Derweil das Segment der Mittelstandsanleihen derzeit große Aufmerksamkeit erfährt, steht der Rest des Anleihenmarktes nicht still. Auch außerhalb des Bond-M und ähnlicher Börsen finden Privatanleger neue Anlagemöglichkeiten in einer freundlichen Stückelung von 1000 Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren.
Eine solche Emission hat vor einigen Tagen der Photovoltaik-Konzern Solarworld zum größten Teil bei Finanzinstituten und Intermediären im Privatanlegersektor in Deutschland und dem europäischen Ausland plaziert. Mit dem Erlös aus dem mit 6,375 Prozent verzinsten Rentenpapier mit einem Volumen von 150 Millionen Euro soll das internationale Wachstum des Unternehmens finanziert werden.
Nettofinanzverschuldung deutlich gestiegen
Im Mai hat das Unternehmen zwar auch eine 2004 begebene siebenjährige Anleihe zurückgezahlt, doch angesichts des geringen Volumens von nur 25 Millionen Euro, spielt dies eher am Rande eine Rolle. Derzeit lässt sich die Tendenz beim Konzern nicht übersehen, dass die Fremdfinanzierung steigt. Lag die Eigenkapitalquote zwischen 2007 und 2009 noch stabil hohen 40 Prozent, so ist sie mittlerweile auf 34 Prozent gesunken. Mit den neuen Anleiheschulden würde sie - von gegenläufigen Effekten abgesehen - abermals um einen Prozentpunkt sinken.
Bis 2006 war Solarworld war die Nettofinanzverschuldung des Unternehmens vernachlässigbar, teilweise verfügte es gar über einen Überschuss. Seit 2007 steigt diese merklich. Mit 661 Millionen Euro erreichte sie zum 31. März einen neuen Höchststand. War sie bei der vorangegangenen Emission im Januar 2010 in Relation zum für 2009 prognostizierten operativen Gewinn mit rund 1,3 noch recht niedrig, so beträgt sie nun schon 2,5.
Renditeaufschlag indiziert spekulatives Rating
Solarworld hat zwar kein Rating einer internationalen Agentur, doch dürfte in den merklich schwächeren Bilanzkennziffern ein Grund zu suchen sein, warum die neue Anleihe einen Aufschlag von 3,6 Prozentpunkten zum Referenzzins der Banken bietet und die Vorgänger-Anleihe lediglich 3,05 Prozentpunkte - trotz siebenjähriger Laufzeit.
Ein weiterer Grund dürfte die Konkurrenz durch die hochverzinslichen Mittelstandsanleihen sein, gegen die es Anleihen ohne Rating derzeit eher schwerer haben dürften. Ein weiteres Indiz dafür dürfte auch die Ausgestaltung der Anleihe sein, die der von Mittelstandsanleihen gleicht.
Legt man als Vergleichsmaßstab die jüngste Emission des Betreibers des Flugbuchungssystems Amadeus zugrunde, so ergibt sich ein Rating im spekulativen Bereich. Amadeus plazierte vor einigen Tagen eine Anleihe im Volumen von 750 Millionen Euro mit einem Renditeaufschlag von 2,035 Prozentpunkten. Das Rating liegt mit “Baa3/BBB-“ am unteren Ende der Investment-Grade-Skala.
Wenig Argumente für die Alt-Anleihe
Die Kreditwürdigkeit von Solarworld hängt zum einen davon ab, welcher Stellenwert der Photovoltaik in der Energiepolitik in den kommenden Jahren beigemessen wird. Dies wiederum hängt vom Ausmaß des technischen Fortschritts, aber auch der Dringlichkeit von Haushaltsproblemen in entwickelten Staaten ab. Zudem muss Solarworld sich auf den internationalen Märkten behaupten können, das heißt, die Expansionspolitik erfolgreich sein.
Mit einer aktuellen Rendite von 6,45 Prozent ist die Anleihe eine Alternative zu Mittelstandsanleihen, von deren Emittenten sich Solarworld durch die schiere Größe abhebt. Sie rentiert damit auch noch deutlich höher als die 2017 fällige Solarworld-Anleihe bei 6,3 Prozent.
Für diese gibt es derzeit auch wenig Kaufgründe, da sie lediglich sechs Monate später als die neue Anleihe fällig wird. Dies bedeutet auch, dass zwischen Juli 2016 und Januar 2017 auf Solarworld eine Tilgungsverpflichtung von 550 Millionen Euro oder rund der Hälfte der Bruttofinanzverschuldung zum 31. März 2011 zukommt. Auch das muss der Konzern dann stemmen können. In der heutigen Situation ist indes davon auszugehen, dass eine Refinanzierung kein Problem darstellen würde.