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Spaniens Targetsaldo sinkt Anzeichen für Atempause bei der Kapitalflucht

 ·  Die Sparer ziehen zwar immer noch Geld von ihren Bankkonten ab, erstmals seit Juni 2011 sinkt aber Spaniens Targetsaldo. Auf den Kapitalmärkten verbessern sich die Finanzierungsbedingungen der spanischen Banken.

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© REUTERS Seit Jahresbeginn haben spanische Privathaushalte und Unternehmen ihre Einlagen bei den spanischen Banken um rund 200 Milliarden Euro reduziert

Auf den Kapitalmärkten wächst die Hoffnung, dass die seit Monaten andauernde Kapitalflucht aus den finanzschwachen Euroländern zum Stillstand kommen könnte. Anlass dazu sind unter anderem die jüngsten günstigen Daten über den Targetsaldo zwischen den Notenbanken des Eurosystems. Erstmals seit Juni 2011 ist die Verbindlichkeit der spanischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) um 34 Milliarden Euro auf rund 400 Milliarden Euro gesunken. Auch für die Banca d’Italia ist dieser Wert im September leicht gefallen, während die dem gegenüberstehende Forderung der Bundesbank an die EZB um gut 50 auf knapp 700 Milliarden Euro gesunken ist.

Weil hiesige private Banken ihren Konkurrenten in den finanzschwachen Euroländern kaum noch Kredit geben, führen Geldzahlungen über das Zahlungsverkehrssystem Target zum Aufbau dieser Forderungen der finanzstarken Notenbanken und Verbindlichkeiten der finanzschwachen Notenbanken gegenüber der EZB. In Zeiten, da sich die Krise verschärft, steigen sie besonders schnell, weil dann zusätzlich zur Bezahlung der Importe auch der Geldabfluss über das Zahlungsverkehrssystem geleitet wird.

Italienische Banken verzeichnen Zuflüsse

Deshalb wurde der jüngste Rückgang der spanischen Targetschulden als ermutigend interpretiert. „Geld zurück“, überschrieben zum Beispiel Analysten der Credit Suisse einen Kommentar zu diesem Thema. Auch wenn es sich nur um einen Monatswert handele, zeige er, dass es nach einem Jahr der Kapitalflucht erstmals wieder einen größeren Rückfluss an privatem Kapital in die Peripherieländer gebe. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, wertet das als positives Signal. „Der Targetsaldo ist ein verlässlicher Krisenindikator, weil er das Verhalten der Menschen auf der Straße spiegelt.“ Allerdings sei es zu früh, von einer Trendwende zu sprechen. Dafür müsse es mehrere Monate in Folge mit kräftigen Kapitalrückflüssen geben.

„Ich bin eher skeptisch und sehe keine Trendwende“, sagt dagegen Jürgen Michels, Ökonom der Citigroup. Das gelte insbesondere für Spanien. Denn dort sei die prekäre Lage der Banken, die ein wichtiger Grund für die Kapitalflucht sei, nicht gelöst. Der vom Staat genannte Kapitalbedarf der spanischen Banken von 54 Milliarden Euro sei viel zu optimistisch geschätzt. Es könne leicht der doppelte oder dreifache Betrag notwendig sein, um die Folgen der Rezession und des Verfalls der Immobilienpreise in den Kreditbüchern der Banken aufzufangen. Sei so viel Geld erforderlich, werde sofort wieder die Frage aufkommen, wer es zur Verfügung stellen werde. „Die Solvenz der Banken und des Staates ist immer noch nicht gesichert“, warnt Michels.

Insbesondere in Spanien - italienische Banken verzeichnen Zuflüsse - hat diese Unsicherheit dazu beigetragen, dass viele Menschen ihr Geld von den Konten der heimischen Banken abgezogen haben. Dieser Trend ist zumindest bis Ende August ungebrochen gewesen. Seit Jahresbeginn haben spanische Privathaushalte und Unternehmen ihre Einlagen bei den spanischen Banken um rund 200 Milliarden Euro reduziert, allein im August um rund 10 Milliarden Euro. Die Ankündigung der Details des Anleihekaufprogramms der EZB wurden allerdings erst Anfang September veröffentlicht. Die Reaktion der Sparer und Unternehmen darauf wird erst in einigen Tagen sichtbar sein. J .P. Morgan weist darauf hin, dass die spanischen Banken vor allem Termineinlagen mit längeren Laufzeiten verloren haben. Dagegen hätten sich die Einlagen auf Giro- und Sparkonten, die eine besonders günstige Finanzierungsquelle seien, stabilisiert.

Draghi lobt Fortschritte Portugals

Auch auf den Kapitalmärkten haben sich die Finanzierungsbedingungen der spanischen Banken seit der Ankündigung möglicher EZB-Interventionen spürbar verbessert. Das drückt sich unter anderem in verringerten Risikoprämien aus. Eine Kreditabsicherung für Forderungen gegen die spanische Großbank BBVA kostete zum Beispiel im Juli noch bis zu 5 Prozent jährlich der versicherten Summe. Derzeit werden solche Kontrakte mit einer Risikoprämie von weniger als 3,5 Prozent gehandelt.

Bei einer Anhörung vor dem Europa-Parlament lobte EZB-Präsident Mario Draghi zudem die Fortschritte Portugals. Das Land habe gute Chancen, bis zum Jahr 2014 wieder vollen Zugang zum Anleihemarkt zu erlangen. Portugal habe große Fortschritte bei der Verringerung seines Leistungsbilanzdefizits gemacht, und das Haushaltsdefizit dürfte 2014 unter 3 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung fallen. „Die Fortschritte in Portugal kommen schneller als erwartet“, sagte Draghi. In der vergangenen Woche hatte der portugiesische Staat Anleihen mit kurzer Laufzeit in neue Titel mit mehrjähriger Laufzeit getauscht.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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