24.08.2007 · Südamerikanische Anleihen waren bei Investoren in jüngster Zeit wenig beliebt. Das sah am Freitag anders aus. dank einer Heraufstufung durch Moody's verzeichneten brasilianische Papiere Aufschläge von zum Teil über zwei Prozent.
Es war in jüngster Zeit ruhig geworden um brasilianische Staatsanleihen. Das war zum einen positiv, taten sie sich doch im Zuge des Kursrückgangs am Anleihenmarkt im allgemeinen und der Schwellenländer-Bonds im besonderen auf diese Weise nicht negativ hervor. Zum anderen waren sie natürlich nicht gerade Anlagen, die sich durch ihre ausgezeichnete Kursentwicklung hervortaten.
Indes leben Totgesagte bekanntlich länger und so gehörten brasilianische Staatspapiere am Freitag zu den beliebtesten Renten. Der 2024 fälligen Dollar-Bonds (Isin US105756AR10) mit einem Kupon von 8,875 Prozent ging dabei mit Kursgewinnen von 2,2 Prozent voran, aber auch die 2015 fällige und mit 7,375 Prozent verzinste Euro-Anleihe aus dem Jahr 2005 legte um 1,7 Prozent zu.
Am Rand des Investment-Grade
Grund für die plötzliche Beliebtheit war die Heraufstufung der Bonität der Fremdwährungsanleihen des Landes durch die Ratingagentur Moody's auf die Note „Ba1“. Das Besondere daran ist, dass dies die höchste Stufe im Klassement der spekulativen Noten ist und Brasilien damit kurz davor steht, richtig hoffähig zu werden und vor allem die Anleihen des Landes für Investmentfonds interessant werden, die von ihrer Philosophie her nur in Anleihen mit Investment-Grade anlegen dürfen.
Die Agentur hob besonders positiv die Bemühungen der Regierung um Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hervor, die derzeit rekordhohen Exporterlöse dazu zu nutzen, die Zukunft des Landes über den Tag hinaus zu sichern, indem sie Auslandsschulden tilge und die Devisenreserven erhöhe.
Noch ist der Weg in die Elite der Staatsanleihen indes weit, hat Brasilien doch damit nur zu Ländern wie Ägypten und Panama aufgeschlossen. Zudem vollzieht Moody's nur den Schritt nach, den die Rating-Agenturen Standard & Poor's und Fitch, bereits vor längerer Zeit vollzogen hatten.
Gute Wirtschaftsentwicklung
„Das ist eine erhebliche Heraufstufung“, sagte Rodrigo de Rato, geschäftsführender Direktor beim Internationalen Währungsfonds in Brasilia. „Es zeigt, dass die brasilianische Wirtschaft solider ist und die konservative Wirtschaftspolitik des Landes weitere positive Folgen haben wird.“
Die Devisenreserven des Landes sind inzwischen auf ein Rekordhoch von 160 Milliarden Dollar (117,5 Milliarden Euro) geklettert, nachdem die Exporte von Rohstoffen wie Eisenerz, Sojabohnen und Orangensaft anzogen und ausländische Investoren an den Aktien- und Anleihemarkt des Landes strömten. Mit einem Teil der Dollareinnahmen hat die Regierung im vergangenen Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar an Auslandsschulden getilgt.
Seit 2004 wächst die Wirtschaft des Landes relativ beständig und zeigt derzeit eine Aufwärtstendenz. nach 3,7 prozent im Vorjahr soll die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr 4,4 Prozent erreichen.
Spekulation auf Krönung möglich
Gleichzeitig befindet sich die Inflation auf dem Rückzug. nach noch 7,6 Prozent im Jahr 2004 betrug sie im vergangenen Jahr nur noch 3,1 Prozent, wird aber im laufenden Jahr wohl wieder leicht anziehen, was ein Reflex des höheren Wachstums ist.
Positiv, aber nicht so glänzend ist die Bilanz der Arbeitslosigkeit und der Staatsverschuldung, die beide zurückgegangen sind, aber mit 8,4 Prozent bzw. 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts immer noch recht hoch sind.
Brasilianische Euro-Anleihen rentieren aktuell je nach Laufzeit zu 5,2 bis 5,8 Prozent und werden zwischen 2010 und 2017 fällig. Sie bieten damit einen deutlichen Renditeaufschlag gegenüber Anleihen auf dem niedrigstem Investment-Grade-Niveau wie etwa kroatischen oder rumänischen Papieren, die unter fünf Prozent rentieren.
Angesichts des guten Kurses der brasilianischen Wirtschaft lässt sich durchaus längerfristig darauf spekulieren, dass die Bonität in den Bereich des Investment-Grade aufrückt. Und nicht zuletzt, meint Regis Abreu, Fondsmanager bei Mercatto Gestao de Recursos in Rio de Janeiro, wird die Bonitätsheraufsetzung auch dazu beitragen, die Verluste bei brasilianischen Wertpapieren zu begrenzen, sollten sich die Befürchtungen um eine Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums in Folge der Subprime-Krise verstärken.