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Staatsanleihen Anleger sorgen sich wieder mehr um Spanien

Die Renditen spanischer Staatsanleihen steigen, als Gründe werden der unklare Kapitalbedarf spezieller Hilfsfonds und die anstehende Regionalwahlen genannt. Es gibt aber auch gute Zeichen.

© REUTERS Vergrößern Arbeitsagentur in Madrid

Spaniens Finanzlage ängstigt die Anleger offenbar wieder mehr. Die Kurse spanischer Staatsanleihen haben in dieser Woche über alle Laufzeiten hinweg merklich nachgegeben. Zehnjährige Schuldtitel des iberischen Landes rentierten zum Wochenschluss mit bis zu 5,6 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte höher als noch zu Wochenbeginn. Zweijährige spanische Staatsanleihen weisen mit ungefähr 2,5 Prozent ebenfalls eine höhere Rendite auf als noch vor fünf Handelstagen, wenngleich der Anstieg und die dazu spiegelbildlichen Kursverluste geringer ausfielen als in der langen Fristigkeit. Das sind für sich genommen keine außergewöhnlichen Niveaus (siehe Grafik). Zugleich hat sich jedoch der Renditeabstand (Spread) gegenüber deutschen Bundesanleihen, der als Risikokennzahl gilt, leicht erhöht.

Als Grund für die jüngste Kursbewegung nennen Marktteilnehmer vor allem die aufgekommene höhere Unsicherheit darüber, wie viel Geld Spanien selbst, aber auch bestimmte Institutionen des Landes in diesem Jahr aufnehmen müssen. „Im Falle Spaniens ist derzeit schwierig abzuschätzen, was kommen wird“, sagt beispielsweise David Schnautz, Zinsfachmann der Commerzbank in London.

Gefahr einer Schuldenumstrukturierung größer als jemals zuvor

Das Instituto De Credito Oficial (ICO), ein ungefähr mit der deutschen KfW vergleichbarerer staatlich garantierter Finanzierer, wird neben seinem üblichen Mittelstandsgeschäft in der ersten Jahreshälfte wohl Fälligkeiten spanischer Regionen übernehmen, die sich selbst nur noch zu exorbitant hohen Konditionen am Markt refinanzieren können. Offenstehende Rechnungen spanischer Kommunen und Regionen im Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro soll, wie gerade bekannt wurde, ein speziell dafür gegründeter Fonds namens Fondo para la Financiacion de los Pagos de Proveedores (FFPP) bezahlen; planmäßig wird er von Mai an einsatzbereit sein und zwecks Refinanzierung vermutlich ebenfalls auf dem Kapitalmarkt auftreten. Hinzu kommt der Kapitalbedarf des Bankenrettungsfonds FROB und des Elektrizitätsfonds FADE, die wahrscheinlich jeweils Anleihevolumina im Milliardenbereich begeben werden.

Infografik / Sorge um Spanien mischt sich mit Hoffnungszeichen © F.A.Z. Vergrößern Sorge um Spanien mischt sich mit Hoffnungszeichen

Die Commerzbank hält für möglich, dass die genannten und teilweise mit dem Staat konkurrierenden Emittenten noch in diesem Jahr insgesamt mit Anleihen im Volumen von 50 Milliarden Euro auf den Markt kommen. Für den spanischen Staat selbst seien weitere Anleiheemissionen im Volumen von gut 56 Milliarden Euro zu erwarten, nachdem er im bisherigen Jahresverlauf schon knapp 39 Milliarden aufgenommen hat. Zusätzlich zu dieser Nachrichtenlage äußerte der Chefvolkswirt der Citigroup, Willem Buiter, die Gefahr einer spanischen Schuldenumstrukturierung sei größer als jemals zuvor - auch das schlug auf die Stimmung an der Börse.

Das Leistungsbilanzdefizit ist merklich zurückgegangen

Neben dem sich anbahnenden Gedränge auf dem spanischen Anleihemarkt finden aktuell zwei politische Ereignisse Beachtung unter den Anlegern. Am Sonntag wählen die Bewohner der autonomen Region Andalusien eine neue Regierung. Setzt sich die Partei des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy durch, was als nicht unwahrscheinlich gilt, dürfte er innenpolitisch weiteren Rückenwind für sein Reformprogramm bekommen.

In der kommenden Woche legt Rajoy dann den Haushaltsplan für dieses Jahr vor, den Investoren ebenfalls genau unter die Lupe nehmen werden. Nachdem das Staatsdefizit im vergangenen Jahr größer als erwartet ausgefallen war, muss Rajoy nach einer Analyse der Credit Suisse weitere 20 Milliarden Euro einsparen, um das schon nach oben angepasste und mit der EU vereinbarte Defizitziel von 5,3 Prozent zu erreichen. Welches Gewicht Rajoy der Haushaltskonsolidierung im Jahresverlauf beimisst, dürfte wesentlich auch davon abhängen, ob die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Die Arbeitslosenquote beträgt mittlerweile deutlich mehr als 20 Prozent, die Jugendarbeitslosenquote sogar rund 50 Prozent.

Gleichwohl äußern sich die Analysten der Credit Suisse verhalten optimistisch. Die auf den Weg gebrachten strukturellen Reformen seien gut verglichen mit anderen Ländern. Das Leistungsbilanzdefizit ist merklich zurückgegangen (siehe Grafik), was sich bemerkbar machen werde, wenn in der zweiten Jahreshälfte die gesamtwirtschaftliche Aktivität auch in Europa zulegen werde. Und schließlich hätten die „Autoritäten des Euroraums“ offenbar gelernt, dass Haushaltskonsolidierung zwar notwendig ist, eine Überdosis davon aber auch schaden kann.

Quelle: F.A.Z.

 
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