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Slowenien Neue Anleihe erscheint nicht unattraktiv

08.03.2010 ·  Mit einer neuen Milliardenanleihe macht Slowenien auf sich aufmerksam. Das Verhältnis von Risiko und Rendite scheint der Situation durchaus angemessen und nicht uninteressant.

Von Martin Hock
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Mit einer neuen Anleihe bringt sich der kleinste Staat Mittelosteuropas derzeit an den Rentenmärkten in Erinnerung. Eine Milliarde Euro will Slowenien mit einer Anleihe von fünf Jahren Laufzeit aufnehmen. Wer indes auf einen hohen Kupon hofft, wird sich getäuscht sehen. Die Rendite soll lediglich 37 Basispunkte über dem Referenzzinssatz der Banken liegen, das entspräche 2,95 Prozent.

Was nach wenig klingt, ist vergleichsweise keine schlechte Rendite. Im Vergleich zu den fünfjährigen Papieren der als gute Schuldner eingestuften Euro-Länder Frankreich, den Niederlanden, Finnland oder Deutschland bietet Slowenien ein Renditeplus von immerhin 66 bis 87 Basispunkten, etwa gleichviel wie Portugal, aber nur fast halb soviel wie Griechenland.

Musterknabe in Nöten

Immerhin bewerten die Rating-Agenturen Slowenien mit den Bonitätsnoten „AA“ bzw. „Aa2“. Das ist nur zwei Noten schlechter als das beste Rating „AAA“, das gleiche Niveau wie Portugal und drei bis fünf Noten besser als Griechenland.

Unter den mittel-osteuropäischen Ländern war Slowenien lange Zeit so etwas wie ein Musterknabe. Es war das erste Land, das der Eurozone nach ihrer Gründung beitrat, nachdem es dem Land gelang, die Inflationsrate von 8 bis 9 Prozent bis 2005 auf weniger als 3 Prozent zu senken. Auch die Haushaltsdisziplin war vorbildlich: 2007 verzeichnete Slowenien einen leichten Überschuss, 2008 betrug das Defizit lediglich 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Staatsverschuldung belief sich auf 22,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Doch wie die übrige Region wurde auch Slowenien tief in den Strudel der Finanzkrise gerissen. Tatsächlich traf es das Land unter den mittel-osteuropäischen Staaten mit am härtesten. 2009 dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 8 Prozent gefallen sein, erst 2012 dürfte nach Prognosen des Wiener Instituts für Wirtschaftsforschung (WIIW) das Niveau des Jahres 2007 wieder überschritten werden, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Wachstumsraten des Landes im regionalen Vergleich eher niedrig sind.

Haupthemmnis private Verschuldung

Ein Grund dafür ist die hohe Verschuldung des privaten Sektors. Ähnlich wie in Ungarn stieg diese in den Vorjahren drastisch an: Während sich die Staatsverschuldung im vergangenen Jahrzehnt um rund 70 Prozent stieg, kletterte die Gesamtverschuldung um das Zehnfache von rund einem Viertel auf mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wohingegen der Anteil der Staatsverschuldung von 26,8 Prozent auf 22,5 Prozent zurückging.

Das zwingt nach dem Dafürhalten des Länderforschungsinstituts Economic Intelligence Unit (EIU) die privaten Haushalte auch weiter zur Entschuldung, allzumal die Arbeitslosenquote von ihrem Tiefstand bei 6,3 Prozent im September 2008 auf zuletzt 10,3 Prozent wieder angestiegen ist. Auch von den Hauptausfuhrländern Deutschland und Italien seien eher nur zögerliche Impulse zu erwarten.

Erholung lässt nach

Besonderes Kopfzerbrechen macht den Experten auch, dass die wirtschaftliche Erholung im vierten Quartal 2009 mit einem Wachstum von nur noch 0,1 Prozent nach 0,6 Prozent im dritten Quartal wieder deutlich an Fahrt verloren hat. Der private Konsum fiel um 0,9 Prozent stärker als im Vorquartal, als das Minus 0,3 Prozent betrug. Nach Daten des WIIW war die Kreditvergabe der Banken mit knapp 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Dezember weiter deutlich rückläufig. Vor Jahresfrist hatte das Kreditwachstum noch fast 20 Prozent betragen.

In der Hauptsache setzen die EIU-Experten 2010 auf eine Auffüllung der Lager und die staatliche Sozial- und Infrastrukturpolitik. Doch auch hier gibt es Schwierigkeiten. Finanzminister Franc Krizanic schließt einen Nachtragshaushalt für 2010 nicht aus, sollte der Staat als größtem Aktionär in die Verlegenheit kommen, der größten slowenischen Bank, der angeschlagenen NLB, 250 Millionen Euro zuschießen zu müssen, um die sich derzeit noch mit der belgischen Bank KBC als zweitem Großaktionär gestritten wird.

Vergleichsweise komfortable Lage für notwendige Reformen

Das Kompetenzzentrum der Schweizer Außenwirtschaftsförderung Osec mahnte jüngst dringende Strukturreformen an. Insbesondere die Privatisierung staatlicher Unternehmen müsse vorangetrieben werden, die Rentenversicherung basieren zu einseitig auf einem nach dem Umlageverfahren finanzierten System, das schon rund 19 Prozent des BIP ausmache und ohne Kurskorrektur im Jahr 2050 bis zu 28 Prozent erreichen werde.

Hier Reformen durchzusetzen werde in Anbetracht der Bevölkerungsstruktur schwierig werden. Slowenien hat in Europa eine der niedrigsten Geburtenraten, aber eine der höchsten Lebenserwartungen. Die Rentner sind über die Demokratische Pensionistenpartei in der Regierung vertreten und verfügen über 8 Prozent der Parlamentssitze.

Nichtsdestoweniger wären viele Länder froh, in einer finanziell so komfortablen Ausgangslage zu sein, die Spielraum lässt, mit rechtzeitigen Reformen das Entstehen einer schwierigen Situation zu verhindern. Das WIIW rechnet für 2010 mit einer Staatsverschuldung von wenig mehr als 40 Prozent und einem Haushaltsdefizit zwischen 3 und 4 Prozent. Dies scheint dem Institut kurzfristig durchaus tragbar. Insofern bietet die slowenische Anleihe eine für das Risiko ansprechende Risikorendite, die am Zweitmarkt erhältlichen Anleihen derzeit nicht erreichen.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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