20.03.2008 · Durch die Kreditkrise haben sich die Renditeaufschläge von Staatsanleihen aus Osteuropa ausgeweitet. Trotz Gefahren wie Leistungsbilanzdefiziten und Inflation macht dies einige der mit einem EU-Anker versehenen Papiere wieder interessanter.
Die Renditen der Staatsanleihen haben sich in Deutschland und Amerika in den vergangenen Monaten deutlich nach unten bewegt. Das ist deswegen erstaunlich, weil gleichzeitig die Inflation sowie die Inflationserwartungen gestiegen sind. Bei dieser Konstellation wünscht man sich als Sparer als Ausgleich eigentlich höhere statt fallende Renditen.
Doch nicht alle Staatsanleihen profitierten in den vergangenen Wochen von der wegen der Kreditkrise gesunkenen Risikobereitschaft der Anleger so sehr wie die Staatspapiere in Deutschland und in den Vereinigten Staaten. Vielmehr haben sich im Zuge der sich ausweitender Risikoprämien die Renditen bei etlichen Staatsanleihen aus anderen Ländern deutlich erhöht.
So sind beispielsweise die Renditeaufschläge für Euro-Staatsanleihen aus Osteuropa auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Im Schnitt belaufen sie sich auf fast 100 Basispunkte. Durch diese Kursbewegungen bieten einige dieser Anleihen jetzt wieder einen attraktiven Renditevorsprung.
Gefahren wie Leistungsbilanzdefizite und Inflation beachten
Allerdings müssen die im Vergleich mit dem Kauf von deutschen Bundesanleihen höheren Risiken beachtet werden. In diesem Sinne gilt es, zwischen den einzelnen Ländern stärker zu differenzieren als bisher. Schließlich können nicht alle Ostländer über einen Kamm geschoren werden.
Generell lässt sich als Einwand anführen, dass alle diese Staaten (Russland wird hier bei der Betrachtung allgemein ausgeklammert) durch die Bank Defizite in der Leistungsbilanz aufweisen (siehe Tabelle). Als Gegenargument kann bisher zwar gelten, dass die Lücken durch die noch immer sprudelnden ausländischen Direktinvestitionen gedeckt werden können. Allerdings ändert das nichts daran, dass die gravierende Schwachstelle Leistungsbilanz in schwierigen Zeiten viel stärker als früher von den Marktteilnehmern wahrgenommen und bestraft wird.
In keinster Weise beschönigen lässt sich inzwischen die Tatsache, dass sich in Osteuropa Inflationsprobleme breit gemacht haben. So wiesen im Februar mit Lettland (16,7 Prozent), Bulgarien (13,2 Prozent), Estland (11,3 Prozent) und Litauen (10,8 Prozent) gleich vier Staaten Teuerungsraten von mehr als zehn Prozent auf. Angesichts der expansiven Geldpolitik in Amerika und der Koppelung vieler Ostwährungen an den Euro fällt ein aktives Vorgehen gegen die Teuerung schwer, weshalb das Thema bis auf weiteres auf der Tagesordnung bleiben dürfte.
EU-Anker bringt eine gewisse Sicherheit
Bei Anlageentscheidungen für oder gegen eine Staatsanleihe müssen volkswirtschaftliche Ungleichgewichte wie Leistungsbilanzdefizite und Inflationsgefahren ebenso berücksichtigt werden wie die Tatsache, dass Osteuropa noch immer ein dynamischeres Wirtschaftswachstum aufweist als etwa Westeuropa (Die Volkswirte bei der Unicredit rechnen in Osteuropa in diesem Jahr im Schnitt mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 5,7 Prozent nach 6,8 Prozent im Vorjahr).
Unabhängig von diesen Überlegungen ist gegenwärtig kaum zu erwarten, dass ein mit dem Stabilitätsanker Europa versehenes EU-Mitglieds- oder Anwärterland in Zinszahlungsverzug kommt oder seine Schulden nicht zurückzahlt. Unter dieser Annahme weisen Anleihen wie die bis Januar 2013 laufende Bulgarien-Euro-Anleihe (Isin: XS0145624432, Rendite: 4,86 Prozent, Renditevorsprung: 158 Basispunkte), die bis März 2011 laufende Kroatien Euro-Anleihe (Isin: XS0126121507, Rendite: 4,98 Prozent, Renditevorsprung: 175 Basispunkte) oder die bis Juli 2010 laufende Rumänien Euro-Anleihe (Isin: XS0171638330, Rendite: 4,75 Prozent, Renditevorsprung: 177 Basispunkte) durchaus interessante Renditeprämien auf.