Es ist wie beim Bestellen der Rechnung im Lokal: „Ich möchte gerne zahlen.“ Wer meint das schon wörtlich? Und welcher Anleiheemittent möchte eigentlich gerne tilgen?
Zunehmend in Mode scheinen daher Anleihen mit sehr langer Laufzeit zu kommen. Das hat durchaus auch andere Gründe. Bei Unternehmen überzeigt die Möglichkeit, die Emission wenigstens teilweise mit ins Eigenkapital auszunehmen.
„Absurd niedrige Renditen“
Für Staaten als Emittenten ist die Situation noch komfortabler. Denn sie haben ihren Pensionsfonds und Versicherern gerade erst vorgeschrieben, die Fristigkeit ihrer Aktiva und Passiva besser in Übereinstimmung zu bringen. Dadurch müssen diese automatisch langlaufende Staatsanleihen kaufen. Auf diese Weise finanzieren die Staaten ihren gegenwärtigen Eigenverbrauch durch Vorgriff auf die zukünftigen Pensionen ihrer Bürger.
Einer „Fehlallokation von Finanzressourcen in epischem Ausmaß“, nannte Patrick Perret-Green, Chefstratege bei Mizuho Capital Markets diesen Zusammenhang. Die Risiken dieser Laufzeiten seien sie hoch daß die Renditen „absurd niedrig“ seien.
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Plastisch werden die Risiken etwa am Beispiel der 2004 begebenen guatemaltekischen Anleihe, die noch bis zum Jahr 2034, also noch 28,6 Jahre läuft. Rechnet man diesen Zeitraum zurück, kommt man auf Ende Juli 1977.
Wie sieht die Welt 2034 aus?
Zu diesem Zeitpunkt herrschte mit Kiell Eugenio Laugerud García der achte Militärdiktator in 23 Jahren, der vor allem Anspruch auf Belize erhob, das damals noch Britisch-Honduras hieß und erst fünf Jahre später in die Unabhängigkeit entlassen wurde.
Zwar gelten für Amerika oder Großbritannien im allgemeinen niedrigere Risiken, doch schwer überschaubar und risikobehaftet bleiben solche Zeiträume dennoch. Besonders dann, wenn man bereit ist einzuräumen, daß die Fähigkeit aller Staaten der westlichen Hemisphäre, ihre Schulden zu bedienen aufgrund soliderer Finanzen, höheren Wachstums und niedrigerer Arbeitslosigkeit vor 30 Jahren mitunter deutlich ausgeprägter war.
Daß das Preisniveau langlaufender Staatsanleihen den Marktrisiken nicht entspricht legt auch der Kursverlauf der am 9. Februar nach einer Pause von fünf Jahren erstmals wieder aufgelegten 30jährigen amerikanische Staatsanleihe nahe. Viele Beobachter rechneten ursprünglich mit einer Kursrally. Statt dessen fiel der Kurs mittlerweile um 25,94 Dollar je 1000 Dollar Nominalwert auf 974,06 Dollar.
Amerikanischer Langläufer bringt nichts als Verluste
Schon bei der Bekanntgabe der Emissionsdaten reagierten die Anleger enttäuscht, weil die Anleihe nicht genügend Rendite bot. Zwar treiben die makroökonomischen Daten die amerikanischen Schatzanweisungen derzeit allgemein nach unten, doch die neue 30jährige Anleihe schnitt deutlich am schlechtesten ab.
Die größten Verluste dürften Händler erlitten haben, die die Neuemission gekauft und gleichzeitig die Anleihe mit Fälligkeit 2031 verkauft haben. Sie rechneten damit, daß der Kurs der neuen Anleihe stärker steigen oder weniger fallen würde als der der alten Papiere. Tatsächlich fiel aber der Kurs der 2036 fälligen Anleihe stärker als der der 2031 fälligen Papiere.
Einige Händler haben diese Positionen daher aufgegeben. Das dürfte zu den Kursverlusten am 4,2 Billionen Dollar schweren Markt für amerikanische Schatzanweisungen in der letzten Woche beigetragen haben. Gewinne und Verluste aus diesen „Relative-Value Trades“ dürften besonders hoch ausgefallen sein, weil Händler meist die benötigten Anleihen über ein Pensionsgeschäft leihen. Zum Verlust aus dem eigentlichen Geschäft kommen dann noch die Differenz zwischen den Kosten für die Leihe der alten Anleihen und den Einnahmen aus dem Verleih der neuen Langläufer hinzu.
Für Privatanleger taugen die Langläufer ohnehin nicht. Ihre Kursentwicklung ist häufig negativ, weil die Nachfrage tendenziell gering sein muß, da die Pensionskassen die Papiere halten müssen. Die Tilgungsleistung liegt soweit in der Zukunft, daß das Kapital bei einer eher mäßigen Nominalverzinsung viel zu lang gebunden ist.