25.10.2004 · Zinspapiere des Bundes bringen mehr Rendite. Denn sie kosten keine Gebühren. Die meisten Rentenfonds können da nicht mithalten.
Von Thomas SchmittLiegen so viele Anleger wirklich falsch? Beispiel Rentenfonds: Allein im September sammelten sie in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro ein. Dieses Jahr werden es bald zehn Milliarden sein. Aktien- und Geldmarktfonds verblassen, obwohl Euro-Rentenfonds auf Jahressicht nur 3,3 Prozent und internationale nur 1,7 Prozent brachten. Im Schnitt wohlgemerkt, wie der Branchenverband BVI angibt.
Was Rentenfonds manchmal in einem Monat zufließt, darauf hofft der kleine Konkurrent, die Bundeswertpapierverwaltung, für das ganze Jahr. Dabei sind die Renditen stabil und konkurrenzfähig. Zum Vergleich: Bis August gingen in die fünfjährigen Bundesobligationen (Bobl) gerade einmal 380 Millionen Euro.
Auf Platz zwei landete der sechsjährige Bundesschatzbrief (Typ A) mit 280 Millionen. Deren Rendite liegt aktuell sogar höher als der Schnitt der Rentenfonds. Der Vizepräsident der Wertpapierverwaltung in Bad Homburg, Thomas Dress, freut sich zwar über die "steigende Tendenz". Doch Rentenfonds haben ihn klar abgehängt.
Bessere Entwicklung über alle Laufzeiten
Dabei bietet Dress Produkte, die einfacher und profitabler sind. Das belegen immer wieder Vergleiche des Informationsdienstes für Bundeswertpapiere (IBW) in Düsseldorf. Bereits zehnmal haben die Mathematiker seit 2000 beide Gattungen verglichen. Jedesmal schlugen die Wertpapiere des Bundes über 10, 20 oder 30 Jahre die Euro-Rentenfonds. Im Schnitt waren sie besser als etwa zwei Drittel der Euro-Fonds.
Der Grund: Für Schatzbriefe zahlen Anleger keine Gebühren, die Depotverwaltung ist kostenlos. Wer einen Rentenfonds kauft, berappt beim Kauf bis zu fünf Prozent. Dieser Ausgabeaufschlag drückt genauso die Rendite wie die jährlichen Gebühren. Nur die besten Rentenfonds schlugen am Ende die Schatzbriefe. Doch wer traut sich zu, diese für fünf, zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre immer herauszupicken?
Verbraucherschützer kritisieren Tempo der Zinsanpassungen
Ausgerechnet die Schatzbriefe! Sie sind ja noch nicht einmal das beste Bundeswertpapier. Die Rendite und damit der Ertrag von ein- und zweijährigen Finanzierungsschätzen oder fünfjährigen Bobl ist in der Regel höher - bei vergleichbarer Investitionsdauer. Das zeigt ein Vergleich (siehe Tabellen). Dabei wurden immer 10.000 Euro investiert und nach zwei und fünf Jahren Bilanz gezogen.
Daß der Vorteil in jedem Monat ein klein wenig anders ist, hängt mit den jeweiligen Zinsanpassungen zusammen. Der Bund ändert die Schatzbrief-Konditionen nur, wenn es zu spürbaren Zinsveränderungen am Markt gekommen ist. Oft nicht schnell genug, kritisieren Verbraucherschützer. Negativ wirkt im Vergleich zu den Bobl auch die Rückgabegarantie. Diese Kurssicherheit bezahlt der Anleger mit einem Renditeabschlag.
Auch Bankprodukte schneiden oft schlechter ab
Ob im Einzelfall Schatzbrief, Finanzierungsschatz oder Bobl die beste Wahl ist, hängt auch von den Absichten des Anlegers ab. Wer genau nach zwei Jahren sein Geld braucht, wählt die Schätze. Doch da dies nicht immer gewiß ist, bietet der Schatzbrief mehr Flexibilität und weniger Neuanlageaufwand. Als Faustregel beim Renditevergleich gilt: Wenn die Schätze auf ein Jahr 0,05 Prozentpunkte und auf zwei Jahre 0,1 Prozentpunkte mehr als der Schatzbrief bringen, lohnt sich das.
Bleibt noch eine dritte Möglichkeit: Ansparpläne der Banken. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung hat herausgefunden, daß von 50 Banken in den ersten fünf Jahren nur 14 eine höhere Rendite als Schatzbriefe schaffen. Bis zu 0,5 Prozentpunkte. Bei sechs oder sieben Jahren, der maximalen Anlagedauer des Typ B, sind es nur noch zehn. Dabei ist die Unsicherheit etwas größer, genauso wie die Chance. Banksparpläne sagten nur unterschiedlich hohe Bonuszahlungen fest zu, doch davon sollten sich Anleger nicht blenden lassen, wenn sie sichergehen wollen.