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Spezialisierte Fonds Katastrophenanleihen locken die Investoren

Das Emissionsvolumen wurde im vergangenen Jahr durch Erdbeben und ein neues Schadenmodell gebremst.

© dapd Vergrößern Vor einem Jahr nahe Fukushima

Am Sonntag vor einem Jahr bebte in Japan die Erde. Tausende Menschen starben in den Fluten des Tsunami, viele Japaner wurden obdachlos. Die Schäden gingen in die Milliarden. Auch Investoren von Katastrophenanleihen waren von dem Ereignis betroffen. Was selten passiert, geschah hier: Einer der sogenannten Catbonds, mit dem die Munich Re für den japanischen Versicherer Zenkyoren Erdbebenrisiken an den Kapitalmarkt transferierte, erlitt einen Totalverlust von 300 Millionen Dollar. „Die Messstationen haben die Bodenbeschleunigungen gemessen und zusammengeführt“, sagt Rupert Flatscher von der Munich Re. Dabei zeigte sich, dass der entscheidende Grenzwert überschritten war. „Zum Stichtag Ende Mai wurde das Geld an den Emittenten ausgezahlt“, sagt der Leiter des Risk Tradings im Konzern.

Mit Catbonds sichern sich Versicherer und Rückversicherer gegen Spitzenrisiken ab. Rückversicherer wie Munich Re oder Swiss Re agieren als Emittenten oder als Dienstleister, um eine Anleihe für andere Versicherer zu strukturieren. Wenn eine bestimmte Schadenshöhe oder ein vorgegebener Messwert überschritten wird, verlieren die Investoren teilweise oder vollständig ihre Einzahlung. Als Ausgleich erhalten sie einen vergleichsweise üppigen Kupon auf die Anleihen, die in der Regel drei bis vier Jahre laufen.

Deutlich unter dem Trend

Weil diese Anleihen als kaum korreliert mit Kapitalmarktrisiken gelten, erfreuen sie sich unter spezialisierten Fonds einer zunehmenden Beliebtheit. „Wenn Herr Bernanke den Zins anhebt, bewirkt er damit kein Erdbeben“, sagt Henning Ludolphs, bei der Hannover Rück für Catbonds zuständig. Die direkten Investoren seien zwar hochspezialisiert. Ihre Geldgeber aber seien häufig Einrichtungen der Altersvorsorge. „In den vergangenen zwei Jahren haben sie in verstärktem Maße ihr Geld von Pensionsfonds erhalten“, berichtet er. Der Pensionsfonds kanadischer Lehrer etwa hat das Ziel, 1 bis 1,5 Prozent seiner Kapitalanlage in solche Vehikel zu investieren.

In den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres deutete sich ein starker Anstieg der Neuemissionen auch auf Jahressicht an. Zunächst lag das aufgelegte Volumen deutlich oberhalb des Vierjahresdurchschnitts. Dann aber wurde die Entwicklung gebremst, so dass in den sonst starken Monaten Mai bis Juli die Aktivitäten deutlich unter dem Trend lagen. In dieser Zeit versuchen die Emittenten normalerweise, sich gegen Hurrikanrisiken abzusichern. Neben dem Erdbeben sank das Volumen vor allem, weil die amerikanische Modellierungsagentur RMS ihr Katastrophenmodell überarbeitet hat, das für viele Versicherer grundlegend ist.

Infografik / Katastrophenanleihen Internationaler Markt © F.A.Z. Bilderstrecke 

„Die erwarteten Verluste sind in dem neuen Modell deutlich höher“, sagt Martin Bisping, Abteilungsleiter der Swiss Re. Für Versicherer hatte das unterschiedliche Folgen, je nachdem welche Risiken sie in den betroffenen Märkten eingegangen sind. In den schwersten Fällen hätten sich die erwarteten Verluste verdoppelt. „Die Versicherer mussten erst abwarten, wie sich das neue Modell auswirkt und hielten sich mit Emissionen zurück“, sagt Flatscher von der Munich Re. Viele Häuser hätten ihre Emissionen aufgeschoben. Erst zwischen Oktober und Dezember lagen die Monatswerte der neu begebener Anleihen wieder oberhalb des Trends der vergangenen Jahre. In der Summe wurden im Jahr 2011 Catbonds in Höhe von 4,3 Milliarden Dollar ausgegeben - nur dreimal lag der Jahreswert zuvor höher. Für dieses Jahr rechnet Flatscher auch wegen der aufgeschobenen Emissionen sogar mit einem Volumen von 6 Milliarden Dollar.

Die große Nachfrage spiegelt sich auch in den Kupons, die die Emittenten bereit sind zu gewähren. Für amerikanische Sturmrisiken etwa waren sie im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr gefallen. „Jetzt aber haben sie wieder leicht angezogen“, sagt Bisping von der Swiss Re. Diese Entwicklung verlaufe in der Regel parallel zu den Prämienraten in der Rückversicherung. „Aber auch auf dem Sekundärmarkt ist Bewegung“, sagt er. Wie eine Analyse der Swiss Re zeigt, ging die Nachfrage gerade nach größeren Schadenereignissen wie dem japanischen Erdbeben, den amerikanischen Tornados im Frühjahr und dem Hurrikan „Irene“ besonders stark nach oben.

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Die größte Neuemission dieses Jahres knüpft wieder an den Jahrestag des verheerenden Erdbebens in Japan an. Statt der Munich Re hat nun die Hannover Rück für den Versicherer Zenkyoren dessen Erdbebenrisiken neu strukturiert. Wieder beträgt das Volumen 300 Millionen Dollar - die Investoren hoffen diesmal, einen Totalverlust zu vermeiden. Auch die Swiss Re mit zwei kleineren Tranchen eines Hurrikan-Programms und die Munich Re ebenfalls mit einer Hurrikan-Anleihe waren schon aktiv.

Quelle: F.A.Z.

 
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