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Veröffentlicht: 19.06.2012, 19:45 Uhr

Spanien und Portugal Die Renditen nähern sich an

Spanien zahlt 5,07 Prozent für einjährige Papiere. Die Schätzungen über den Kapitalbedarf der Banken werden am Donnerstag vorgelegt. Eine weitere Herabstufung der Bonitätsnote ist möglich.

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© dpa Auf dem Weg nach Portugal

Spanien hat am Dienstag in einer mit Spannung erwarteten Auktion für 3 Milliarden Euro Schatzwechsel versteigert. Dabei musste das Königreich für einjährige Papiere 5,07 Prozent und für eineinhalbjährige 5,11 Prozent zahlen, was gegenüber den vorangegangenen Auktionen eine deutliche Verteuerung bedeutet.

Gerald Braunberger Folgen:

Ein Analyst der französischen Großbank Crédit Agricole erinnerte daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eingegriffen hatte, als die spanischen Renditen für Kurzläufer gegen Ende 2011 schon einmal 5 Prozent erreicht hatten. Am Markt umlaufende Gerüchte, die EZB habe am Dienstag Staatsanleihen gekauft, ließen sich nicht erhärten. Die EZB wurde schon seit vielen Wochen nicht mehr am Markt gesehen.

Obwohl die spanischen Renditen für Kurzläufer damit sehr hoch liegen, reagierten die Teilnehmer an den Finanzmärkten mit vorsichtiger Erleichterung, da die Nachfrage nach den Papieren sehr hoch war. In der Folge fielen die Renditen am Markt befindlicher mehrjähriger spanischer und italienischer Staatsanleihen um 12 bis 16 Basispunkte. Die Zehnjährigen aus Spanien rentierten mit 6,96 Prozent, die Zehnjährigen aus Italien mit 5,89 Prozent. Die europäischen Aktienmärkte verzeichneten deutliche Kursgewinne. Der nächste Markttest findet am Donnerstag statt. Dann will Spanien mehrjährige Staatsanleihen versteigern. Die Papiere dürften überwiegend im eigenen Land bleiben, da sich der Anteil ausländischer Investoren an den spanischen Staatspapieren seit dem Jahreswechsel von 50 auf 37 Prozent reduziert hat.

Handelsumsätze in den iberischen Anleihemärkten gering

Ein Mitarbeiter der Ratingagentur Standard & Poor’s sagte in London, eine weitere Herabstufung der Bonität Spaniens sei möglich. Nach Medienberichten werden die Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman am Donnerstag eine erste Schätzung des Kapitalbedarfs der spanischen Banken vorlegen. Nach Gerüchten könnte dieser Betrag bis zu 150 Milliarden Euro ausmachen. Die Veröffentlichung einer detaillierteren Analyse durch vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist nach weiteren Medienberichten von Ende Juli auf Ende September verschoben. Ebenfalls auf unbestätigten Medienberichten beruht das Gerücht, die Regierung wolle die zahlungskräftige staatliche Lotteriegesellschaft dazu bewegen, 6 Milliarden Euro Kredite aufzunehmen und an den Staat weiterzureichen.

Infografik / Iberische Annäherung Portugisische und spanische Anleihen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Während die Renditen spanischer Staatsanleihen seit Monaten in der Tendenz steigen, fallen zum gleichen Zeitpunkt die Renditen des kleinen iberischen Nachbarn Portugal, der vor rund einem Jahr ein Hilfsprogramm von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Union (EU) erhalten hat (siehe Grafik). Seitdem begibt Portugal keine mehrjährigen Anleihen mehr, wohl aber Schatzwechsel mit kurzen Laufzeiten. Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass die Handelsumsätze in den iberischen Anleihemärkten gering sind. Dies gilt erst recht für Portugal, mittlerweile aber auch für Spanien. Eine Annäherung zeigen auch die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf Staatsanleihen der beiden Länder.

Der Rückgang der portugiesischen Renditen ist nach Auskunft von Marktteilnehmern das Ergebnis der Reformpolitik der Regierung, die in regelmäßigen Abständen von der „Troika“ aus Währungsfonds, Europäischer Union und Europäischer Zentralbank gelobt wird. Kürzlich hatte sich auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann anerkennend über die Fortschritte Portugals geäußert. Anders als Griechenland hat Portugal im vergangenen Jahr mit Privatisierungen begonnen.

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Gleichwohl besitzt die portugiesische Bilanz auch eine Passivseite. Die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession; Hoffnung auf Besserung kommt nur vom Export. Die portugiesischen Banken sind an der Börse kaum etwas wert und können sich fast nur noch über die EZB und nicht mehr über den Markt refinanzieren. Vor allem dürfte das Hilfsprogramm nach Ansicht von Fachleuten nicht reichen. Nicht nur entwickelt sich die Wirtschaft schlechter als erwartet. In dem Programm wurden optimistische Annahmen über die Fähigkeit von Staatsunternehmen getroffen, auslaufende Kredite refinanzieren zu können. Hier könnte ein zusätzlicher externer Kapitalbedarf entstehen.

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