 nicht mehr.
Die Ursache für den Kursverfall wird im allgemeinen im Rückzug aus risikobehafteten Anlagen gesehen, bei denen argentinische Papiere gemeinsam mit denen anderer Staaten des südamerikanischen Neo-Sozialismus wie Venezuela und Ecuador () ganz oben stehen.
Frisierte Inflationszahlen?
Mit gutem Grund, denn schließlich zeigen sich die negativen Folgen der populistischen Politik in den betreffenden Staaten immer deutlicher. Die Einführung von Preiskontrollen führte im Winter zur Energieknappheit und fallenden Investitionen. Im Zuge dessen zeigen sich Schwächen im Wachstum, das im Juni auf 7,6 Prozent nach 8,55 Prozent im Vorjahresmonat zurückging. Analysten gehen von einer weiteren Abschwächung im kommenden Jahr aus, nach Schätzungen der Bundesagentur für Außenwirtschaft auf 5,5 Prozent.
Zudem misstrauen die Anleger den Inflationszahlen, nachdem Präsident Nestor Kirchner die zuständigen Beamten in der nationalen Statistikbehörde im Januar durch eigene Anhänger ersetzt hat. Schon offiziell ist die argentinische Inflationsrate mit zuletzt 8,6 Prozent die zweithöchste in ganz Südamerika. Pablo Morra, Volkswirt für Lateinamerika bei Goldman Sachs geht von einer tatsächlichen Inflationsrate zwischen 15 und 20 Prozent aus, womit das reale Wirtschaftswachstum praktisch auf Null sinken würde.
Da Inflationsdaten zu den kritischsten an den Rentenmärkten gehören wirken diese verheerend, insbesondere auf die - auf Basis der offiziellen Inflationsrate - inflationsgesicherten Peso-Bonds, deren Kurse mittlerweile auf Rekordniveau gestiegen sind.
Spezialfaktoren in Deutschland
Aber auch die an die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukt gekoppelten Anleihen geben angesichts schwächere Perspektiven ab. Allein um 13 Prozent stürzt der Kurs des bis 2035 laufenden GDP-Bonds am Donnerstag in Frankfurt ab.
In Deutschland mischen sich unterdessen andere Faktoren in die Kursbewegungen. Nachdem das Oberlandesgericht Frankfurt zum einen entscheid, dass Argentinien für den Zahlungsausfall auf frühere Anleihen keinen Staatsnotstand gelten machen dürfe, entschied es zudem, dass
in Deutschland Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen die Republik Argentinien zulässig seien.
Damit erhöhten sich die Hoffnungen für Alt-Papiere, deren Kurse zum Teil auch am Donnerstag zulegen, wie etwa der des 2020 fälligen Dollar-Bonds, der vier Prozent zulegt. Ob diese Hoffnungen nicht rügen, ist eine andere Sache. Sollten sie aber berechtigt sein, könnte sich dies angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich der Wirtschaftslage belastend auf neue Anleihen auswirken.
Ausstieg planen
Die wenigsten Anleger in argentinischen Alt-Anleihen dürfte dies allerdings langfristig stören, wurden deren Kurse doch schon in der Vergangenheit vor allem durch kurzfristiger Spekulationen bestimmt.
Für Inhaber neuer Anleihen beginnt sich dagegen die Überlegung zu stellen, ob das Land nicht auf den nächsten Zahlungsausfall zusteuert und ob man sich unter Risikogesichtspunkten nicht langsam überlegen sollte, wann und wie man das Risiko verringern kann.
Indes dürfte sich angesichts der Rekordtiefen, auf denen sich manche Bondskurse befinden, gerade derzeit ein Ausstieg nicht empfehlen. Denn akut scheint die Zahlungsfähigkeit nicht gefährdet, zumindest nicht, solange Venezuelas schillernder Präsident Chávez auf Basis eines hohen Ölpreises in der Lage ist, wie versprochen abermals argentinische Staatsanleihen im Wert von insgesamt einer Milliarde Dollar aufzukaufen.